«Dieses Jahr hat es unsere Stadt Aarau geschafft, den Vogel komplett abzuschiessen.» – So beginnt ein Facebook-Post des FC Rohr.

Die Verantwortlichen des Fussballvereins machen darin ihrem Ärger über die verlängerte Wintersperre ihres Trainingsgeländes, der Sportanlage Winkel, Luft. Die Anlage wird jeweils im November geschlossen und darf, so die Stadt, nicht vor März wieder freigegeben werden.

Nun ist es aber bereits Mitte März – und gestern wurde der FC informiert, dass die Sperre sicher noch bis nächste Woche dauert. «In Absprache mit dem Werkhof müssen wir das Öffnen der Sportanlage Winkel etwas hinauszögern», schrieb eine Mitarbeiterin der städtischen Fachstelle Sport in einer Mail an die Platznutzer.

Dies aufgrund von Bodenfrost (da darf man nicht spielen, weil es die Grashalme zerstört). «Da die Wettervorhersage keine genaue Prognose zulässt, wird die Situation am Montag 19. März 2018 erneut beurteilt.»

Der FC Rohr schreibt auf Facebook: «Liebe Stadt! Seit dem 20. Jahrhundert existiert die Webseite www.wetter.com. Auf dieser ist klar zu entnehmen, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen entwickelt. Bei sonnigen Temperaturen bis 12 Grad sollte doch wohl eine Platzöffnung drin liegen. Oder? Ihr FC Rohr»

Der Grund dafür, weshalb sich die Verantwortlichen beim FC Rohr so über die verlängerte Sperre ärgern, ist die beginnende Meisterschaft. Schon übernächstes Wochenende geht es los. Und die erste Mannschaft hat bisher erst ein paar wenige Male ein Training auf der Sportanlage Schachen abhalten können.

«Während andere Vereine schon Mitte Februar wieder voll auf einem richtigen Fussballplatz trainieren dürfen, müssen wir immer noch in die Hallen ausweichen», sagt Carsten Thiele, Chef Kommunikation beim FC Rohr. «Das ist für uns ein klarer Wettbewerbsnachteil.»

Hinzu komme, dass die 1. Mannschaft bei den ersten paar Spielen in der 4. Liga gleich gegen direkte Gegner antreten muss – wenn Rohr da verliere, werde es schwierig, dies wieder zu kompensieren, betont Thiele. Der FC Rohr vermisse bei der Stadt ausserdem die Flexibilität, den Platz auch mal schon im Februar freizugeben, wenn das Wetter über längere Zeit trocken bleibe und kein Bodenfrost vorliege.

Was sagt die Stadt?

Bei der Stadt beruft man sich gegenüber der AZ auf die Ausführungsbestimmungen zum Benutzungs- und Gebühren-Reglement für die Sportanlagen. Wie Marylène Bellmann. Leiterin Fachstelle Sport, sagt, würden die Rasenspielfelder im Frühjahr jeweils «frühestens Mitte März» freigegeben. Das sei abhängig von der Vegetation und Witterung.

«Aktuell ist die Vegetation noch nicht in der Wachstumsphase angelangt, die Bodentemperaturen sind zu tief um aus dem Wurzelbereich eine stabile und nachhaltende Wachstumsbasis zu schaffen. Wird jetzt bereits auf dem Rasen trainiert oder gespielt, wird der Rasen stark beschädigt, da keine Regeneration möglich ist und das Gras bis in die Wurzeln beschädigt wird.»

Das könne bis zum Absterben der Grasnarbe führen, was sich dann auf die kurz- und mittelfristige Regeneration auswirke. «Dies beeinflusst dann die gesamte Rückrundensaison negativ. Pflegemassnahmen nach einer Beschädigung werden aufwendig und kontenintensiv, speziell während dem Spielbetrieb.»

Die Stadt prüfe jeweils die Wettervorhersagen, betont Bellmann weiter. Im Moment stünden erneut Minus–Temperaturen an. Das beeinflusse den Entscheid betreffend Bespielbarkeit. «Dem FC Rohr sowie den anderen zwei Vereinen wurde als Ausweichmöglichkeit für das Erwachsenentraining der Rasen im Leichtathletikstadion Schachen angeboten.»

Helfen könnte dem FC ein Kunstrasen, wie ihn beispielsweise Küttigen erst kürzlich eingebaut hat, um eine ganzjährige Bespielbarkeit des Fussballplatzes zu erreichen. «Eine Sanierung der Sportanlage Winkel Rohr ist in Planung, bei welcher auch der Bau eines Kunstrasenspielfeldes geprüft wird», sagt Marylène Bellmann.