Eschenwelke
Eschen von aggressiven Pilz befallen – schnelle Massnahmen gibt es nicht

In der Region Aarau breitet sich die Eschenwelke aus. Ein Rezept gegen die Baumkrankheit gibt es nicht. Solange nicht klar ist, welche Bäume der Pilz angreift und welche er verschont, unternehmen die Förster nichts.

Anna Wanner
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Der Herbst steht erst vor der Tür, doch die Baumkronen der Eschen sind bereits kahl. Das Laub löst sich aber nicht ob der kalten Nächte, sondern weil die Eschen vor sich hin kränkeln: Ein aggressiver Pilz treibt in den Wäldern der Schweiz sein Unwesen. «Über die Blätter kommt der Pilz in den Baum und arbeitet sich von aussen in den Stamm vor», erklärt Max Senn, Förster von Rupperswil, Auenstein und Veltheim. Fallen die Blätter aus, bedeute dies, dass der betroffene Trieb des Baumes abgestorben ist. Ein weiteres sichtbares Symptom ist spröde Rinde. «Schabt man die verkümmerte Rinde weg, sieht man braunes oder gräuliches Holz – bei einer gesunden Esche ist es schön weiss», sagt Senn.

Kein Rezept gegen Eschenwelke

Rund um Aarau sind alle Waldbestände vom Pilz betroffen. Das bestätigt neben Max Senn auch Ueli Lüscher vom Forstamt Aarau: «Die Eschenwelke findet man in Biberstein und Unterentfelden. Am meisten betroffen ist aber der Waldabschnitt zwischen Aarau und Schönenwerd.»

Ein Patentrezept, um die Krankheit einzudämmen, gibt es bisher nicht. Max Senn vernachlässigt die Pflege der Eschen einfach. Er wolle verhindern, dass die falschen Bäume gefällt werden. «Die natürliche Selektion regelt solche Krankheiten meist selbst», sagt er. Die schwachen und anfälligen Bäume treffe es zuerst: Sie sterben ab. Der Rest bilde Resistenzen, so Senn.

Solange nicht klar ist, welche Bäume der Pilz angreift und welche er verschont, unternehmen die Förster nichts. Auch auf Chemie verzichten sie. Roland Engesser, Leiter der Fachstelle Waldschutz Schweiz der Forschungsanstalt WSL Birmensdorf, lobt die kompetente Arbeit der Forstämter: «Die Situation ist zwar ernst, aber es ist wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zum Glück haben wir gut ausgebildete Förster.» Laut Engesser sind Chemikalien nicht nur verboten, sondern bei diesem Pilz auch äusserst schwierig einzusetzen. «Die Sporen des Pilzes stecken im Laub, das am Boden liegt», sagt Engesser. Gegen Laubstreu vorzugehen, sei wenig erfolgversprechend. «Eine schnelle Massnahme gegen den Pilz gibt es nicht.»

Genetische Vielfalt rettet Bestand

Seit 2008 verbreitet sich die Eschenwelke in der Schweiz. Die Krux ist, dass der Pilz alte und junge Eschen befällt. Auch die natürlichen Begebenheiten scheinen keinen Einfluss auf die Ausbreitung zu haben. Senn: «Veltheim ist gegen Osten ausgerichtet, Auenstein liegt am Südhang und Rupperswil ist flach – doch überall sind die Eschen betroffen.»

Um den Pilz zu bekämpfen, setzt Engesser auf die genetische Vielfalt der Pflanze: «Erstens erzeugt die Esche viele Nachkommen, und zweitens reagieren nicht alle Eschen gleich auf die Krankheit.» Nur weil ein Baum erkrankt sei, heisse das nicht, dass er sterbe, sagt er. Es gebe Beispiele, wo der Baum trotz Krankheit wieder neue Triebe gebildet habe. «Die Natur kämpft selbst gegen die Krankheit an.»

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