Oberentfelden

Es stinkt, nicht nur nach Schwein

Im Pub «Old Derrymore» warten die Leute gespannt auf die Ziehung der Lottozahlen.

Im Pub «Old Derrymore» warten die Leute gespannt auf die Ziehung der Lottozahlen.

Die Theatergesellschaft begeistert mit einem Stück über einen Lottogewinn in einem irischen Kaff.

«Lustig, aber mit schwarzem Humor, und die Kulissen – irrsinnig gut gemacht», sagt der Oberentfelder Gemeindeammann Markus Bircher nach der Premiere. Für ihn und seine Frau ein idealer Jahresauftakt. Gespielt wird das Stück «Lang lebe Jacky Pott» nach dem Film «Waking Ned» von Kirk Jones, bearbeitet von Regina Wurster und Nicolas Russi, der erstmals in Oberentfelden Regie führt.

Jackpot im Dorf

Im Pub «Old Derrymore» auf einem irischen Inselchen mit 52 Einwohnern harren die Leute der Ziehung der Lottozahlen. Der Wirt (Peter Waber) tut so, als ob er die sechs richtigen Zahlen hätte und kassiert dafür von seiner Frau (Irène Tiörjen) eine Ohrfeige. Wieder nichts gewesen. Dabei bräuchte auch die Kirche ein neues Dach. Als am anderen Tag in der Zeitung zu lesen ist, dass jemand aus dem Dorf den Jackpot mit 6 894 622 Pfund geknackt hat, ist die Suche nach dem Gewinner lanciert.

Als besonders aktiv erweisen sich der Wirt und der Fischer (Daniel Achermann). Ein Ereignis, das hier nicht verraten sei, bringt sie ziemlich in die Bredouille und fordert ihr Improvisationstalent heraus. «Jetzt beginnt es Spass zu machen», sagt Daniel Achermann nach erfolgreicher Premiere: Wenn das Publikum lacht, klatscht, mitleidet, motiviere das.

Stimmiges Bild

Die Kulissen – und damit der Erbauer Joggi Matter – erhalten Applaus, als das geschlossene Pub sich entfaltet und sein stimmiges Innenleben offenbart: die Menschen, das Guinness, aber auch die Makramee-Eule und die Blechschilder an den Wänden. Etwas ärmlich dürften Häuser und Leute daherkommen, sagt der Regisseur. So stinkt denn Flynn O’Sweeney (Benjamin Waber), der junge Schweinezüchter, Gegenspieler von Tom Thomson (Alex Wenger) im Kampf um die Gunst von Wendy Wilcox (Daria Ziörjen) und deren Tochter (Selina Kyburz).

Ensemble mit Spiellust

Dass es stinkt, nicht nur olfaktorisch, merken auch die Damen von der Lottogesellschaft (Karin Finazzi und Myriam Maurer). Sie müssen die Identität des Lottogewinners überprüfen. Der Lockruf des grossen Geldes macht gierig. Vorsichtshalber wird der Pfarrer (Erich Honegger) nach Rom geschickt, aber da ist noch die renitente Frau im Rollstuhl (Patrizia Hängärtner). Jacky Pott (Kurt Mühlheim), Serviertochter Ella (Dilara Aydin), die Ladenbesitzerin (Helena Lüscher) und Pfarrköchin Mary (Gabi Schenker) vervollständigen ein kompaktes Ensemble, dem man die Spiellust anmerkt.

Stimmungsmässig die halbe Miete ist die Live-Musik (Véronique Bachmann, Flöten; Roland Zurbrügg, Gitarre, Gesang; Beat Bachmann, Gitarre, Bodhran, Akkordeon). Bei aller Lüpfigkeit schwingt auch etwas Melancholisches mit. Die Jigs und Reels fahren in die Beine, und wenn am Ende alle Spielenden, «Whiskey in the Jar» singend, die Turnhalle verlassen, könnte das Fest im Forum weiter gehen.

Musik verbindet

Das Stück überzeugt in seiner Dynamik. Da gibt’s Massenszenen im Pub, ernste Dialoge, Slapstick, harte Schnitte, Wortwitz, Situationskomik, und die Musik verbindet Fröhliches und Bedrückendes. Übrigens: Auch Oberentfelden habe mal einen grossen Lottogewinner gehabt, weiss Ammann Markus Bircher, doch das Steueramt sei diskret: «Ich weiss nicht, wers war.»

 

Weitere Aufführungen: 11., 12., 18., 19., 25., 26. Januar jeweils um 20.15 Uhr in der Turnhalle Dorf. Zudem am 13. und 20 Januar um 14.30 Uhr. Vorverkauf platzgenau über www.theateroberentfelden.ch oder telefonisch montags, mittwochs und freitags 13 bis 15 Uhr: 079 849 49 09.

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