Sie sind oft emotional, die Fans des FC Aarau. Denn Fussball ist emotional. Die Niederlagen, die knapp verpassten Chancen, die Glücksmomente – sie fiebern mit, wie man als echter Fan eben mitfiebert: Als ginge es um alles. Zumindest für 90 Minuten, und die Gnadenfrist, die der Schiri gewährt.

Nun aber erklären die Fans ruhig, warum der FC Aarau sie so begeistert und was vielleicht auch Fussballmuffel davon haben: Gestern verschickte die Dachorganisation der aktiven Fans des FC Aarau, die «Szene Aarau», einen offenen Brief «an den Einsprecher und seine Unterstützer in der Sache ‹Einsprache zur Baubewilligung des neuen Fussballstadions im Torfeld Süd›.»

Zwar ist es inzwischen keine Einsprache mehr, sondern eine Beschwerde (gegen die Baubewilligung), doch man weiss, was gemeint ist.

Plädoyer für den Fussball

Auf der ersten Seite des Briefes erinnern die Fans an die legendären Momente ihrer 112-jährigen Klub-Geschichte: Die Schweizer-Meister-Titel 1912, 1914 und 1993, der Cupsieg 1985, die 29 Jahre der «Unabsteigbaren», Fussballabende mit 13 000 Zuschauern, die Rückkehr in die Super League.

Der FC Aarau sei deswegen «ein wichtiger Bestandteil der Geschichte unserer Stadt», heisst es im Brief. Man feiere und weine gemeinsam «im altehrwürdigen Brügglifeld». Und viele Juniorinnen und Junioren in knapp einem Dutzend Mannschaften verbrächten beim FCA ihre Freizeit sinnvoll.

Nicht nur sportlich sei der Verein eine Bereicherung für die Stadt: «Der FC Aarau ist unbestritten das bekannteste Aushängeschild und der beste Werbeträger des Kantons», behaupten die Verfasser. Der FCA sorge «Woche für Woche» für positive Schlagzeilen, weit über den Aargau hinaus.

Während das Stadion am Waldrand in die Jahre gekommen sei, habe der Fussball sich weiterentwickelt. Heute sei es nicht mehr zeitgemäss, der Umzug in ein moderneres Stadion unumgänglich und werde auch von der Swiss Football League verlangt.

Doch trotz positiver Volksabstimmungen und Baubewilligung stehe nun «ein traditionsreicher Fussballverein vor dem Aus». Das Aushängeschild einer ganzen Region blicke in eine ungewisse Zukunft – nicht wegen schwacher sportlicher Leistungen oder wirtschaftlicher Problemen sondern: «Was alledem nun den Todesstoss versetzen könnte, ist die Diskussion um die Grösse einer Verkaufsfläche für Sportartikel», bringt die «Szene Aarau» das Problem auf den Punkt und fordert im Brief Dreierlei:

Der Beschwerdeführer und seine Unterstützer sollen sich öffentlich zu ihren Beweggründen äussern und konstruktiv zu einer raschen Lösung beitragen.

Der Beschwerdeführer und seine Unterstützer sollen «im Sinne eines auf Konsens beruhenden Demokratieverständnisses» die klaren Mehrheitsentscheide akzeptieren.

Und sie sollen sich mit der Szene Aarau an einen Tisch setzen «und Befürchtungen und Ängste darlegen».

Damit haben die Fans wohl getan, was sie tun konnten. Viel mehr Möglichkeiten, als dieser sympathische Brief bleibt ihnen nicht, um das Trauerspiel ums neue Stadion im Torfeld Süd zu beeinflussen. Auch wenn sie die Direktbetroffenen sind, sind sie nicht Partei in diesem endlosen Verfahren.

Was sagt der Beschwerdeführer dazu? Er war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mit diesem Brief wenden sich die FC Aarau-Fans an die Stadiongegner:

Downloadpdf - 1 MB