Neue Kantonsschule Aarau
«Euer Stau ist für uns eine leere Strasse»: Indische Austauschschüler zu Gast in Aarau

Im letzten Herbst sind 13 Aarauer Kantonsschüler nach Delhi in Indien geflogen. Jetzt sind die Inder auf Gegenbesuch an der Neuen Kantonsschule Aarau.

Nora Güdemann
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«Grüzee», sagte ein Inder. Die Schüler der Neuen Kantonsschule Aarau (NKSA) empfingen gestern die 20 Schüler aus Neu-Delhi.

«Grüzee», sagte ein Inder. Die Schüler der Neuen Kantonsschule Aarau (NKSA) empfingen gestern die 20 Schüler aus Neu-Delhi.

Nora Güdemann

Die Neue Kantonsschule Aarau hat Besuch aus Indien. 20 Schüler der K. R. Mangalam World School in Neu Delhi sind zu Gast. Die Jugendlichen kamen am Samstag an. Geographie-Lehrer Flavio Rohner ist verantwortlich und steht am Montagmorgen vor dem Neubau der NKSA. Dort soll die Führung über das Gelände beginnen. Ein indischer Jugendlicher begrüsst Rohner mit einem «Grüzee».

Im letzten Herbst ist Rohner bereits mit 13 Aarauer Kantonsschülern nach Delhi geflogen. «Dort haben sie bei den indischen Schülern gewohnt und jetzt ist es andersherum», sagt er. Finanziert wird der «Swiss-Indian Classroom» von der Stiftung Movetia und von Sponsoren.

Der Austausch hat zum Ziel, den Indern aber auch den Schweizern das andere Land genau vorzustellen. In der Schweiz soll der Schwerpunkt auf dem dualen Bildungssystem liegen. «Wir werden auch die Eidgenössisch Technische Hochschule anschauen», sagt Lehrer Rohner, «denn immer mehr indische Schüler kommen in die Schweiz zum Studieren.»

Neben Besuchen am Sechseläuten in Zürich oder in der Firma Schoggi Frey in Buchs steht ein Halt bei Netzwerk Asyl in Aarau auf dem Programm. Dort treffen die Schüler unbegleitete minderjährige Asylsuchende. «Die NKSA hat engen Kontakt zu Netzwerk Asyl. Ausserdem ist das Thema Migration in der Schweiz momentan sehr aktuell», sagt Flavio Rohner. Er wolle so auf die Diversität der Schweiz aufmerksam machen – da es in Indien kaum Ausländer gebe.

«Bis zu 50 Grad»

Der 17-jährige Silvan Schwender beherbergt zwei indische Schüler bei sich zuhause. Sie bleiben neun Tage. Schwender war im Herbst in Indien: «Ein ganz schöner Kulturschock», sagt er. «Aber es hat mir sehr gefallen.» Nur seien die Inder immer zu spät gekommen. Dass in Indien die Pünktlichkeit eine untergeordnete Rolle spielt, bestätigt der 17-jährige Schüler Kabir Kumar. Ausserdem sei es in der Schweiz sehr sauber, sagt er auf Englisch. «Und das, was die Schweizer Stau nennen, ist bei uns eine leere Strasse.» Auch das Wetter sei ganz anders: «In Indien haben wir manchmal bis zu 50 Grad Celsius – und viel Luftverschmutzung.»

Gesponserte GA's

Apropos Luftverschmutzung. Momentan finden europaweit von Schülern organisierte Klimastreiks statt, auch in Aarau. Ein Aspekt der Demonstrierenden ist, dem Klima zuliebe aufs Fliegen zu verzichten. Zwei Mal Delhi und zurück – nicht gerade schonend. «Die NKSA hat ein «Green Team», dass sich mit Klimaschutzthemen befasst. Und solange es möglich ist, für Reisen den Zug zu nehmen, nehmen wir den Zug», sagt Flavio Rohner. «Für Schulreisen nach Lipari fahren wir zum Beispiel 24 Stunden mit dem Zug.» Auch die indischen Austauschschüler benutzen während ihrem Aufenthalt die öffentlichen Verkehrsmittel – mit gesponserten GA's.

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