Krawall
FCZ-Fans zogen die Notbremse, um sich mit Aarau-Fans zu prügeln

Am späten Samstagabend lieferten sich Fussball-Hooligans des FC Zürich und des FC Aarau eine Massenschlägerei am Bahnhof Aarau. Als die Polizei einschritt, flüchteten sie über die Gleise. Der Zugverkehr musste unterbrochen werden.

Mathias Küng
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Am Boden liegend wird der junge Mann von mehreren Personen verprügelt.
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Die Gruppe flüchtet nach dem Eintreffen der Polizei über die Gleise.
Schlägerei am Bahnhof Aarau
Es kam zu Verspätungen im Zugverkehr.

Am Boden liegend wird der junge Mann von mehreren Personen verprügelt.

Leserfoto

Es waren gespenstische, verstörende und zum Teil lebensgefährliche Szenen, die Augenzeugen am Samstag ab 23.20 Uhr für wenige Minuten im Bahnhof Aarau miterlebten.

Da rannten laut einer Augenzeugin, die sich bei der az gemeldet hat, Dutzende, dunkel gekleidete und mindestens teilweise vermummte Personen über Perron 0 bzw. 1. Sie schlugen wild aufeinander ein.

Einige skandierten «FCZ»-Rufe. Ein Video auf «20minuten» zeigt zudem, dass zuvor zwei Gruppen aufeinander zugerannt waren. Es wurden mehrere Pyrofackeln gezündet. Als erste Polizeipatrouillen eintrafen, rannte eine Gruppe ans Ende des Perrons und verschwand laut Augenzeugin auf den Geleisen. Am Bahnhof selbst ertönte die Durchsage: «Der Bahnverkehr am Bahnhof Aarau ist eingeschränkt. Grund dafür sind Personen auf den Geleisen.»

Erste Notrufe ab 23.25 Uhr

Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau bestätigt gegenüber der az, ab 23.25 Uhr seien gleich mehrere Notrufe eingegangen. Mehrere Patrouillen von Stadt- und Kantonspolizei rückten sogleich aus, worauf die Involvierten zum Teil über die Gleise davonrannten. Auf einem Perron lag eine Person am Boden, die von Polizei und eintreffender Sanität betreut wurde. Sie sei aber nicht verletzt gewesen. Es handle sich um einen 20-jährigen FCA-Fan aus der Region. Er habe angegeben, nichts damit zu tun zu haben und niedergeschlagen worden zu sein.

Am Boden liegend wird der junge Mann von mehreren Personen verprügelt.

Am Boden liegend wird der junge Mann von mehreren Personen verprügelt.

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Die Polizei konnte auch die Personalien eines 17-jährigen aus der Region aufnehmen. Sie nimmt an, dass sich «Fans» des FC Zürich und des FC Aarau auf irgendwelchen Kanälen gegenseitig provoziert und dann in Aarau «verabredet» haben. Bei der Polizei geht man jedenfalls davon aus, dass sich die Einheimischen zu diesem Zeitpunkt (in Aarau fand kein Match statt) nicht zufällig dort aufgehalten haben. Bis gestern Abend hatte sie keine Kenntnis von Verletzten.

Lebensgefährliche Situation

SBB-Sprecher Daniele Pallecchi bestätigt dazu, ein Fussball-Extrazug mit Fans des FC Zürich sei auf der Rückfahrt vom Spiel in Sion in Aarau um 23.20 Uhr mit der Notbremse gestoppt worden. Der Zug kam erst im Bereich des Güterbahnhofs in Fahrtrichtung Rupperswil zum Stehen. Daraufhin verliessen mehrere Personen den Zug und rannten teilweise über die Geleise. Offenkundig rannten sie in den Bahnhof zurück. Der Zug fuhr um 23.36 Uhr weiter Richtung Zürich. Pallecchi geht nicht davon aus, dass es diesen Personen gelungen ihn, ihn noch zu erwischen. Die Situation, in die sie sich begaben, war lebensgefährlich.

Laut Pallecchi sind die Lokführer direkt mit der Betriebszentrale verbunden. Bei so einer Meldung kann diese für die Lokführern im betroffenen Rayon direkt eine Temporeduktion anordnen oder die Signale auf Rot stellen. In Aarau kam es in der Folge denn auch zu Zugsverspätungen. Dass Fans in einem Extrazug die Notbremse ziehen, sei Alltag, sagt Pallecchi. Die Auswirkungen auf den Zugsverkehr seien aber meist marginal, weil man diesen Zügen zum Vornherein mögliche Verspätungen einberechne.

Ermittlungen wegen Raufhandels

Zurück zum Ereignis im Bahnhof: Laut Bernhard Graser war die Polizei nicht vorgewarnt: «Sonst hätten wir uns vorbereitet.» Jetzt werden Ermittlungen wegen Raufhandels aufgenommen und wegen Störung des Bahnverkehrs. Graser betont, wie gefährlich es ist, über Geleise zu rennen. Und ärgert sich: «Es geht nicht an, Rivalitäten im öffentlichen Raum auszutragen.

Was hier geschah, ist blödsinnig und lebensgefährlich. Für die Beteiligten selbst sowie für unbeteiligte Bahnpassagiere und Passanten.»
Graser kann es nicht fassen, dass man jetzt sogar schon ohne einen Match solche Szenen erleben muss. Die Polizei bittet Augenzeugen und Personen, die durch die Schlägerei gefährdet worden sein könnten, sich zu melden: 062 835 80 20.

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