Wahlen 2019

Es sieht besser aus für Aargau West: Die Region ist künftig in der grossen Kammer stärker vertreten

Gabriela Suter (links) ist bereits gewählt. Maja Riniker ist fast sicher gewählt, Alois Huber kann sich Hoffnungen machen.

Gabriela Suter (links) ist bereits gewählt. Maja Riniker ist fast sicher gewählt, Alois Huber kann sich Hoffnungen machen.

Im optimalsten Fall stammen nach dem 24. November vier Nationalrätinnen und Nationalräte aus der AZ-Region.

Wer darf zuerst das Wartezimmer verlassen und wird in den Nationalratssaal eingelassen? Eine ist schon raus, respektive drin. Gabriela Suter (SP, Aarau) schaffte nach einem engagierten, aufwendigen Wahlkampf den Sprung nach Bern.

Auf «Die Nächste, bitte» wartet Maja Riniker (FDP, Suhr): Wenn im zweiten Wahlgang für den Ständerat am 24. November kein grosses Unglück passiert, wird Thierry Burkart (FDP) gewählt und Maja Riniker kann nachrutschen. Doppelt kein Unglück passieren muss bei Alois Huber (SVP, Möriken-Wildegg): Er wird nur Nationalrat, wenn es am 24. November Jean-Pierre Gallati (SVP) in den Regierungsrat und Hansjörg Knecht (SVP) in den Ständerat schaffen. Denn Stefanie Heimgartner (SVP, Baden) hat ihn um nur 106 Stimmen geschlagen (bei 55 255 Stimmen).

Südlich von Suhr weder National- noch Ständerat

Damit ist klar: Der Bezirk Aarau hat nach langen Jahren, nach dem Rücktritt von Urs Hofmann 2009, das Comeback im Nationalrat wieder geschafft – sicher mit einer Genossin und fast sicher zusätzlich mit einer Freisinnigen.

Die AZ-Region Aargau West ist künftig in der grossen Kammer stärker vertreten als bisher. Neben Beat Flach (GLP, Auenstein) mit Gabriela Suter, Maja Riniker und wohl Alois Huber – Bei den Abgängen von Corina Eichenberger (FDP, Kölliken) und Sylvia Flückiger (SVP, Schöftland).

Klar ist weiter: Die Täler sind national- und ständeratsmässig No-Man’s-Land – südlich von Suhr ist weder im Suhren-, noch im Wynen-, noch im Seetal etwas. Nicht wieder angetreten ist Ständerat Philipp Müller (FDP, einst Reinach, jetzt Meisterschwanden).
Suter weiss noch nicht, ob sie als Grossrätin zurücktritt

Die Detailanalyse in der Stadt Aarau zeigt, dass bei der SP Gabriela Suter eine Bank war: Platz 2 knapp hinter Cédric Wermuth. Lelia Hunziker erhielt 2137 Stimmen – gut 1000 weniger als Gabriela Suter. Sie war damit 4. auf der SP-Liste in der Stadt. Noch nicht entschieden ist, ob Suter vor Ablauf der Legislatur (Ende 2020) aus dem Grossen Rat zurücktreten wird.

Eigentlich wäre das üblich, bei den Wahlen 2015 hat es Matthias Jauslin aber auch nicht getan. Ginge Gabriela Suter, könnte Silvia Dell’Aquila nachrutschen. Dell’Aquila hatte im Sommer 2017 gegen den Willen von Suter (damals Stadtparteipräsidentin) wild für den Stadtrat kandidiert, blieb aber SP-Mitglied.

Wer in der Stadt Aarau bei der FDP die Nase vorne hatte

Interessant ist das Abschneiden der diversen Aarauer FDP-Grössen. Insgesamt schaffte es Lukas Pfisterer auf den zwar guten, aber eigentlich hoffnungslosen dritten Ersatzplatz (hinter Maja Riniker und Jeanine Glarner).

In der Stadt selber musste er sich von Thierry Burkard, Suzanne Marclay, Maja Riniker und Yannick Berner (in dieser Reihenfolge) geschlagen geben. Kantonsweit schaffte es Suzanne Marclay auf den achten Platz. Sie ist damit beste Nicht-Grossrätin – und hat als dortige erste Ersatzfrau beste Aussichten für Maja Riniker ins Kantonsparlament nachzurutschen.

Bei den Aarauer Grünen fällt das sehr gute Resultat von Stadtparteipräsidentin Mirjam Kosch auf: kantonsweit zweiter Ersatz bei sehr gutem Resultat in der Wohngemeinde. Mirjam Kosch erklärt zwar, sie sei nur mässig an einem Amt in der kommunalen Politik interessiert. Aber sie könnte trotzdem zu einem Thema werden, wenn es dereinst um die Nachfolge von Stadtrat Thür geht.

Eine herbe Enttäuschung ist der Wahlausgang für den politischen Schwerarbeiter Clemens Hochreuter (SVP, Erlinsbach): im optimalsten Fall 3. Ersatz. In Aarau, wo er aufgewachsen ist und lange politisiert hat, musste er sich sogar von Martina Bircher geschlagen geben. Die Aarauer Wähler wählen offensichtlich nicht sehr aarauisch – im Gegensatz zu den sehr heimatbewussten Zofingern.

Die künftige Lenzburger Frau Stadtammann?

In Lenzburg (siehe auch rechts) hat Barbara Portmann (GLP) sehr gut abgeschnitten: Sowohl kantonsweit (erster Ersatz), als auch in der Stadt (dort besser als Beat Flach!). Die erste Frau Stadtammann in Lenzburg? Die 44-jährige Barbara Portmann, aktuell Grossrätin, könnte mittelfristig Kandidatin für die Nachfolge von Stadtammann Daniel Mosimann (SP) werden.
Wenn es Alois Huber (SVP) aus dem Wartezimmer nach Bern schafft, dürfte Jacqueline Felder (Boniswil) seinen Grossratssitz erben.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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