Bezirksgericht Aarau

«Es gibt keine Entschuldigung dafür»: Mann fuhr mehrfach ohne Ausweis – jetzt droht Gefängnis

Der Angeklagte musste das Billett auf unbestimmte Zeit abgeben. (Symbolbild)

Der Angeklagte musste das Billett auf unbestimmte Zeit abgeben. (Symbolbild)

Florian (Name geändert), gegen 40 Jahre alt, weiss ganz genau, dass er «einen Seich» gemacht hat. Als ihm die Aarauer Bezirksgerichtspräsidentin Patricia Berger die Anklagepunkte vorträgt, nickt er immer wieder heftig. «Es gibt keine Entschuldigung dafür. Das war reine Dummheit.»

Insgesamt drei Mal war Florian 2018 wegen Fahrens ohne Führerschein erwischt worden. Das Billett hat er 2012 auf unbestimmte Zeit abgeben müssen. In der Verhandlungspause erklärt Florian freundlich, dass er zweimal übermüdet am Steuer eingeschlafen sei und Unfälle gebaut habe, einmal mit zu hohem Tempo. Den gemessenen Alkoholpegel weiss Florian bis auf zwei Stellen nach dem Komma auswendig – er war nie höher als erlaubt. Um das Billett wieder zu erlangen, müsste Florian psychologische Untersuchungen und Therapiestunden absolvieren. Das kostet einige tausend Franken. «So viel Geld konnte ich nie aufbringen.»

Dabei hätte es Florian einiges erleichtert. Denn er führte bis vor kurzem einen eigenen Handwerksbetrieb – und man kann sich vorstellen, wie kompliziert das ist, wenn man nicht fahren darf. Ganz konsequent war Florian halt eben doch nicht – was ihm die Anklage einbrachte. Er wurde zweimal kurz hintereinander in der Region Aarau hinter dem Steuer eines Lieferwagens erwischt. Sein Chauffeur sei ausgefallen und er habe einfach keine andere Möglichkeit gesehen, um samt Material auf die Baustelle zu kommen, erklärt Florian vor Gericht. «Ich habe die Kundentermine deswegen schon einmal absagen müssen, das konnte ich nicht wieder machen. Schon damals ging es meinem Geschäft nicht gut.» Mittlerweile ist es in Konkurs gegangen.

Beim dritten Mal, als Florian hinter dem Steuer erwischt wurde, sass er im Auto seiner damaligen Freundin und war auf dem Weg zur Apotheke. «Normalerweise wäre ich zu Fuss oder mit dem Velo gegangen, aber ich hatte starke Knieschmerzen.» Die Autobesitzerin treffe keine Schuld: «Sie war im Ausland und wusste nichts davon – nie hätte sie mir ohne Fahrausweis ihr Auto überlassen.» Dass er das Auto ohne Erlaubnis genommen hatte, trug ihm den Anklagepunkt «Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch» ein. Und schliesslich war Florian noch einer Vorladung des Betreibungsamts nicht gefolgt – er habe es schlicht vergessen, weil er geschäftlich zu viel um die Ohren gehabt habe, sagt er.

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von vier Jahren, plus eine Busse von 4000 Franken beantragt. Florian hat Glück: Die Gerichtspräsidentin senkt die Strafe auf 8 Monate und 2700 Franken Busse. «Wir haben Ihre Not rausgespürt», sagte Berger. «Leider ist das keine Ausrede – und es ist kein Bagatelldelikt. Das Damoklesschwert der Freiheitsstrafe tragen Sie nun vier Jahre lang mit. Es liegt bei Ihnen, was damit passiert. Man kann immer schlauer werden.»

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