Aarau

Es braucht Mut für die Umgestaltung der Stadtkirche

Die Wirkung der leer geräumten Stadtkirche ist eindrücklich.zvg

Die Wirkung der leer geräumten Stadtkirche ist eindrücklich.zvg

Der Innenraum der Stadtkirche soll aufgewertet werden. Am Wie aber scheiden sich die Geister. Dies zeigte sich, als die Arbeitsgruppe Kircheninnenraumgestaltung ihre Ideen präsentierte.

So leer haben die Stadtkirche wohl erst Wenige gesehen: Kanzel weg, Abendmahltisch weg, Stühle weg. «Ist das ein schöner Raum», raunt jemand, als das Foto der ausgeräumten Kirche während der Ideenskizzen-Präsentation zur Gestaltung des Innenraumes auf der Leinwand erscheint. Ja, dessen sind sich alle einig: Der Innenraum der Stadtkirche ist schön; Kunsthistoriker Johannes Stückelberger bezeichnet ihn sogar als «Juwel». Was das Bild stört, ist die zusammengewürfelte Einrichtung. Auch hier sind sich (fast) alle einig: Es soll sich was verändern.

Fingerspitzengefühl gefragt

Gewohntes umzukrempeln erfordert Fingerspitzengefühl. Das hat die Arbeitsgruppe Kircheninnenraumgestaltung der Reformierten Kirchgemeinde lernen müssen, als vor einem Jahr ein erstes, zielstrebig erarbeitetes Projekt zur Umgestaltung am Widerstand der Kirchgemeinde gescheitert ist. Beim zweiten Anlauf lässt sich die Arbeitsgruppe noch stärker in die Karten blicken: Die Gemeinde wird früh über jeden Schritt informiert. So, wie am Freitagabend, als die Arbeitsgruppe die Ideenskizzen zweier Architekten- und Möbeldesignerteams vorstellte und bekannt gab, für welchen Vorschlag sich die Jury entschieden hat. Auch an der Kirchgemeindeversammlung vom 4. Dezember wird das Projekt traktandiert.

Die Arbeitsgruppe überzeugt hat die Ideenskizze der Basler Architekten Christ und Gantenbein und des Möbeldesigners INCHfurniture: Sie haben die Stadtkirche ausgeräumt, sie wollen ihr mit einer sich verändernden Möblierung den Ausdruck einer aktiven und lebendigen Kirche geben. Die Markierungen dieser Bestuhlungsformen – je nach Anlass im Kreis, in Reihen, oder wild durcheinander – könnten als Gravur in den Boden eingelassen werden. Weiter zieht das Team in Erwägung, die Stühle aus Eiche und Schnur gräulich einzufärben und so dem Muschelkalkboden anzupassen. Kanzel und Abendmahltisch sollen die Form der Stühle aufgreifen.

«Ich bin begeistert, ja geradezu euphorisch», meldet sich einer der Besucher nach der Präsentation. Doch kritische Fragen lassen nicht lange auf sich warten: Machen schwarze Stühle den Raum nicht zu dunkel? Ist es nicht kompliziert, die Stühle immer wieder umzustellen? Eine Besucherin fragt besorgt, ob so künftig überhaupt noch grosse Konzerte stattfinden könnten. Ein Herr stellt die Frage, ob die Idee mit dem Stühle-Herumschieben nicht auch ohne Architekt umgesetzt werden könnte. Und die grosse Frage des Abends: Wo würden die nicht gebrauchten Stühle untergebracht? Der gleiche Besucher, der sich zu Beginn noch so euphorisch gezeigt hatte, meint plötzlich: «Wenn wir jetzt schon nicht wissen, wo hin mit den Stühlen, ist das Projekt eigentlich schon gestorben.»

David Reichart, Kirchenpfleger und Präsident der Arbeitsgruppe, stellt klar: «Wir sind erst im Stadium der Projektskizze. Es ist nun Aufgabe der Architekten im Dialog mit der Kirchenpflege die offenen Fragen zu lösen.» Und natürlich könnten weiterhin grosse Konzerte stattfinden. Stückelberger, der die Arbeitsgruppe berät, betont mehrmals, dass nichts ohne Rücksprache umgesetzt werde, und mahnt eindringlich, dass man das Projekt nicht jetzt schon abwürgen sollte. «An der Kirchgemeindeversammlung im Dezember geht es erst darum, über die Weiterbearbeitung der Ideenskizze zu entscheiden, über einen allfälligen Kredit stimmen Sie erst im Juni ab.»

Pfarrer Christian Bader entlässt die Besucher mit ermutigenden Worten in die stürmische Nacht: «Ich würde mich freuen, wenn die Kirchgemeinde den Mut aufbringen würde, diese Umgestaltung anzupacken.»

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