Der Beschwerdeführer gegen das Stadionprojekt in Aarau liess bisher nur verlauten, ihm gehe es «um die Mantelnutzung». Es ist das Einwohnerratsprotokoll vom 14.11.2011, das zeigt, welches die Achillesferse der im Mai gesprochenen Baubewilligung fürs Stadion ist.

Einwohnerrat Markus Hutmacher wies diese Woche darauf hin, dass das Problem damals vorprogrammiert worden sei.

Zwei Punkte sind dabei wichtig: Erstens kippte der Einwohnerrat zähneknirschend die polysportive Mantelnutzung mit einer Dreifachturnhalle für den Turnverein BTV Aarau aus dem Bauprogramm. Dies, weil alle Abklärungen ergeben hatten, dass selbst eine unbefriedigende Minimalvariante noch sieben Millionen Franken kosten würde.

Sämtliche Fraktionen im Einwohnerrat äusserten damals ihr Unbehagen, dass nun ein Teil des Projektes gestrichen werden sollte, welcher 2008 das Stimmverhalten in der Volksabstimmung zum Stadion sicher beeinflusst habe. Die Vorlage sei so dem Volk «schmackhaft gemacht worden», sagte der damalige Einwohnerrat Werner Schib (CVP).

Sportartikel-Verkauf angesprochen

Dennoch wollte der Einwohnerrat die polysportive Nutzung angesichts der grossen Kosten nicht beibehalten und genehmigte die Streichung mit 44 Ja- zu 2 Nein-Stimmen deutlich.

Punkt zwei: In der Debatte schuf der damalige Stadtrat Carlo Mettauer mit einer Aussage über die Verkaufsfläche für Sportartikel die entscheidende Angriffsfläche, gegen welche der Anwohner im Torfeld Süd nun Beschwerde führt. Auf Anfrage der az bestätigte er gestern, das dies sein Hauptkritikpunkt sei.

Lelia Hunziker fragte damals, was denn nun an Verkaufsfläche in der Mantelnutzung verbleibe? Und ob die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) rechtsverbindlich angepasst werde? Denn obwohl das Rolling Rock nicht zur eigentlichen polysportiven Mantelnutzung gehörte, war schon damals klar, dass auch die Skater- und Kletterhalle nicht im Stadionmantel betrieben wird. Das Rolling Rock hatte Pläne für andere Lokalitäten. Zur Zeit wird eine Lagerhalle in der Telli dafür umgebaut.

An den Rolling-Rock-Betrieb im Stadion war 2007 eine Verkaufsfläche für Sportartikel von 2000 Quadratmetern geknüpft worden, damit die Skaterhalle rentabel betrieben werden könnte. In der Botschaft an den Einwohnerrat hiess es deshalb 2011: «Mit der Reduktion der Rolling-Rock-Fläche (...) müsste diese im selben Verhältnis reduziert werden. Beim Standortverzicht von Rolling Rock müsste diese gänzlich entfallen.» Dies hat der Stadtrat offenbar am 12. September 2011 beschlossen.

Stadtrat Carlo Mettauer versprach in der Debatte am 14. November 2011 deshalb: «Die anderen Einkaufsflächen sind immer noch dieselben, wie sie mit dem Gestaltungsplan angepasst worden sind, einfach minus die 2000 Quadratmeter für den Sportverkauf.»

Versprechen wurde nicht eingelöst

Bei der Auflage des Baugesuches im August 2012 waren die 2000 Quadratmeter für den Sportartikelverkauf aber immer noch drin. Darauf machte ein Aarauer eine Stimmrechtsbeschwerde und forderte, die Stadion-Abstimmung sei zu wiederholen, da das Projekt später wesentlich verändert worden sei.

Nicht bestätigt, aber naheliegend ist, dass es sich dabei um den Anwohner handelt, der nun wieder Beschwerde führt. Denn in der Stimmrechtsbeschwerde wurde ebenfalls mit den Verkaufsflächen für Sportartikel argumentiert. Die Stimmrechtsbeschwerde wurde im Frühling vor Bundesgericht abgewiesen (Urteil 1C_773/ 2013, az vom 4.4.2014).

Das Bundesgericht urteilte, die Änderung sei durch den Volkswillen gedeckt und verletze die politischen Rechte nicht, die Abstimmung müsse nicht wiederholt werden.

Neue Beschwerde, selbes Argument

Nun zielt der Anwohner erneut auf die Achillesferse – diesmal im Baubewilligungsverfahren. Die Stadt hat darin auch die 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche für Sportartikel bewilligt.

Dass diese wegzulassen sei, hatte auch der VCS gefordert. Im Einwendungsentscheid schrieb der Stadtrat am 26. Mai 2014 aber: Allein massgebend müsse die damals bereits städtisch beschlossene und kantonal genehmigte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sein. Diese lasse ein Sportartikelverkauf mit maximal 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu, «und zwar ohne bedingende Verknüpfung mit anderen Nutzungen».

Wenn die Baugesuchstellerin heute einen Sportartikelverkauf realisieren wolle, obwohl keine polysportiven Nutzungen mehr geplant sei, stehe dies «in ihrem unternehmerischen Ermessen; Sportartikelverkauf macht immerhin im Zusammenhang mit dem Fussballstadion nach wie vor Sinn».

Die BNO war also nach der Einwohnerrats-Debatte und dem Votum von Lelia Hunziker 2011 nicht angepasst worden. Der VCS zog sein Begehren nicht weiter. Doch der Anwohner machte erneut Beschwerde. In der gleichen Sache wie zuvor, statt einer Stimmrechtsbeschwerde nun als Baubewilligungs-Beschwerde.