Die Altstadt stinkt noch nach Rauch. Aber ansonsten war gestern schon fast wieder Courant normal in der Rathausgasse. Der Dachstockbrand vom Dienstagabend hat zwei Liegenschaften «weitgehend zerstört», wie die Kantonspolizei schreibt. Dass nicht mehr passiert ist, verdankt Aarau den Einsatzkräften, allen voran den Feuerwehren.

Nur eine Stunde hat der Aarauer Kommandant David Bürge in der Nacht geschlafen, auf einer Matratze im Feuerwehrmagazin. Die AZ konnte am Mittwochmorgen mit ihm sprechen.

Es ist jetzt kurz nach 9 Uhr. Was läuft gerade auf dem Brandplatz?

David Bürge: Wir sind an letzten Löscharbeiten. Sie sind wegen der komplexen Dachkonstruktion noch nicht abgeschlossen, es finden sich immer mal wieder Glutnester. Die Feuerwehr Erlinsbach unterstützt uns. Gegen Mittag werden wir das Gebäude freigeben können, dann wird das weitere Vorgehen mit Eigentümern und Handwerkern besprochen. Ausserdem laufen seit heute früh die Arbeiten der Brandermittler. Noch in der Nacht war zudem ein Ingenieur vor Ort, der die Statik beurteilt hat.

Auf Drohnenaufnahmen sieht man, dass die Feuerwehr von einer Dachterrasse an der Kirchgasse aus löscht. Wissen Sie bei jedem Altstadthaus genau, wo man hineinkommt und wie man dort am besten löscht?

Nein, oft weiss man das im Voraus nicht so genau, deshalb braucht die Einsatzplanung eine gewisse Zeit. Altstadtbrände sind in mehrfacher Hinsicht speziell herausfordernd: Die Platzverhältnisse sind eng, die Gebäude verwinkelt, es gibt viele gefangene Räume, die Etagen liegen gegeneinander verschoben, und oft fehlen Brandschutzmauern. Wir führen deshalb auch regelmässig Einsatzübungen in der Altstadt durch. Beim gestrigen Brand hat uns der Zufall geholfen: Erst vor zwei Monaten haben wir die Bauherrschaft in Bezug auf Brandschutz beraten. Das ist, im Sinne der Prävention, eine der Aufgaben der Feuerwehr, und der Bauherr ist aufgrund der Sanierungsmassnahmen auf uns zugekommen. Das hat uns nun geholfen.

Sie hatten ausserdem Unterstützung von den Nachbarn.

Der Einsatzleiter, Pikettoffizier Dani Näf, hat sofort Nachbarfeuerwehren aufgeboten, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten. Erlinsbach und Küttigen, aber auch die Stützpunkt-Feuerwehr Zofingen, damit wir eine zweite Autodrehleiter haben. So konnten wir mit Wasserwerfern arbeiten – das haben wir mit Bravour gemeistert, muss man sagen. Damit wurde ein Übergreifen auf andere Gebäude verhindert. Insgesamt standen rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz. Neben zwei Autodrehleitern und mehreren Tanklöschfahrzeugen haben wir auch einen Atemschutzcontainer genutzt. Und einen mobilen Grosslüfter: In den Gässli hatten sich Rauch und Dämpfe gesammelt; wir haben diese Richtung Kirche geblasen, damit unsere Leute besser arbeiten konnten.

Der Einsatz begann kurz nach 17 Uhr und dauerte für einige die ganze Nacht. Gabs da zwischendurch mal was zu essen?

Es war tatsächlich gar nicht so einfach, 150 Sandwiches aufzutreiben, aber es hat geklappt. Später gabs dann eine warme Mahlzeit: Bratwürste und Wienerli.

Das war Ihr erster spektakulärer Grossbrand in Ihrem Amt als Aarauer Feuerwehrkommandant. Wie beurteilen Sie die Leistung?

Ich bin zufrieden. Am Anfang gab es eine relativ lange Chaos-Phase, das ist aber normal bei einem Einsatz dieser Grössenordnung. Man nennt sie auch Organisationsphase. Dann haben wir Abschnitte gebildet. Die Feuerwehr Küttigen hatte ihren Abschnitt beispielsweise auf dem Kirchplatz. Dort konnte sie die ihr zugeteilten Mittel selbstständig einsetzen. Man ist aber im ständigen Austausch und führt gemeinsame Rapporte durch. Erwähnenswert ist auch der Abschnitt Zofingen mit der Autodrehleiter, das war taktisch wichtig. Ganz zentral ist auch: Es gab keine Verletzten, weder aus der Bevölkerung noch bei den Einsatzkräften.