Noch ein letztes Mal die Paarfigur üben, die Schminke kontrollieren, das Tutu zurechtzupfen: Der Tag war noch jung, als sich am Donnerstag die ersten Turnerinnen für den Gymnastik-Wettkampf im Aarauer Schachen bereit machten. Was kurz darauf folgte, hatte jedoch wenig damit zu tun, was man landläufig unter Morgengymnastik versteht: Elegante Pirouetten, akrobatische Sprünge und kraftvolle Hebefiguren - das alles kombinierten die Turnerinnen auf der Bühne im Freien mit Tanzelementen zu individuellen Choreografien.

Den Auftakt des Wettbewerbs machten Sandra Gloor und Alexandra Käser vom DTV Birrwil. «Ich dachte mir: Jetzt geht’s tatsächlich los!», sagte Wettkampfleiter Christian Heiss. Zwei Jahre hat er zusammen mit drei weiteren auf diesen Tag hingearbeitet. «Am Eidgenössischen will man es besonders gut machen», sagte der 37-Jährige aus Wilchingen im Kanton Schaffhausen.

Gymnastik am Eidgenössischen Turnfest im Aarauer Schachen

Gymnastik am Eidgenössischen Turnfest im Aarauer Schachen

Am Donnerstag in aller Frühe starteten im Schachen die Wettkämpfe der Gymnasten. Eine Auswahl.

Das wollten auch die Turnerinnen - ob mit oder ohne Geräte, ob zu zweit oder alleine. Taktgenau bewegten sie sich zu Jazz, Destiny’s Child, Ballermann-Schlager oder der Musik aus Harry Potter. Sie warfen pink glitzernde Reifen in die Höhe, um diese nach einem blitzschnellen Sprung wieder zu fangen, überschlugen sich akrobatisch und balancierten Bälle auf den Schultern, während sie im Spagat sassen.

Einige Auftritte waren lustig, andere berührend ruhig, dritte laut und wild. Bettina Wittwer und Pascale Müller vom TV Lengnau bei Biel beispielsweise hatten sich für ihre Übung einen Heavy-Metal-Song ausgesucht:

So früh am Morgen schon so viel Coolness: Pascale Müller und Bettina Wittwer vom TV Lengnau bei Biel.

So früh am Morgen schon so viel Coolness: Pascale Müller und Bettina Wittwer vom TV Lengnau bei Biel.

«Es gefällt uns, etwas Anderes, Kontroverses zu machen», sagte die 24-jährige Pascale Müller dazu.

Drittbeste Gymnastin kämpfte

Fabienne Peyer vom DTV Muhen blieb klassischer. Mit ihren Stulpen und schwarzem Bodysuit schien sie direkt mit einer Zeitmaschine aus den 80ern auf der Gymnastik-Bühne im Aarauer Schachen gelandet zu sein.

Fabienne Peyer vom DTV Muhen.

     

Passend dazu hatte sie für ihre Choreografie das Lied «What a feeling» aus dem Film Flashdance ausgewählt. «Ich möchte eine Geschichte erzählen», sagte die 25-Jährige aus Muhen. Und wie war das Feeling direkt nach dem Auftritt? «Gut! Die Stimmung hier ist super. Auch unter den Turnerinnen», sagte die Mühelerin. In Aarau zu turnen, sei besonders schön. «Das ist schliesslich unsere Gegend!»

Das sah auch Fabienne Schneider vom TV Jonen so. Sie ist mit ihrer Schwester Nadine im Duo angetreten. Das Fest ist für sie etwas Besonderes. «Es kommen Menschen aus allen Alters- und Niveaustufen aus der ganzen Schweiz. Da wird einem erst richtig bewusst, wie viele Leute die Leidenschaft fürs Turnen teilen», sagte Fabienne Schneider. Für sie beide stehe der Spass im Vordergrund. Deshalb werden die Schwestern am zweiten Festwochenende auch im Schachen campieren - trotz kurzem Nach-Hause-Weg. Nadine und Fabienne Schneider sind sich einig: Das gehört einfach dazu!

Barbara Bachmann vom Stadtturnverein Brugg trat mit Ball und Keulen auf.

  

Barbara Bachmann aus Brugg hingegen war mit einem klaren Ziel zum Wettkampf angetreten. Nicht unberechtigterweise: Vor zwei Jahren gewann die Bruggerin an den Schweizermeisterschaften Bronze. «Am Eidgenössischen will ich es unter die besten acht schaffen», sagte die 23-Jährige vom Stadtturnverein. Dementsprechend ehrgeizig zeigte sie sich nach ihrem ersten Auftritt: «Eine Windböe hat mir den Gymnastikball weggeweht. Das nervt mich sehr!», sagte sie.

Die Gymnastik-Vorführung des mehrfachen Aargauer Schweizer Meisters Remo Murer (40):

Feurig: Die Gymnastik-Vorführung des Aargauer Schweizer Meisters Remo Murer (40)

Tausensassa? «Gstörte Siech!», lacht Remo Murer. Am Donnerstagmorgen hat der 40-Jährige aus Muhen seinen ersten Wettkampfteil absolviert, und am Abend ist er der Tätschmeister der Eröffnungsfeier.