Aarau
Eva Wannenmacher blickt in die Wohnzimmer der Telli

Der «Kulturplatz» kommt heute Abend aus der Telli: Moderatorin Eva Wannenmacher will in der Sendung zeigen, wie das Zusammenleben in der Siedlung funktioniert. Dabei erhält der Zuschauer auch Einblicke in die ganz private Seite der Telli.

Heidi Hess
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Für den «Kulturplatz» steigt Moderatorin Eva Wannenmacher aufs Dach des Telli-Hochhauses und fragt nach Privatem bei so viel Nähe.

Für den «Kulturplatz» steigt Moderatorin Eva Wannenmacher aufs Dach des Telli-Hochhauses und fragt nach Privatem bei so viel Nähe.

«Unser ‹Kulturplatz› ist heute die Telli, hier leben dicht an dicht 3000 Menschen.» So, als wäre es das erste Mal, spricht Eva Wannenmacher den immer gleichen Text. Die Moderatorin der Sendung «Kulturplatz» des Schweizer Fernsehens läuft bereits zum siebten Mal über den nassen Rasen. Im Rücken ein Wohnblock der Grossüberbauung Telli, in ihrem Blickfeld das Kamerateam. Mal war in ihrem Moderationstext ein «heute» zu viel, mal der Fokus der Kamera anders, als sich das Regisseur Stefan Jung vorstellte. Dem Lächeln im Gesicht der Moderatorin können weder Wiederholungen noch das anhaltende Nieseln etwas anhaben. Dabei sind Wannenmachers Füsse kalt, die Finger der sechs Kameraleute, inklusive Regisseur klamm und auch die Kamera muss behutsam zugedeckt werden, damit die Aufnahmen nicht im Regen baden gehen.

Wannenmacher lebte in Aarau

Dem nasskalten Wetter aber konnte das Team nicht entgehen. Drehtag für die Moderation war gestern, die Sendung wird heute um 22.20 Uhr auf SF1 ausgestrahlt. Rund um Beiträge zu «Privatheit und Öffentlichkeit» bildet die Wohnsiedlung Telli den Rahmen dieses «Kulturplatzes». Vielleicht hat man die Staumauer in der Telli deshalb ausgewählt, weil die in Bremgarten aufgewachsene Moderatorin als junge Frau in der Aarauer Altstadt gelebt hat. Damals, als sie noch Redaktorin beim Aargauer Tagblatt war. Immerhin hat sie dem «Kulturplatz»-Redaktionsteam die Siedlung vor anderen, ähnlichen Siedlungen, etwa dem Lochergut in Zürich oder dem Tscharnergut in Bern, nahegelegt.

Wannenmacher indessen sagt: «Wir wollten ein positives Beispiel zeigen.» In der Telli funktioniere das Zusammenleben, das Gefüge stimme. Hier werde «stadtnahe Verdichtung in Reinkultur» gelebt.

Trotzdem fragt sie den Leiter des Gemeinschaftszentrums Telli, Hans Bischofberger, im 24. Stock auf dem Dach des Telli-Hochhauses, nach den Überwachungskameras, die im Quartier installiert seien. Von oben zieht der Fokus der Fernsehkamera über die drei Wohnblöcke und Bischofberger antwortet, die habe es doch überall. In einem kurzen Interview gibt er Auskunft über das Leben im Quartier. Bereits mit der ersten Klappe sitzt das Gespräch perfekt. Bischofberger wird wieder zum Zuschauer.

Einblick in die Telli-Privatsphäre

Moderatorin Wannenmacher aber führt in den nächsten Beitrag ein. Es geht um einen jungen Adliswiler Schriftsteller, der in den USA mit seinem Erstling «The Peculiar» zum Erfolgsautor wurde. Weitere Beiträge handeln von einer Ausstellung in Frankfurt über die Privatsphäre, sowie vom soeben erschienenen Buch «Wer wohnt da?» Dieses Buch versammelt Reportagen, die seit Jahren unter dem gleichen Titelim «NZZ-Folio» als Rubrik erscheinen. Dabei geht es um die Frage, wie die Wohnungseinrichtung auf ihre Bewohner schliessen lässt. In Anlehnung an diese Rubrik, fragt das Magazin Kulturplatz, wer denn schon gerne der Öffentlichkeit die Türe öffnen möchte und stellt sich gleich selbst dem Test.

In der Telli lassen Stefan Wyss und Kurt Hasler die Moderatorin Eva Wannenmacher und ihr Team in ihre Wohnungen. Sie geben dem Fernsehpublikum und damit einer breiten Öffentlichkeit einen Einblick in ihre Privatsphäre. Und sie werden erzählen, wie es sich in den Hochhäusern leben lässt, welche mit insgesamt 3000 Einwohnern gut und gern ein ganzes Dorf sein könnten.