Suhr

Fast zu schön, um ein Arbeitsort zu sein: So funktioniert das Büro von morgen

Das Familienunternehmen RDL aus Suhr hat für ein Büro mehr zu bieten als Trennwände und angenehmes Licht.

Das Coronavirus hat die Arbeitswelt verändert. Wo möglich wurde der Rückzug ins Homeoffice angetreten und nicht wenige waren erstaunt, was dank der modernen Kommunikationsmitteln auch von zu Hause aus möglich war.

Für Luca Rubicondo brauchte es keine Krise, um den Lebensraum Büro zu überdenken. In Suhr hat der 38-jährige Geschäftsführer der RDL GmbH das Büro von morgen gebaut und ist mit seiner Firma eingezogen.

Das Büro wird zu einer Ruhezone

«Zu schön, um ein Büro zu sein», ist der erste Gedanke beim Betreten des neuen Gebäudes. Es ist Arbeitsort und Showroom zugleich. Trennwände, Beleuchtung und Akustik im Innenbereich; das sind die drei Bereiche der RDL ganz kurz zusammengefasst.

Was das heisst, wird in Suhr präsentiert: In der Mitte des Erdgeschosses steht neben einer Küchenzeile ein langer Tisch, etwas weiter entfernt eine Sofaecke. Rundherum sind hinter gläsernen Trennwänden die Büros der Mitarbeitenden. Das Glas zum Sitzungszimmer wird auf Knopfdruck blickdicht. «Am Tisch in der Mitte wird gegessen und Pause gemacht. Hier finden aber auch Besprechungen statt», sagt Luca Rubicondo. «Die Büros sind die Ruhezone.» Schliesst man die Tür, bleibt der Lärm draussen.

Das Licht ist im ganzen Gebäude angenehm und dimmbar, dank verschiedener Akustikelemente hallt es im hohen Raum mit viel Sichtbeton nicht. Im oberen Stock befindet sich in der sogenannten Kreativ-Werkstatt ein weiterer Besprechungstisch, ein Töggelikasten, ein Boxsack, ein Pingpongtisch sowie ein durch einen Akustikvorhang auch geräuschtechnisch abgetrennter Ruhebereich. Dazwischen viel Platz und Grün. Ein Anblick, wie man ihn aus Bildern von grossen amerikanischen Firmen wie Facebook oder Google kennt. In der Region gehört unter anderem die Mobiliar Aarau zu den Kunden der RDL, überregional zum Beispiel die ETH Zürich.

Über Umwege bei der Firma des Vaters gelandet

Die Anfänge der Firma liegen fast 40 Jahre zurück. Damals hat Luca Rubicondos Vater Donato eine Einzelfirma für Montage gegründet. 1987 folgte die Gründung des Unternehmens RDL, 2004 übernahm der Sohn die Geschäftsleitung. Die Wurzeln sind dem Familienunternehmen wichtig. «Noch heute haben wir Mitarbeiter aus der Gründungszeit bei uns», sagt Luca Rubicondo. Der Sohn ist über Umwege und ohne Druck, wie er betont, bei der väterlichen Firma gelandet. Luca Rubicondo absolvierte eine KV-Lehre bei einer Bank, wo er arbeitete, bevor er zu einer längeren Reise aufbrach. Als er wieder in der Schweiz war, arbeitete er ein Jahr «beim Vater» und ging auf Montage.

Als der Vater sich aus dem Geschäft zurückziehen wollte, beschloss der Sohn, die Firma zu übernehmen. Damals war er 23 Jahre alt. «Am Anfang war es hart», sagt er und spricht über die Verantwortung für die Mitarbeitenden. Viele kannte er seit klein auf; und nun war er für ihr Einkommen zuständig. «Wir sind eine Familie», sagt er. Und meint das ganze Unternehmen. Der Rubicondo-Anteil der Familie ist in den letzten Jahren gewachsen: Schwester Rita Rubicondo und Ehefrau Stefanie Rubicondo sind heute ebenfalls im Unternehmen tätig.

Die Mitarbeitenden teilen ihre Zeit selber ein

Das Büro von morgen besteht nicht nur aus stylisher Möblierung und angenehmer Beleuchtung. Jeden Tag die gleichen Stunden im Büro abzusitzen, ist für Rubicondo ein Konzept von gestern. «Wir arbeiten nach Projekten», sagt er. Was zählt, sei das Resultat. Seine Mitarbeitenden teilen ihre Zeit selber ein. «Wenn jemand gern zwei Stunden Sport macht über den Mittag und dafür lieber in den Abend arbeitet, ist das kein Problem für mich», sagt er. «Die Zukunft des Büros ist an die Bedürfnisse des Menschen gekoppelt.»

Angst, dass seine Leute zu viel Zeit beim Töggelen oder im Ruhebereich verbringen, hat er nicht. Die Grundvoraussetzung als Chef für eine freiere Arbeitszeitgestaltung sei Vertrauen. «Wenn man seinen Mitarbeitern als Chef nicht vertrauen kann, ist man am falschen Ort.» Luca Rubicondo ist als Chef in diese Arbeit hineingewachsen. Sein Vater ist seit fünf Jahren pensioniert. Die Generationenübergabe ist geglückt. «Das erfüllt mich mit grossem Stolz», sagt der Sohn. Der Beweis für die intakten Familienbande: Die Eltern haben zuoberst im neuen Geschäftshaus eine Wohnung bezogen.

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