Prozess
Exhibitionist onanierte vor Schülern – und streitet vor Gericht aber alles ab

Vor zwei Jahren onanierte ein Mann bei der Schule in Buchs vor Kindern. Wenig später schreckte er beim WSB-Bahnhof eine Frau auf. Obwohl ihn einige Zeugen wiedererkannten, will er das nicht gewesen sein. Eltern sprechen von weiteren Fällen.

Pascal Meier
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Die Schulanlage Risiacher in Buchs.

Die Schulanlage Risiacher in Buchs.

Sandra Ardizzone

Es war an einem Freitag im Juni 2014, als die Buchser Schulanlage Risiacher in die Schlagzeilen geriet. Ein Mann näherte sich um 13 Uhr der Schule, wo Kinder auf einer Wiese spielten. Er zog sich aus, legte sich auf die Wiese und onanierte vor den Augen der acht- bis zwölfjährigen Schüler. Diese rannten weg. Als die Polizei eintraf, hatte sich der Mann aus dem Staub gemacht.

Eine Woche später kam es beim Buchser WSB-Bahnhof zu einem weiteren Vorfall: Ein nackter Mann näherte sich um 22 Uhr auf Perron 2 einer Frau, blieb vor ihr stehen und fasste sich ans Glied. Die Frau wusste nicht, wie reagieren – bis auf dem Perron gegenüber eine andere Frau den Mann anschrie, er solle sofort verschwinden. Dieser rannte in ein Gebüsch – und war weg.

Die Vorfälle hängen laut Staatsanwaltschaft zusammen. Am Mittwoch sass ein 42-jähriger Mann aus der Region vor dem Bezirksgericht Aarau und musste sich wegen sexueller Handlungen mit Kindern sowie Exhibitionismus verantworten.

Vor Gericht wies der Mann, nennen wir ihn Herbert, jede Schuld von sich. «Ich war es nicht, ich war zu Hause», sagte der Angeschuldigte zu beiden Delikten. Am Tag des Vorfalls beim Schulhaus Risiacher sei er am Mittag aufgestanden, habe drei Tassen Kaffee getrunken, fünf Zigaretten geraucht und sei dann wieder zu Bett gegangen.

«Ich nehme starke Medikamente, die mich müde machen», sagte Herbert. «Ich konnte deshalb das Haus nicht verlassen.» Auf den Hinweis von Gerichtspräsidentin Bettina Keller, dass er von mehreren Kindern als Täter identifiziert worden sei, antwortete Herbert: «Das kann ich mir nicht erklären.»

Nicht erklären kann sich Herbert auch, warum er von der Staatsanwaltschaft verdächtigt wird, sich beim WSB-Bahnhof vor einer Frau entblösst zu haben. «Ich bin gesundheitlich gar nicht fähig, so schnell wegzurennen.» Er leide an einer psychischen Störung und nehme über zwölf Tabletten pro Tag.

Die Nebenwirkungen der Medikamente seien Angstzustände, Atemnot, Müdigkeit und Pickel auf dem Rücken. «In der Einvernahme hat das Opfer bei der Beschreibung des Täters nichts von diesen Pickeln gesagt», sagte Herbert weiter. «Ich war es also nicht.»

Vor Gericht identifizierte die betroffene Frau am Mittwoch Herbert jedoch klar als jenen Mann, der sich ihr auf dem Perron nackt genähert hatte. Wie er sich diesen Widerspruch erkläre, fragte Gerichtspräsidentin Keller. Herbert fragte zurück: «Ich zweifle diese Aussage an, wenn ich das hier so sagen darf.»

Eltern schildern weitere Vorfälle

Herbert wirkte vor Gericht ruhig und wählte seine Worte mit Bedacht. Als er wiederholt davon sprach, zum Tatzeitpunkt zu Hause gewesen zu sein, ging ein Raunen durch den Saal. In diesem hatten viele Zuschauer Platz genommen, darunter die Schüler, vor denen Herbert onaniert haben soll. Begleitet wurden sie von ihren Eltern. Für Herberts Auftreten vor Gericht hatten die Eltern kein Verständnis. «Ich hätte erwartet, dass er zu den Taten steht», sagte eine Mutter in der Pause der Verhandlung. «Es gibt genügend Zeugen.»

Mehrere Eltern sagten zudem der az, dass es weitere Vorfälle gegeben habe. Herbert habe immer wieder Kinder angesprochen und mit ihnen gespielt. «Er hat sich vor meinem Bub ausgezogen und gesagt, er solle mitkommen», erzählt ein Vater. «Später hat er versucht, in unser Treppenhaus zu gelangen.» Die Familie erstattete Anzeige.

Die Vorfälle liegen laut den Eltern teilweise mehrere Jahre zurück. Laut Schulleitung gibt es derzeit keine Auffälligkeiten. Auch der Gemeinde ist nichts dergleichen bekannt. Dennoch sagte eine Mutter am Schluss der Gerichtsverhandlung der az: «Ich habe Angst, dass irgendwann etwas Schlimmes passiert.» Sie wünsche dem Mann nicht, dass er ins Gefängnis muss. «Er muss aber behandelt werden.»

Verurteilt wurde Herbert am Mittwoch nicht. Weil die Zeugin des Vorfalls beim WSB-Bahnhof nicht vor Gericht erschien, wurde die Verhandlung vertagt.