Es ist eine Institution, wie es sie in der Schweiz nur an zwei weiteren Standorten gibt: das Männer- und Väterhaus im Kanton Aargau. Der Verein ZwüscheHalt bietet hier sowie in Luzern und Bern gewaltbetroffenen Männern mit oder ohne Kinder Unterschlupf. «Oft haben diese Männer eine lange Geschichte von häuslicher Gewalt hinter sich», sagt Präsident Oliver Hunziker. Das könne sowohl psychische Gewalt sein, wie Herabwürdigung und Stalking, als auch physische, wie Ohrfeigen bis hin zu Angriffen mit Messern. Hunziker gründete 2009 das erste Männerhaus der Schweiz. Dies, weil er in einer schwierigen Trennungssituation erlebte, dass Männer keine Hilfe bekommen.

Nun muss der Verein den Standort im Aargau per Ende Jahr vorübergehend aufgeben, der Hausbesitzer wird das Objekt verkaufen. Erst im Frühling hatte das Männer- und Väterhaus nach einer Renovation wiedereröffnet. Das Haus ist seit fast zehn Jahren in Betrieb. Die Immobilie selber zu kaufen, komme nicht infrage, sagt Oliver Hunziker: «Wir können es uns nicht leisten. Das bringt uns in Schwierigkeiten, weil wir auf die Schnelle keine langfristig zufriedenstellende Lösung finden.» Es sei nicht einfach, ein Haus für diesen Zweck zu finden. Ausserdem brauche ein Neustart Kapital, das der Verein nicht habe. Im Unterschied zum Frauenhaus Aargau-Solothurn hat das Männerhaus keinen Leistungsvertrag mit dem Kanton, sprich der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Die beiden Landeskirchen des Kantons Aargau hätten zur Finanzierung beigetragen, sagt Hunziker.

Tabuisierung ist ein Problem

Im Jahr 2017 suchten schweizweit 29 Männer mit 6 Kindern Schutz beim Verein ZwüscheHalt, 15 davon im Kanton Aargau. Insgesamt waren es rund 1650 Übernachtungen in allen drei Häusern. Aktuell sei niemand im Männerhaus Aargau untergebracht. Das klingt eigentlich erfreulich. Doch Oliver Hunziker warnt: «Das bedeutet nicht, dass gar keine Nachfrage besteht. Viele Männer finden uns nicht.»

Die Tabuisierung der Gewalt an Männern sei nach wie vor ein Problem. Deshalb wünscht sich Hunziker im Aargau eine bessere Zusammenarbeit mit Behörden und Institutionen: «Im Kanton Bern haben wir ganz andere Erfahrungen gemacht, die Sensibilisierung ist grösser und in Notsituationen werden Männer öfter an uns verwiesen, auch von der Polizei.» Die Institutionen im Aargau hätten sich hingegen lange schwergetan: «Gewaltbetroffene Männer werden von kantonalen Behörden noch immer teilweise in Hotels einquartiert.» Es brauche mehr unterstützende Hinweise, auch von der Opferhilfe.

Gefährdete Männer als Ausnahme

Die Polizei sei durchaus sensibilisiert darauf, dass auch Männer geschlagen werden, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Dass die Polizei bei einer Intervention einen Mann antrifft, der an Leib und Leben bedroht ist, sei eine absolute Ausnahme: «Nach unseren Erfahrungen kommt es kaum vor, dass der Mann einer grossen Bedrohung ausgesetzt ist, wenn die Polizei eintrifft.» Es handle sich meist um akute Streitigkeiten, bei denen die Frau kurzfristig ausraste. Daher sei eine Unterbringung im Männerhaus selten. «Die Männer gehen der Situation oft selber aus dem Weg, bis sich die Situation beruhigt, und suchen so lange Unterschlupf bei Freunden oder im Elternhaus», sagt Graser weiter.

Bei weiblichen Gewaltopfern, die von der Polizei ans Frauenhaus verwiesen werden, sei das anders: «Diese Frauen müssen physisch vom Mann entfernt und versteckt werden, weil sie sonst möglicherweise vom gewaltbereiten Mann und eventuell seinen Angehörigen verfolgt werden.»

Eine Übergangslösung für wenige Männer

Oliver Hunziker will das Angebot von ZwüscheHalt im Aargau nicht kampflos aufgeben. Die beiden Unterkünfte in Bern und Luzern seien gut belegt. «Wir führen das Angebot im Aargau in etwas kleinerem Ausmass weiter.» Der Verein hat sich übergangsweise in eine Immobilie eingemietet. Dies sei aber nur eine Übergangslösung für wenige Männer. Väter mit Kindern, die ab Januar 2019 Hilfe brauchen, werden nach Bern oder Luzern verwiesen.

«Wir werden die Übergangsphase nutzen, um Gespräche mit Kanton und Institutionen zu führen und weitere mögliche Unterkünfte zu evaluieren», sagt Oliver Hunziker. Es brauche ein finanzielles Engagement des Kantons. Das Ziel, einen kostendeckenden Betrieb zu garantieren, sei langfristig zu erreichen, ist er sich sicher. Das Beispiel Bern, wo der Verein ZwüscheHalt im Jahr 2017 ein weiteres Haus eröffnete, zeige, dass das möglich sei.