Aarau
Exodus der Lokalbetreiber am Ziegelrain

Das «Art Cigar» hat den Standort Aarau definitiv aufgegeben. Und das ist nicht der einzige aktuelle Abgang am Ziegelrain 8: Die Bar von «Giusi» Coronese steht zum Verkauf.

Ueli Wild
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Unten hört «Giusi» auf, in den zwei Etagen darüber das «Art Cigar».

Unten hört «Giusi» auf, in den zwei Etagen darüber das «Art Cigar».

Ueli Wild

«Umnutzung Laden zu Wohnung» steht über einem seit Freitag aufliegenden Baugesuch: Am Ziegelrain 8 wollen die Eigentümer der Liegenschaft ein bisheriges, sich über zwei Etagen erstreckendes Ladenlokal für 125'000 Franken in eine Zweieinhalbzimmerwohnung umbauen lassen.

Beim Lokal handelt es sich um die Aarauer «Art Cigar»-Niederlassung. Diese ist bereits geschlossen. Ein Schild an der Tür macht darauf aufmerksam, dass man an den Standorten Lenzburg und Seengen weiterhin gerne Gäste empfange. Inventar und Warenbestände befinden sich noch am Ziegelrain. Wer indessen auf einen Ausverkauf der edlen Zigarren hofft, muss enttäuscht werden: Die Bestände würden nach Lenzburg transferiert, erklärt Inhaber und Geschäftsführer Christoph Nyfeler auf Anfrage.

 «Ich bin nun 46-jährig und will in meinem Leben noch einmal ein neues Kapitel aufschlagen»: «Giusi» Coronese, Barista seit 18 Jahren am Ziegelrain.

«Ich bin nun 46-jährig und will in meinem Leben noch einmal ein neues Kapitel aufschlagen»: «Giusi» Coronese, Barista seit 18 Jahren am Ziegelrain.

Ueli Wild

«Es war ein Versuch»

«Art Cigar» und Aarau – das ist rückblickend gesehen definitiv keine glückliche Geschichte. Ursprünglich war «Art Cigar» an der Rathausgasse zu Hause, da wo seit 2009 der «Platzhirsch» röhrt. 2010 kam es zur «Wiedereröffnung unten am Ziegelrain. Von April 2014 bis Dezember war das Lokal dann geschlossen. Der letzte Versuch dauerte von Dezember 2017 bis Juni 2018. Es habe sich ganz klar um einen Versuch gehandelt, unterstreicht Nyfeler. Und dieser sei im Wissen gestartet worden, dass es schwierig sein werde.

Die Lage des Gebäudes Ziegelrain 8 – mit den zurückversetzten, teilweise – wie im Fall des «Art Cigar» – nur über eine Art Laube erreichbaren Eingang – ist nicht die beste in Aarau. Trotzdem bestreitet Giuseppe «Giusi» Coronese, der hier im Erdgeschoss – oder ists eher ein Sous-Parterre? – seit 15 Jahren als sein eigener Herr und Meister (und zuvor drei Jahre lang als Angestellter) eine italienische Bar betrieb, dass es wirtschaftliche Gründe gewesen seien, die ihn vor rund einem Monat dazu veranlassten, dichtzumachen. Das «Giusi» sei seine Leidenschaft gewesen, sagt der 46-jährige Süditaliener aus Lecce. Und es sei tipptopp gelaufen, mit einer «super Stammkundschaft». Diese fand den Weg vor allem unter der Woche zu «Giusi». Aber auch ihm lief es nicht alles nach Wunsch: 2015 jammerte er, am Samstag bleibe die Laufkundschaft aus, weil ihn die Polizei angewiesen habe, seine auf Distanz «offen» signalisierende Werbetafel vom Trottoir zu entfernen.

Aufhören, wenns noch läuft

Am Eingang steht nun zu lesen: «Ab sofort Giusi Bar zu verkaufen an optimaler Lage mit lauschigem Garten und zirka 45 Sitzplätzen – Inventar muss übernommen werden.» Warum der Abgang? – «Weil ich nun 46-jährig bin und in meinem Leben noch einmal ein neues Kapitel aufschlagen will», antwortet «Giusi», der aber noch nicht verraten will, was seine Zukunftspläne sind. Sicher aber habe er das Lokal verkaufen wollen, solange es noch gut laufe. Schliesslich habe er selber als Fussballer auch mit 29 Jahren aufgehört – als er quasi noch im Saft gewesen sei.

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