Arbeitslosen-Affäre
FC Aarau-Präsident Alfred Schmid versteht Aufregung um Davide Callà nicht

Gesetz ist Gesetz, daher versteht FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid auch die Aufregung um seinen Top-Spieler nicht. Sowohl der Verein wie der Spieler hätten sich absolut korrekt verhalten.

Urs Moser
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Aarau-Stürmer Davide Callà in Aktion. Alexander Wagner

Aarau-Stürmer Davide Callà in Aktion. Alexander Wagner

Davide Callà, der Topskorer des FC Aarau, erhält einen Teil seines Salärs von der Arbeitslosenkasse. Der Fall sorgte landesweit für Schlagzeilen. In der gestrigen az hat sich sogar mit Regierungsrat Urs Hofmann einer der prominentesten Fans darüber gewundert.

Zumindest in einem Punkt kann definitiv Entwarnung gegeben werden: Die Sache hat nichts mit dem Aargauer Amt für Wirtschaft und Arbeit zu tun. Davide Callà, der im Juli von GC zu Aarau wechselte, wohnt im Kanton Zürich und hat sich daher auch dort bei einem Arbeitsvermittlungszentrum angemeldet: Weil er in Aarau als Profi natürlich weniger verdient als in der obersten Spielklasse, hat er Ausgleichszahlungen aus der Arbeitslosenkasse beantragt. Die Anspruchsberechtigung wurde im Aargau nicht geprüft.

Thomas Buchmann, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit, hält aber fest, dass es bei der merkwürdig anmutenden Praxis durchaus mit rechten Dingen zugehen kann: Wer in der Lage, fähig und willens ist, einen anderen Job anzutreten, hat Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung. Das ist bei einem Fussballprofi nicht anders als in anderen Berufen. Probleme gab es im Aargau in ganz anderen Fällen: Wer sich in der Not bei einem Detailhändler Teilzeit und auf Abruf unter Vertrag nehmen lässt, ist dann eben nicht mehr unbedingt fähig, willens und in der Lage, überhaupt einen anderen Job anzunehmen und muss damit rechnen, dass ihm die Arbeitslosenversicherung den Lohnausfall gegenüber einem früheren Job nicht ausgleichen kann.

Was Schmid skandalös findet

Gesetz ist Gesetz, daher versteht FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid auch die Aufregung um seinen Top-Spieler nicht. Sowohl der Verein wie der Spieler hätten sich absolut korrekt verhalten. Erstens sei es gescheiter, dass Callà für weniger Geld in Aarau spielt, statt nur Arbeitslosengeld zu beziehen. Zweitens werde der Anspruch auf Ausgleichszahlungen von Amtes wegen geprüft: «Entweder gibt es keinen Anspruch, oder dann hat ihn ein Fussballprofi wie jeder andere Arbeitnehmer auch», findet Schmid.

Sollte ein Club versuchen, sich auf diesem Weg ein Kader quasi von der Arbeitslosenversicherung quersubventionieren zu lassen, das man sich sonst nicht leisten könnte, fände das auch Schmid skandalös. Der Vorwurf sei aber an den Haaren herbeigezogen: Der FC Aarau bezahle marktkonforme Löhne, im konkreten Fall gehe es um eine Differenz von ein paar hundert Franken monatlich. Lohnergänzungen durch die Arbeitslosenversicherung sind auf 7350 Franken begrenzt. Für das Budget des Vereins fällt das nicht ins Gewicht. Schmid sieht den Imageschaden wenn schon nicht beim FC Aarau, sondern bei der Politik. Deshalb begrüsse er den Vorstoss von Nationalrat Maximilian Reimann, damit könne Klarheit geschaffen und für eine einheitliche Auslegung des Gesetzes gesorgt werden.