Den Namen Carlo Mettauer hatte man seit Ende 2013 nicht mehr so oft gehört. Der Mann, der diesen Namen trägt, ist nicht mehr Stadtrat, sondern Bereichsleiter einer Schule und Galerist. Er machte nur noch Schlagzeilen, als er die Künstlerin Laura Chaplin nach Aarau in seine «Galerie 6» holte oder sich für den Bau eines Menschenrechtsdenkmals im Kasinopark einsetzte. Sonst wars ruhig um den ehemaligen CVP-Politiker.

Bis vor knapp zwei Wochen. Denn nun holt Mettauer eines seiner Stadtratsgeschäfte ein. Er soll für das erste Baugesuch der Kunsteisbahn (Keba) zuständig gewesen sein. Das mit den zu kurz beantragten Öffnungszeiten.

Weder Mettauer noch das Bauamt der Stadt Aarau, der Totalunternehmer Priora oder die Baubehörden von Suhr hätten den Irrtum bemerkt, schrieb die az. «Man hat die Baueingabe zu wenig präzise kontrolliert», sagte Mettauers Nachfolger im Stadtrat, Hanspeter Hilfiker. «Man müsste es eigentlich wissen.»

Herr Mettauer, Sie waren 12 Jahre Stadtrat und Vizestadtpräsident, bis Sie sich Ende 2013 aus der Politik zurückgezogen haben. Nun schiebt man unter anderem Ihnen den schwarzen Peter für das aktuelle Keba-Debakel zu.

Carlo Mettauer: Obwohl ich seit über drei Jahren nicht mehr im Stadtrat bin, bin ich mir diesen Gegenwind noch gewohnt. Ich finde es nicht angebracht, die Schuld einer einzelnen Person zu geben. Stadtratsbeschlüsse werden immer gemeinsam gefällt. Für die Keba war eine Projektdelegation mit verschiedenen Leuten zuständig. Auch Vertreter der Gemeinden Buchs, Suhr und des Betriebes waren immer dabei.

Aber Sie waren der Ressortvorsteher im Stadtrat.

Das stimmt. Es ist für mich heute schwierig nachzuvollziehen, ob, wann und wo ein Fehler passiert ist – denn auf die Akten habe ich keinen Zugriff mehr. Es gab sicherlich eine Gesamtstrategie, die wir gemeinsam getragen haben.

«Ich habe den Eindruck, der Stadtrat hat alle hinters Licht geführt»

«Ich habe den Eindruck, der Stadtrat hat alle hinters Licht geführt» («Talk Täglich»-Sendung vom 21. Februar 2017)

In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 diskutierten die Einwohnerräte Markus Hutmacher und Simon Burger mit stv-az-Chefredaktor Rolf Cavalli das Keba-Debakel. Die wichtigsten Momente im Zusammenschnitt.

Die zu kurz beantragten Öffnungszeiten gehörten zur Strategie?

Das kann ich heute nicht mehr sagen, aber aus den Protokollen müsste das ersichtlich sein.

Die SVP fordert eine Aufklärung. Begrüssen Sie das?

Das ist selbstverständlich. Wir wollten ganz bestimmt niemanden hinters Licht führen, sondern haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Aber wir waren auch unter Zeitdruck.

Warum?

Das Dach der alten Keba wurde als schadhaft eingestuft. Und die Störfallverordnung des Kantons nahm Anstoss am Ammoniak, mit dem die Keba betrieben wurde. Man hat uns jahrelang mit der Schliessung gedroht. Eine Totalsanierung stand dringend an.

Der Kanton hat Sie 2012/13 auf die Öffnungszeiten-Problematik aufmerksam gemacht. Ab dann war klar, dass es ein weiteres Baugesuch braucht. Hätte man mit dem Bau zuwarten sollen, bis alles geklärt ist?

Dieser Entscheid ist erst nach meiner Amtszeit gefallen. Fakt ist: Der Kanton hätte die Keba geschlossen, wenn die Stadt zugewartet hätte.

Und jetzt begehren die Nachbarn auf. Sie sagen, man ignoriere sie seit Jahren.

Das kann ich so nicht nachvollziehen, ich erinnere mich an sicher zwei Infoveranstaltungen mit den Anwohnern und Mitgliedern der Projektdelegation sowie den Standortbehörden. Es waren harte, aber faire Diskussionen. Und wir haben Zugeständnisse gemacht, etwa die Fussballplätze optimiert oder das Aussen-Eisfeld verschoben etc.

«Eine Katastrophe – vor allem für die Jungen»

«Eine Katastrophe – vor allem für die Jungen» (Tele M1-Beitrag vom 16. Februar 2017)

An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am Donnerstagnachmittag verkündeten die Verantwortlichen das Keba-Lichterlöschen. Im Beitrag von «Tele M1» sagen auch Einsprecher, worum es ihnen geht. (16.2.2017)

Haben Sie damit gerechnet, dass die Situation einmal derart eskaliert?

Nein. Wir haben uns 12 Jahre lang dafür eingesetzt, dass die Keba erneuert werden kann. Es gab einige Hürden, unzählige Sitzungen waren nötig und wir mussten das Geld bei Gemeinden der Region und weiteren Geldgebern einholen. Dazu die Kredite beim Einwohnerrat und beim Volk. Das war ein sehr wichtiges Geschäft. Als die Bagger für den Umbau auffuhren, habe ich mich gefreut. Ich wohne ja in der Goldern, also ganz in der Nähe. Dass die Keba steht und betriebsbereit ist, finde ich schön. Es ist ein gelungenes Werk. Wichtig ist, dass zugunsten unserer jugendlichen Sportlerinnen und Sportler eine tragfähige Lösung gefunden wird. Und dafür setzt sich mein Nachfolger Hanspeter Hilfiker ein.

Impressionen aus der Kunsteisbahn Aarau: