Aarau

Feuerwehrkommandant Michael Gautschi tritt ab – folgt nun die Professionalisierung?

Michael Gautschi ist seit Januar 2015 Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Aarau. Er folgte damals auf Margrit Stüssi.

Michael Gautschi ist seit Januar 2015 Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Aarau. Er folgte damals auf Margrit Stüssi.

Michael Gautschi gibt Amt nach nur zweieinhalb Jahren ab. «Langsam kommt das Milizsystem an seine Grenzen», denkt Regina Jäggi, SVP-Stadträtin laut über eine Professionalisierung nach.

Diese Nachricht kommt unerwartet: «Michael Gautschi, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Aarau, tritt von seinem Amt zurück», gibt die Stadt Aarau in einer am Dienstagabend verschickten Medienmitteilung bekannt. Gautschi (41), der seit 1994 der Feuerwehr angehört, übernahm das Kommando per 1. Januar 2015 von Margrit Stüssi. Ende Juni 2017 wird er es nun wieder abgeben.

Wieso geht der Kommandant schon nach zweieinhalb Jahren? Die zuständige Stadträtin, Regina Jäggi (60), erklärt: «Herr Gautschi hat Anfang dieses Jahres eine neue Stelle angetreten, die zeitlich mit dem Amt als Feuerwehrkommandant nicht mehr vereinbar ist.» Gautschi war bis Ende 2016 bei der IBAarau AG in einem 80-Prozent-Pensum tätig. Nun arbeitet er bei der Kantonspolizei, wo er in der Telli als Zivilangestellter Gruppenleiter Gebäudetechnik ist – ein 100-Prozent-Job.

«Er musste feststellen, dass diese Doppelbelastung auf Dauer nicht machbar ist», sagt Jäggi. «Sein neuer Job gefällt ihm aber so gut, dass er nun die Priorität darauf legt. Das verstehen wir natürlich voll und ganz.» Kommt hinzu: Gautschi ist im Dezember zum zweiten Mal Vater geworden; auch die Familie wird sich sicherlich freuen, wenn er künftig öfter zu Hause ist.

Führungsstruktur überdenken

Den Rücktritt Michael Gautschis nimmt der Stadtrat nun zum Anlass, die gesamte Führungsstruktur der Feuerwehr zu überdenken. «Langsam kommt das Milizsystem an seine Grenzen», sagt Regina Jäggi. Offiziell gelte das Amt des Kommandanten als 20-Prozent-Job, wahrscheinlich sei der Zeitaufwand aber noch höher, gibt sie zu bedenken. «Koordination, Administration, fast jeden Abend Übungen, Kaderrapporte und so weiter», zählt Jäggi auf. «Da kommt einiges zusammen.»

Zur Diskussion stehe nun, ob man für die Führung der 135 Personen starken Truppe einen Profi-Kommandanten einsetzen wolle, der dann noch weitere Aufgaben hätte als Gautschi bisher. Aus dem Korps hört man, das sei schon seit Jahren ein Thema, aber bisher habe man aus Spargründen darauf verzichtet. Auch sei die Feuerwehr Aarau eher zu klein für einen vollamtlichen Kommandanten. Jäggi betont jedoch, dass es keine Pläne für die Fusion mit Nachbarfeuerwehren gebe. «Auch der Kanton macht diesbezüglich keinen Druck.»

Es gäbe noch weitere Varianten: «Möglich wäre auch die Einsetzung eines Stabsoffiziers, der den Kommandanten soweit entlastet, dass er nur noch Führungsaufgaben wahrnehmen muss», so die Stadträtin. Die Stützpunktfeuerwehr Brugg hat dieses Modell. Eine Lösung kann man aber nicht sofort aus dem Ärmel schütteln – deshalb behält sich der Stadtrat vor, nach Gautschis Rücktritt einen interimistischen Kommandanten einzusetzen, bis die künftige Organisationsstruktur geklärt ist.

Nur einer ist Profi-Kommandant

Im Kanton Aargau gibt es nur gerade einen einzigen Kommandanten, der eine Festanstellung bei einer Feuerwehr hat: Peter Ruch. Er ist aber nicht nur Kommandant, sondern auch Materialwart der Stützpunktfeuerwehr Zofingen. Insgesamt haben zehn Personen im Aargau eine Vollzeitanstellung bei einer Feuerwehr, die meisten im Bereich Material/Technik. Ausgenommen sind die Betriebsfeuerwehren, wo Job und Rettung ineinander übergehen.

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