Arbeitsmarkt
Es wird wegen des starken Frankens mehr Arbeitslose im Wynental geben

Die Regionale Arbeitsvermittlung und das Amt für Arbeit rechnen wegen des starken Frankens mit einer signifikanten Zunahme an Arbeitslosen. Besonders betroffen davon könnte das Wynental sein.

Rahel Plüss und Sabine Kuster
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Der starke Franken ist auch in der Region ein Problem und könnte die Arbeitslosigkeit erhöhen. (Symbolbild)

Der starke Franken ist auch in der Region ein Problem und könnte die Arbeitslosigkeit erhöhen. (Symbolbild)

Keystone

Die Auswirkungen des zu starken Frankens sind in der Region erst in den Zimmern der Geschäftsleitungen zu spüren. Dort werden allfällige Massnahmen diskutiert. Verschiedene angefragte Unternehmen wollen noch nicht sagen, was die Loslösung des Frankens vom Euro für sie für Konsequenzen habe. «Dass Massnahmen ergriffen werden müssen, ist klar», sagt ein Geschäftsführer. Ein anderer hofft, der Mutterkonzern im Ausland werde das Gröbste abfedern können.

«Es wäre blauäugig ein wirtschaftlich wunderbares Jahr zu erwarten», sagt David Reichart, stellvertretender Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), «aber die wirtschaftliche Entwicklung hängt vom Wechselkurs der nächsten Wochen und Monate ab.» Wenn der Eurokurs wieder steige, beruhige sich die Situation.

Das Wynental trifft es härter

Der Leiter des AWA, Thomas Buchmann, rechnet jedenfalls mit einer signifikanten Zunahme an Arbeitssuchenden aufgrund der Eurokrise. «Viele Firmen werden sich anpassen müssen», sagt Thomas Buchmann. Er ist gleichzeitig Präsident des Vereins Pforte Arbeitsmarkt. Wegen der beiden Funktionen kennt er die regionalen Unterschiede: «Überdurchschnittlich viele Arbeitnehmende im Wynental arbeiten in industriellen oder gewerblichen Betrieben. Das Wynental ist daher erfahrungsgemäss bei Krisen stärker betroffen als andere Regionen.»

Aktuell könne aber noch nicht von einer Krise gesprochen werden und die Unternehmen seien vom tiefen Euro-Kurs auch sehr unterschiedlich betroffen. «Viele Unternehmen sind zurzeit aufgrund des Eurokurses gezwungen die Kosten zu senken. Allerdings führen Effizienzsteigerungen häufig zum Abbau von schlechter qualifizierten Mitarbeitenden, welche von den RAV eher schwieriger zu vermitteln sind.»

Krise noch nicht spürbar

Noch sind die Auswirkungen nicht zu spüren – ein Vorteil gegenüber 2008, als die ganze Weltwirtschaft von der Krise betroffen war und sich die Situation überall von einem Tag auf den anderen veränderte.

Die Regionale Arbeitsvermittlung (RAV) muss auf solche Schwankungen vorbereitet sein. Denn während den Firmen die Arbeit ausgehen könnte, bedeuten Krisen fürs RAV mehr Arbeit. «Wir müssen uns immer den aktuellen Begebenheiten anpassen», sagt Thomas Buchmann, «mit unserer rollenden Personal-Planung versuchen wir, die Belastung des Personals auffangen zu können.»

Bei den Räumlichkeiten gebe es manchmal Übergangslösungen. Vorübergehend könne oder müsse halt manchmal ein Sitzungszimmer zum Büro umfunktioniert oder ein Arbeitsplatz am Empfang installiert werden.

Die RAV richten sich bei der Planung nach den eigenen Prognosen und jenen des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco). «Die letzte Prognose des Seco vom Dezember ist in der aktuellen Situation natürlich Makulatur», sagt Buchmann. Noch aber ist es ruhig. «Im Moment ist die Nachfrage noch da oder es bestehen noch laufende Aufträge. Generell beobachten wir, dass viele Firmen erst einmal abwarten.»