Gesundheit
Erstmals gibt es eine Kooperations-Apotheke im Spital – und das in Aarau

Das KSA eröffnet am 26. Januar 2017 die «Apotheke im Spital Aarau». Betrieben wird diese durch 31 Apotheken der Region, die sich zusammengeschlossen haben. Damit soll eine optimale Erstversorgung von austretenden Spitalpatienten geschaffen werden.

Nadja Rohner
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Sergio Baumann, Leiter Betrieb KSA, zeigt den 92 m grossen Raum im Gebäude 1, wo die Apotheke eingerichtet wird. Früher war hier die Patientenaufnahme. Chris Iseli

Sergio Baumann, Leiter Betrieb KSA, zeigt den 92 m grossen Raum im Gebäude 1, wo die Apotheke eingerichtet wird. Früher war hier die Patientenaufnahme. Chris Iseli

Chris Iseli

Wer schon mal im Spital war, kennt das wahrscheinlich: Man wird entlassen und bekommt zum Abschied ein Rezept für die Medikation in die Hand gedrückt. Damit geht man dann in irgendeine Apotheke, wo einem die Medikamente ausgehändigt werden – falls es vorrätig ist, sonst dauert die Bestellung noch ein paar Tage. Dieses Prozedere ist umständlich, aber nötig, denn Spitäler dürfen selber keine Medikamente abgeben.

Am Kantonsspital Aarau ist das nicht anders. Aber Besserung ist in Sicht: Am 26. Januar wird direkt neben dem Haupteingang eine Apotheke eröffnet. Sie soll die nahtlose Patientenversorgung garantieren. «Der Austritt soll eine Schnittstelle sein, keine Bruchstelle», sagt Fabian Vaucher, Verwaltungsratspräsident der neuen «Apotheke im Spital Aarau AG».

Deshalb richtet sich die neue Apotheke in erster Linie an Austrittspatienten, Patienten der Ambulatorien oder solche mit komplexen Therapien. Aber selbstverständlich steht sie auch für alle offen, die nur einen Hustensirup brauchen.

Besitzer sind Apotheker

Die Spitalapotheke wird durch alle 31 Apotheken im Raum Aarau, Lenzburg, Suhren- und unteres Wynental betrieben. Das gibt es in dieser Form nirgends in der Schweiz. Da die 25 Besitzer dieser Apotheken Aktionäre der neuen Spitalapotheke sind, kann die Konkurrenzsituation abgefedert werden.

Das ist nötig, weil auf einen Austausch von Know-how und Daten zwischen der Spitalapotheke und der externen Stamm-Apotheke des Patienten Wert gelegt wird. Und wer würde schon einem Konkurrenten wertvolle Patientendaten überlassen?

Für den Datenaustausch – selbstverständlich gesichert – ist eine Informatiklösung geplant. Er bringt den Ärzten und Apothekern Vorteile, aber auch den Patienten mehr Komfort und Sicherheit. Denn: Erfahrungsgemäss kann zwischen Spital, Apotheke und Hausarzt oder Altersheim schnell mal ein «Gnusch» bezüglich Medikation entstehen.

Die neue Apotheke führt die Spezialprodukte der Spitalpharmazie (siehe Text unten), einige freiverkäufliche Präparate zur Selbstmedikation, Kosmetik und rezeptpflichtige Medikamente. Es gibt hauptsächlich kleine Packungen.

«Die neue Apotheke wird nicht die Dauermedikation sicherstellen, sondern die Versorgung für die ersten zwei bis drei Wochen nach dem Austritt», sagt Verwaltungsrat Christian Göldlin (TopPharm Apotheke Göldlin, Aarau). «Danach sind die Stamm-Apotheken zuständig.»

Die Spitalapotheke ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet, rund um die Uhr. Das hat den Vorteil, dass ab Juli 2017 sämtliche Apotheken in der Region ihre Notfalldienste an die KSA-Apotheke delegieren können.

Mit anderen Worten: Wenn ein Lenzburger, Schöftler oder Bibersteiner künftig mitten in der Nacht ein Aspirin braucht, muss er zum KSA. Kostendeckend lässt sich der Notfalldienst wohl nicht betreiben, die 31 Apotheken zahlen eine Abgeltung. Aber immerhin fällt der Organisationsaufwand für die Notfalldienste weg und die Apotheker haben weniger Einsätze zu Unzeiten.

Visualisierung der Apotheke im Spital

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Visualisierung der Apotheke im Spital
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Zur Verfügung gestellt

Was macht die Spitalpharmazie?

Es gab auch bisher schon eine «Spitalapotheke» im KSA. Diese hat nun – nach über 50 Jahren – ihren Namen in «Spitalpharmazie» geändert, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Künftig arbeiten die beiden Institutionen eng zusammen.
Die Spitalpharmazie, geleitet von Richard Egger, ist für alle Medikamente innerhalb des Spitals zuständig. Ihre «Kunden» sind Ärzte und Pfleger.

Sie verantwortet den Medikamentenprozess bis in die Station, wo die Präparate dem Patienten verabreicht werden. Der Patient kann also nie selber direkt Medikamente von der Spitalpharmazie beziehen. Die Spitalpharmazie hat einen Jahresumsatz von 53 Mio. Franken. Sie gibt jedes Jahr 9,5 Millionen Einzeldosen heraus. Im gleichen Zeitraum wickelt sie die Verabreichung von 400 000 Litern Infusionslösung ab – genug, um ein kleines Schwimmbecken zu füllen.

Die Spitalpharmazie stellt auch selber Medikamente her, sogenannte Spezialprodukte. Das können zum Beispiel Salben sein, Beutel mit künstlicher Nahrung für Frühgeborene oder Fertigspritzen mit spezieller, auf Kinder abgestimmter Dosierung und Konzentration.

Eines der eigenen Präparate, Kapseln für Dialysepatienten, ist so erfolgreich, dass es mittlerweile ausserhalb in grossen Chargen hergestellt wird. Wenn Patienten längere Zeit mit solchen Spezialprodukten therapiert werden, ist es für sie als Verbraucher oft schwierig, diese zu bekommen – ihre Stammapotheke hat diese nicht vorrätig und kann sie höchstens beim KSA bestellen. Die neue Spitalapotheke hingegen führt alle diese KSA-eigenen Spezialprodukte. (NRO)

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