Aarau
Fast schon beeindruckend, wenn nicht so ärgerlich: Biber macht fette Beute im Schrebergarten

In einem Aarauer Schrebergarten hat sich ein Biber ganz ungeniert bedient. Ganze Obstbäume hat er zu Fall gebracht und abtransportiert. Der 74-jährige Besitzer ist beinahe beeindruckt von der Leistung des Bibers, doch dem per Gesetz geschützten Eindringling kann er nicht viel entgegensetzen.

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Nur noch ein leeres Erdloch erinnert an den Kirschbaum, der bis vor kurzem in Rico Schraners Schrebergarten wuchs. Diesen hat der Biber komplett entwurzelt und mitgenommen. Auch andere Bäume mussten dran glauben. Doch nicht alle konnte der Nager abtransportieren. Ein grosser Ast blieb zum Beispiel im Gartenzaun hängen.

Gegenüber dem Fernsehsender «TeleM1» kommentiert Rico Schraner den Anblick: «Das ist ein Überbleibsel von meinem Zwetschgenbaum.» Den habe der Nager versucht aus dem Garten raus zu ziehen, sei dann aber wohl am Zaun hängengeblieben. «Darum ist der Baum noch da, sonst würde man den auch nicht mehr sehen», so Schraner weiter.

Rico Schraners Schrebergarten ist komplett verwüstet. Wo man hinschaut: Abgenagte Äste. Die Beute schleift der Biber in den nahe gelegenen Sengelbach, der gerade hinter den Schrebergärten durchfliesst. Man muss nicht weit gehen, da trifft man schon auf eine auffällige Konstruktion im Bach. Direkt hinter den Schrebergärten baut ein Biber seinen Staudamm. Rico Schraner vermutet, dass es sich dabei um den Nager handelt, der sich in seinem Garten bedient hat.

Dort, wo der Biber sich ansiedelt, nimmt er sich, was er findet. Problematisch an der Situation sei, dass der Biber eine geschützte Tierart ist, aber für Schäden in Privatgärten niemand aufkomme, so der Biber-Beauftragte vom Kanton Aargau gegenüber «TeleM1». «Leider hat es das bürgerliche Parlament in Bern abgelehnt, Biberschäden zu entschädigen», so der Biber-Beauftrage Andres Beck weiter. Er findet den Entscheid nicht «ganz glücklich». Der Biber ist, wie auch der Wolf, eine geschützte Tierart und wenn ein Wolf ein Schaf reisst, würde dies entschädigt werden. «Und eigentlich sollte dies beim Biber auch so sein», findet Andres Beck.

Biber in Aarauer Gärten – ein Video aus dem Sommer 2018:

Rico Schraner muss für den Schaden selber aufkommen und schauen, wie er sich in Zukunft besser schützen kann. Der Biber-Beauftragte rät ihm, seinen Zaun zu verlängern und in den Boden einzugraben. Da stöhnt der 74-jährige Schrebergarten-Besitzer, doch der Experte meint: «Es bleibt Ihnen nicht viel übrig, wenn sie da so nah am Gewässer sind.»

Rico Schraner macht das nachdenklich: «Irgendwo hört es doch auf, dass wir Menschen uns vor dem Wildtier schützen müssen.» (mon)

Ebenfalls oft zu sehen waren die Biber an der Aare in Aarau im vorletzten Sommer: