Aarau
Es örgelet wieder in der Milchgasse

An der Milchgasse 17 eröffnet Barbara Steinger heute ihre Akkordeonschule – just im Nachbarhaushatte einst Fritz Brönnimann jahrzehntelang bis zu 130 Kinder aus der Region unterrichtet.

Katja Schlegel
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Barbara Steinger im Fenster von Hausnummer 17 in der Milchgasse.

Barbara Steinger im Fenster von Hausnummer 17 in der Milchgasse.

Katja Schlegel

Es waren eine Notsituation und die Wut im Bauch, die Barbara Steinger (43) aus Schöftland dazu brachten, an eine eigene Akkordeonschule zu denken: Die Not an Akkordeonunterricht an der Musikschule Aarau und Steingers Ärger darüber, dass man das Instrument trotz Nachfrage nicht anbieten wollte. «Dann eröffne ich halt selber eine Schule, dachte ich mir», sagt Steinger und lacht. Und genau das tut sie jetzt: Heute findet die Eröffnungsfeier statt.

Seit bald zehn Jahren unterrichtet Steinger Akkordeon unter anderem an der Neuen Kanti, seit sieben Jahren auch an der Alten Kanti, daneben an den Musikschulen Schöftland und Buchs-Rohr. Ihr geht es um den Aarauer Nachwuchs: «Ich will den Kindern die Möglichkeit geben, das Instrument zu erlernen.» Sie will deshalb die Stunden so günstig wie möglich anbieten, damit sich die Eltern den Unterricht leisten können. «Mir geht es nicht um das grosse Geld.» Aber je früher man mit dem Unterricht beginne, desto besser. So wie sie selbst: Fasziniert von den Akkordeonspielern im Säli im elterlichen Restaurant in Küssnacht am Rigi sass sie als Siebenjährige zum ersten Mal beim Nachbarn im Unterricht und gewann ein Jahr später die Küssnachter Wettspiele in der jüngsten Kategorie. Von da an war für sie klar, dass sie irgendwann selber Akkordeon unterrichten würde.

Steinger kann sich über mangelndes Interesse an ihrer Akkordeonschule nicht beklagen, etliche Anfragen sind schon eingetrudelt. Das Akkordeon hat seinen verstaubten Ländler-Charme abgeschüttelt, das Interesse am Instrument steigt. «Das eine hat das andere ergeben, es wurde immer mehr», sagt sie. Und so wird sie nicht nur – wie angedacht – Unterrichtsstunden für Kinder ab sieben Jahren und Erwachsene anbieten, sondern auch neue Instrumente verkaufen und eine Reparaturannahme betreiben. Kleinere Schäden wie ein hängengebliebenes Rädchen oder einen verbogenen Knopf biegt sie selber gerade, für grössere Reparaturen werden die Akkordeons zum Instrumentenbauer gebracht.

Halb Aarau ging hier ein und aus

Ein schöner Zufall: Die Akkordeonschule von Steinger zieht in Haus Nummer 17 ein – just im Nachbarhaus führte Fritz Brönnimann bis Mitte der Achtzigerjahre seine Akkordeonschule. Brönnimann dürfte vielen Aarauern ein Begriff sein: Bis zu 130 Schüler aus Aarau und den umliegenden Gemeinden unterrichtete er jede Woche, wenn nicht auf dem Akkordeon, dann auf der Blockflöte oder der Gitarre. Unter anderem war Brönnimann auch Dirigent und Vorstandsmitglied des Handharmonika Klubs Aarau.

Das Haus an der Milchgasse hatten Fritz und Lilli Brönnimann 1952 kurz nach ihrer Hochzeit gekauft. Besonders gut gelaufen sei das Geschäft in den Sechziger- und Siebzigerjahren, erinnert sich Lilli Brönnimann. Das sei eine strenge, aber schöne Zeit gewesen: «Er hat alles in seine Schule und die Schüler investiert, und er hat das immer gern getan.» 1986 gab Fritz Brönnimann die Schule weiter, bis sie ein paar Jahre später schloss. 2013 starb Fritz Brönnimann.

Lilli Brönnimann freut sich über die Eröffnung von Steingers Schule: «Es freut mich, dass die Tradition einer Akkordeonschule wiederbelebt wird. Dass sie fast am gleichen Ort eröffnet wird, ist ein schöner Zufall.» Auch für Barbara Steinger ist es ein spezielles Gefühl, in Brönnimanns Fussstapfen zu treten. «Ich war mir nicht bewusst, dass er just im Gebäude nebenan unterrichtet hat. Ich habe ihn nicht gekannt», sagt sie. Als die Idee aber konkret wurde, sei sie immer wieder darauf angesprochen worden. «Es ist schön, zu wissen, dass ich mit meiner Schule hier so willkommen bin», sagt sie. «Die alteingesessenen Nachbarn freuen sich, dass es nun in der Milchgasse endlich wieder örgelet.»

Eröffnungsfeier: Samstag, 14. März, 10 bis 16 Uhr, Milchgasse 17.