Aarau
Fertig gewartet – das «Theo» geht auf

Ein harziges Bewilligungsverfahren, ein Fund aus dem Mittelalter – lange hat man auf die neue Bar «Theo» warten müssen.

Katja Schlegel
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Der Zapfhahn arbeitet bereits – Patrik Dober (l.) und Tobias Niklaus.Ueli Wild

Der Zapfhahn arbeitet bereits – Patrik Dober (l.) und Tobias Niklaus.Ueli Wild

Ueli Wild

Jetzt ist genug. Jetzt wird eröffnet. Patrik Dober ist wild entschlossen, der Rest der Crew auch. Zwar beschleichen einen beim Anblick der Baustelle noch Zweifel. Aber Patrik Dober sagt: «Das wird fertig. Garantiert.» Am Freitag, 2. September, wird das «Theo» an der Pelzgasse eröffnet. Nach eineinhalb Jahre dauernder Leidenszeit, nach dem Ringen um die Baubewilligung, nach dem Sensationsfund wegen ihrer Ungeduld, nach Tausenden Arbeitsstunden.

«Was lange währt, wird endlich gut.» Abgelutscht, aber treffend. Die Bar wird schön: Eine wuchtige Messing-Theke mit einer Fläche aus Aargauer Kirschholz, stylishe Lampen aus den Dreissigerjahren, schlichte Möbel, alles eingerahmt vom uralten Mauerwerk, das die Brüder Andi und Patrik Dober und ihre vier Kollegen Raphael Fischer, Tobias Niklaus, Peter Osterwalder und Flavio Brockmann freigelegt haben. Das Mittelalter-Mauerwerk, das die Pläne der sechs gehörig durchgeschüttelt hat: Im Oktober 2015 war der Plan, der Bar in der einstigen Messerschmiede einen Werkstattcharakter zu geben. Doch als die Crew aus lauter Ungeduld wegen der ausstehenden Baubewilligung einen Schrank von der Wand riss und der bröckelnde Putz das alte Mauerwerk ans Licht förderte, entschieden die sechs um.

Die Untersuchung durch die Kantonsarchäologie zeigte, dass es sich nicht um irgendein Mauerwerk, sondern solches aus der Gründungszeit Aaraus handelt. Für die Crew war klar, dass diese 700 Jahre alte Mauer nicht wieder hinter Spanplatten oder Putz verschwinden darf – und machte sich die Mühe, mit Zahnbürsten und Spachteln den bröseligen Mörtel zwischen den alten Steinen herauszuputzen und die Ritzen neu zu verspachteln. Eine Arbeit, die allein über 1000 Arbeitsstunden kostete. Geschichte verpflichtet.

Keine freie Minute

Restlos verschwunden ist der Werkstattcharakter aber nicht. Da ist das leuchtende Messing, da ist der Schleifstein, der in die Aussparung in der Wand gehängt wird. Und da ist der Name der Bar: «Theo», der Vorname von Grossvater Dober, der das Haus an der Pelzgasse vor 60 Jahren gekauft und hier seine Messerschmiede – die letzte in der einstigen Messerschmiedestadt Aarau – eingerichtet hat. Den offiziellen Schriftzug haben die sechs Freunde aus alten Gravur-Plättchen des Grossvaters gestaltet, die sie beim Umbau gefunden haben.

Bis zur Eröffnung bleibt keine freie Minute. Jeden Abend verbringen die sechs Betreiber in der Bar, schrauben und hämmern, lackieren und ölen, schrubben und waschen, diskutieren und ringen, füllen und stapeln. Dieses Wochenende laufen die ersten Testläufe, heute wird hier ein Geburtstag gefeiert, gestern waren Familien und Freunde eingeladen. «So können wir uns an den Betrieb herantasten», sagt Patrik Dober. Denn eines ist Ehrensache: Die sechs wollen hauptsächlich selber hinter dem Tresen stehen, Angestellte gibt es nur wenige. «Einer von uns wird immer hier sein, dazu eine Angestellte, die für Konstanz sorgt», so Dober. Fürs Erste ist geplant, die Bar freitags und samstags von 17 bis 1 Uhr zu öffnen. Doch dabei soll es nicht bleiben: «Wir planen, unsere Öffnungszeiten bald auszudehnen, beispielsweise auf Donnerstagabend oder Samstag tagsüber.»

Am ursprünglichen Gastro-Konzept haben die sechs nur wenig geschraubt: Das «Theo» wird keine Radau-Bar, sondern eine gepflegte Ausgangsmöglichkeit. Ein urbaner Treffpunkt mit dem gewissen Etwas. «Bei uns gibt es immer noch etwas mehr, ein kleines Extra zum Getränk», sagt Patrik Dober. Keine Nüssli oder Salzstängeli, sondern etwas Exquisites aus Mutter Dobers Cateringfirma. Auch wird es viele Softdrinks geben, so sind beispielsweise vier verschiedene Ice Teas auf der Karte. «Es gibt immer mehr Leute, die keinen Alkohol trinken wollen oder können», sagt Patrik Dober. «Und denen wollen wir mehr bieten können als Cola und Fanta.» Ausserdem wird im «Theo» bis Betriebsschluss Kaffee serviert.

Wie steht es mit der Vorfreude auf die Eröffnung? «Wir freuen uns», sagt Patrik Dober. «Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren unglaublich viel gearbeitet und sind müde. Aber wir freuen uns, den Leuten unsere Bar endlich zu zeigen.»