Suhr
«Etwas zurückgeben»: Gäste kochen für Gastgeber

Im Solibrugg-Haus kochen Flüchtlinge Rezepte aus der Heimat für jedermann.

Jakob Weber
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Gemütliche Runde: Jafari (r.) im Gespräch mit Adib und Mukhaimar.Jakob Weber

Gemütliche Runde: Jafari (r.) im Gespräch mit Adib und Mukhaimar.Jakob Weber

Jakob Weber

«Ich möchte etwas zurückgeben. Ich möchte Danke sagen für die viele Hilfe, die wir Flüchtlinge hier in der Region erhalten haben», sagt Najib Jafari fröhlich, und mit jedem seiner Worte wird die Dankbarkeit spürbarer. Der 22-jährige Afghane stellt sich deshalb an den Herd und kocht. Für Freunde, für Fremde, für alle, die Lust auf einen geselligen Abend haben.

Die Idee stammt vom Verein Solibrugg, der ein gemeinnütziges Beschäftigungsprogramm für Flüchtlinge auf die Beine gestellt hat. Seit Ende Oktober kommen täglich zahlreiche Flüchtlinge zum Ehepaar Jamila Adib und Mohamed Mukhaimar ins neue Solibrugg-Haus in der Mühlestrasse in Suhr.

Die beiden sind das Herz der Einrichtung. Sie arbeiten freiwillig fünf Tage die Woche und kümmern sich eigenständig um das Haus, welches mit der Hilfe vieler Flüchtlingshände vor der Eröffnung komplett renoviert wurde.

«In einer Unterkunft können die Flüchtlinge oft nichts tun. Hier können sie sich entfalten», sagt Projektleiterin Franca Hirt, die den Flüchtlingen auch bei bürokratischen Problemen beisteht. «Flüchtlinge helfen Flüchtlingen und Anderen» heisst das Motto von Solibrugg.

Neben Angeboten wie Babysitten, Nähkursen oder einem Lunchpaket für unbegleitete jugendliche Asylsuchende steht auch der Deutschunterricht im Fokus.

Einer der Lehrer ist Jafari, der nach erst anderthalb Jahren in der Schweiz schon so gut Deutsch spricht, dass er nun Neuankömmlingen die fremde Sprache beibringen kann. «Ich habe, seit ich hier angekommen bin, selber jeden Tag mindestens fünf Stunden Deutsch gelernt. Vor allem mit dem Handy», erklärt der aufgeweckte Jafari sein Integrationsrezept.

«Mein Vorteil ist es, dass ich keine Angst habe, auf Leute zuzugehen, um einfach mit ihnen zu quatschen», fügt er hinzu. «Es gibt für uns Flüchtlinge nur wenige Möglichkeiten, Deutsch zu lernen. Deswegen ist es so gut, dass wir hier einen Ort gefunden haben, wo das möglich ist», erzählt der Afghane weiter.

In Zukunft will Solibrugg den Kontakt mit Schweizer Bürgern weiter intensivieren. Oder um es mit den Worten von Jafari zu sagen: «Wir müssen etwas mit den Schweizern teilen.» Auch deshalb hat der Verein die kulinarisch-kulturellen Abende ins Leben gerufen.

Einmal im Monat laden Flüchtlinge zu einem etwa dreistündigen Programm mit Musik, mit Erzählungen und mit Filmen aus der Heimat ein. Gekrönt wird der Abend dann mit einem Menü aus selbst zubereiteten Spezialitäten des jeweiligen Landes. Den Anfang machen heute Freitagabend ab 18 Uhr Jafari und Afghanistan.

30 Gäste heute Abend

Die Idee scheint auf grosse Akzeptanz zu stossen. Bereits über 30 Anmeldungen sind für den Anlass eingegangen – von Leuten, die Jafari bei weitem nicht alle kennt. «Für so viele Menschen zu kochen, ist kein Problem. Im Gegenteil, das macht mir grosse Freude», lacht Jafari, der sich das Kochen selber beigebracht hat. «Es wäre ein Traum für mich, wenn ich später einmal Koch werden könnte», sagt der FC-Aarau-Fan, der selbst auch beim FCA in der 5. Liga spielt.

«Ob ich das schaffe, weiss nur Gott», sagt Jafari, denn noch ist nicht klar, ob er überhaupt in der Schweiz bleiben darf. Es steht das zweite und finale Asylgespräch an. Erst dann wird über eine längerfristige Aufenthaltsbewilligung entschieden. Doch wer sich wie Jafari mit solchem Eifer für gelungene Integration von sich und anderen einsetzt, sollte die Bewilligung aus menschlicher Sicht eigentlich ohne grosses Zögern erhalten. Er selbst wünscht sich vor allem eins: «Eines morgens aufwachen, ohne an den Krieg denken zu müssen.»

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