Aarau/Bellwald
FCA-Vizepräsident eröffnet eigenes Hotel im Wallis

Der FC-Aarau-Vizepräsident und Knecht-Reisen-CEO Roger Geissberger hat sich in Bellwald VS verliebt – und dort ein Hotel gebaut.

Peter Brühwiler
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Roger Geissberger mit seiner Frau Bernadette beim Spatenstich für ihr neues Hotel in Bellwald VS

Roger Geissberger mit seiner Frau Bernadette beim Spatenstich für ihr neues Hotel in Bellwald VS

Zur Verfügung gestellt

Das Wallis hat seine eigenen Gesetze. Weil Handwerker oft nicht über ihr eigenes Gebiet hinaus offerierten und deshalb der Wettbewerb schlecht spiele, seien die Baupreise im Schnitt rund zehn Prozent höher als in der übrigen Schweiz, sagt Roger Geissberger. Die Qualität aber sei dafür «tipptopp».

Der Vizepräsident des FC Aarau und CEO der Knecht-Reisegruppe muss es wissen, im Dezember eröffnet er an der Südrampe in Bellwald sein Viereinhalb-Sterne-Boutique-Hotel The Onya Resort & Spa. Und die etwas eigene Walliser Welt ist dem «Touristiker des Jahres 2014» aus Seengen schon längst ein zweites Zuhause geworden: Vor 20 Jahren kauften er und seine Frau Bernadette, deren Mutter in Fiesch aufwuchs, ein Chalet in Bellwald. «Es war Liebe auf den ersten Blick», erinnert sich Geissberger. Seine Kinder gingen dort in den Wintermonaten gar zur Schule. Und auch der Dialekt verfärbt sich, als während des Gesprächs am Knechtreisen-Hauptsitz in Windisch ein Walliser Handwerker anruft.

Sauna mit Blick aufs Matterhorn

Wieder im Aargauer Dialekt erzählt er dann vom Hotel «zur alten Gasse», in dessen 15-Punkte-Gourmetrestaurant er regelmässig einkehrte. Als ihm der Besitzer das Hotel zum Kauf anbot, griff er vor vier Jahren zu – die «Onya»-Pläne für gleich nebenan bereits im Hinterkopf. «Denn die Gäste erwarten heute ein Spa, wollen Wellness und Fitness machen.» Auf 350 Quadratmetern können sie dies ab dem 17. Dezember tun, bei schönem Wetter mit Blick ins Tal und aufs gegenüberliegende Matterhorn.

Fast wäre der Neubau an der dafür nötigen Umzonung des ehemaligen Pistenlandes gescheitert. «Wenn sich der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina nicht persönlich eingeschaltet hätte, würden wir vermutlich noch heute im Amtsschimmel stecken», so Geissberger. Für ein erfolgreiches Projekt müssen eben viele Puzzleteile passen. Gerade in der Hotellerie, um die es aktuell nicht sonderlich gut bestellt ist. Schweiz Tourismus schätzt, dass von den 6000 Schweizer Hotels etwa zehn Prozent überzählig sind und schliessen werden.

Im Dezember wird das Hotel eröffnet.

Im Dezember wird das Hotel eröffnet.

Geissberger setzt für den Erfolg unter anderem auf Feng-Shui-Architektur. Und er hat einen Startvorteil: Etwa ein Drittel der Betten wird von der Knecht- Reisegruppe besetzt. Denn während Geissberger Mitinhaber der Knecht Reisegruppe ist, ist diese wiederum Minderheitsaktionärin von Geissbergers RBG Hotels AG. Für die Vermarktung stehen ihm deshalb die 30 Knecht-Reisebüros zur Verfügung, und einige der Knecht-Marken entwickeln für die beiden Hotels Themenwochen. Der Wanderferien-Spezialist Baumeler Reisen etwa wird Schneeschuhwanderungen oberhalb Bellwalds in seinen Katalog aufnehmen. Oder Monika Fasnacht für Jassevents engagieren.

Geissberger ist seit 35 Jahren im Tourismusgeschäft, seit 29 Jahren als CEO der Knecht-Reisegruppe. Mit dieser managt er weltweit rund 80 000 Hotelzimmer. «Wenn man das ganze Leben Hotelzimmer eingekauft hat, dann hat man schon Lust, das auch mal selber auszuleben», sagt er. Für die Gruppe selbst sei ein strategischer Einstieg in die Hotellerie jedoch nie zur Debatte gestanden. «Ausser TUI haben in der Vergangenheit eigentlich alle Reisekonzerne ihre Hotels abgestossen», so Geissberger. Dies erlaubt es ihnen, von Schwankungen bei den Zimmerpreisen zu profitieren.

Hotelier? «Null Ambitionen»

Also ging er den Weg als Privatinvestor. Den CEO-Job wird er trotzdem behalten. Seine Kernkompetenz sei nicht das Führen von Hotels, betont er, sondern ganz klar die Weiterentwicklung der Knecht-Reisegruppe. Dereinst Hotelier zu werden, darauf hat der 55-Jährige «null Ambitionen». Die Geschäftsführung in Bellwald übernehmen Roland Dériaz und Laydia Stang, ein Direktionsehepaar mit Erfahrung in der Spitzen-Hotellerie. Mit der Knecht-Reisegruppe im Rücken könnte Geissberger derweil weitere Hotels kaufen. Ausschliessen will er dies jedenfalls nicht. Als Standort infrage käme – wenn auch kaum in den nächsten paar Jahren – Australien, wo er bereits Mehrheitsaktionär einer Firma ist. Das wäre dann die Diversifikations-Strategie, die auch die Knecht-Reisegruppe mit ihren 17 Marken unter einem Dach starkmacht. Den derzeitigen Umsatzrückgang im russischen Markt etwa konnte sie mit Südafrika, Australien oder Amerika mehr als auffangen. Als Hotelbesitzer an einen Ort gebunden zu sein: Das sei schon etwas problematisch, so Geissberger. «Wenn es nicht so gut läuft, etwa wegen des Images des teuren Frankens, dann muss man damit leben.»

Dafür darf er künftig nicht nur mit, sondern im Hotel leben: Während das Direktionsehepaar das Bellwalder Chalet mietet, mit dem die Liebesgeschichte vor 20 Jahren begann, hat sich die Familie Geissberger unter dem Giebel des «The Onya»-Neubaus ein Apartment gesichert.

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