Aprilscherz
Es lebt doch kein seltenes Wesen im Aarauer Untergrund

Den Grottenolm gibts wirklich – doch der Rest entsprang der Fantasie des Naturama-Direktors. Dieser enthüllte am Mittwoch seinen 1.-Aprill-Scherz mit einem Apéro und interessanten wissenschaftllichen Details.

Sabine Kuster
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Peter Jan, Naturama-Direktor, vor der Vitrine mit dem Grottenolm aus der Sammlung, enthüllt den 1. April-Scherz.

Peter Jan, Naturama-Direktor, vor der Vitrine mit dem Grottenolm aus der Sammlung, enthüllt den 1. April-Scherz.

Sabine Kuster

So wissenschaftlich präsentiert wurde wohl selten ein 1. April-Scherz. Naturama-Direktor Peter Jann hatte gestern in der Aargauer Zeitung verkündet, in den Meyerschen Stollen in Aarau sei der Grottenolm wiederentdeckt worden. Sogar einen eigenen lateinischen Namen gab Jann dem Wesen, das aussieht, als sei es zu früh geschlüpft: Proteus anguinus meyerii.

Den Grottenolm gibt es in der Natur wirklich und auch das Präparat aus der alten Sammlung des Naturama ist echt. Nur im Aarauer Untergrund da gab es das Wesen noch nie und es ist auch keine neue Spezies mit grüner Färbung aufgetaucht.

Einzelheiten waren doch wahr

Das wusste die Handvoll Aarauer, die gestern dennoch ins Naturama kam um «die ersten Resultate der DNA-Analysen» zu erfahren, wie im Zeitungsartikel angekündigt worden war. Was Direktor Jann zu erzählen hatte, war trotzdem spannend, denn viele Einzelheiten seines Berichtes stimmten.

So gibt es wegen der Scheinwerfer tatsächlich Algen im neuen Aufschluss der Meyerschen Stollen: Blaualgen. Und es gibt auch ein Tier – wenn auch nicht der Grottenolm – welches die grünen Farbkörperchen (Chloroplasten) in den Bauchzellen einlagert und Nährstoffe produzieren: die Meeresschnecke Elysia chlorotica.

Auch der Höhlenforscher ist echt

Auch der Höhlenforscher und Naturama-Mitarbeiter, der auf dem Foto zu sehen war, ist echt: Andreas Rohner erforscht den Untergrund. «Er ist aber zu seinem Bedauern nie einem Grottenolm begegnet», sagte Jann. Dafür entdeckte er in einer Höhle eine bisher unbekannte Spinnenart.

Auch den Schweizer Naturforscher und Geologen Louis Agassiz gab es tatsächlich, dass er aber den Zeitgenossen und Aarauer Industriellen J.R. Meyer getroffen hätte, ist nicht bekannt. «Ich wollte den Grottenolm aus der Sammlung schon lange in Verbindung mit den Stollen bringen», verriet Jann. Die Idee einen Artikel zum 1. April darüber zu schreiben, kam deshalb von ihm.

Der Grottenolm wurde im 17. Jahrhundert in den Karstgebieten des heutigen Slowenien erstmals beschrieben. Aufgrund des Aussehens das ihm die Kiemen verleihen, sprachen die Leute anfänglich von jungen Drachen.«Die Grottenolme sind hervorragend an das Leben unter Tage angepasst. Sie sind langlebig, werden mit 14 Jahren geschlechtsreif und sie können ihren Stoffwechsel so reduzieren, dass sie längere Zeiten ohne Nahrung verbringen können», erklärte Jann. Sie gehören zu den Amphibien. Im Gegensatz zu ihren Verwandten bleiben sie aber sozusagen im Larvenstadium stecken.