Kommentar

Exponent der Stadt: «Das wäre einfach nicht schön, würde unseren städtischen Ansprüchen nicht genügen»

Technisch ist das Kraftwerk-Projekt – soweit das ein Laie beurteilen kann – sicher eine gute Sache. Politisch ist es auch in Ordnung: Es entspricht perfekt den Zielen des Gegenvorschlages zur Volksinitiative «Energiestadt Aarau konkret!», dem die Aarauer 2012 zugestimmt haben. Zudem kann niemand ernsthaft etwas dagegen haben, dass vor der eigenen Haustüre auf die sauberstmögliche Art Strom produziert wird. Allerdings zu einem Preis, der aus heutiger Sicht schwer zu vertreten ist. Der für die Eniwa-Aktionäre, vor allem die Steuerzahler von Aarau, ein grosses Risiko darstellt, weil – Stand heute – jede erzeugte Kilowattstunde zu einem Verlustgeschäft zu werden droht.

Damit das neue Kraftwerk nicht zu sehr ins Geld geht, hat die Eniwa versucht zu optimieren. Dabei entstand ein Projekt, das den Aarauern sehr viel abverlangt. Das Türmli wird ihnen genommen. Und auch der Mitteldamm verschwindet, was Hündelern und Kanal-Schwimmern (ein neuer Trendsport!) nicht passen dürfte. Zudem will das an prominenter Lage entstehende Kraftwerk so gar nicht zum ästhetisch ambitionierten «Pont Neuf» (heute Kettenbrücke) passen.

Die Stadt Aarau besitzt 95,4 Prozent der Eniwa-Aktien. Ihre Vertreter im Verwaltungsrat, Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker und Vizestadtpräsident Werner Schib, sind gefordert. Kürzlich erklärte ein wichtiger Exponent der Stadt im vertraulichen Gespräch: «Eine optische Situation wie beim Rüchlig-Neubau würde ich nicht gut finden. Das wäre einfach nicht schön, würde unseren städtischen Ansprüchen nicht genügen.» Dem ist nichts beizufügen.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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