Niemand ist in die Aare gestürzt. Es gab nur etwa 500 Blessuren, wovon 25 Sportverletzungen (vom Typ Bänderriss), die im Spital behandelt werden mussten. Bis auf eine keine Schlägerei musste die Polizei nicht eingreifen.

Das Verkehrschaos blieb aus – weitaus am grössten waren die Fussgängerstaus. Und der OK-Präsident, Regierungsrat Alex Hürzeler, ist nicht Letzter geworden: Zusammen mit seinen Faustball-Kollegen von Oeschgen II schaffte er es auf Rang 15 (von 42). Die Geschäftsleitung des Eidgenössichen Turnfestes (ETF) hatte am Sonntag Abend allen Grund, zufrieden zu sein. «Das Einstiegswochenende war ein absoluter Erfolg», zog ETF-Geschäftsführer Stefan Riner Bilanz.

Aus Zelt in Zivilschutzanlage

Den Ausführungen von Kommunikationschef Marco Canonica war zu entnehmen, dass das OK am frühen Samstagabend einige bange Momente erlebte. Wegen des drohenden Gewittersturms hatte man bereis um 15 Uhr damit begonnen, kleine Zelte abzuräumen. Um 19.30 Uhr beschloss das OK, die Show des «National Danish Performance Team» (geplanter Beginn 20.30 Uhr) abzusagen und das Streetfood-Dörfli unter den Bäumen zu schliessen. Gegen Mitternacht mussten 55 Jugendliche vom Zeltplatz in eine Zivilschutzanlage umquartiert werden – sie waren völlig durchnässt. Aber auch wenn der Regen für kurz ein Stimmungskiller war, der ganz grosse Sturm blieb aus. «Wir hatten am Schluss Glück: Wir sind froh, dass nicht alles, was die Meteorologen erwartet hatten, nach Aarau gekommen ist», so Canonica.

Strum am Turnfest in Aarau: So wollen die Verantwortlichen ein zweites Biel verhindern

Strum am Turnfest in Aarau: So wollen die Verantwortlichen ein zweites Biel verhindern

Wegen des Unwetters musste das Eidgenössische Turnfest in Aarau am Samstagabend unterbrochen werden. Erinnerungen an den Sturm am Turnfest in Biel 2013 kamen auf, der gegen 100 Personen verletzte und ein Todesopfer forderte. Die Verantwortlichen sagen, mit welchen Massnahmen das 2019 verhindert werden soll.

Für das nächste Wochenende sind die Wetterprognosen vielversprechend – auch wenn wieder (Stand Sonntag Abend) mit einzelnen Gewittern gerechnet werden muss. Neben der Schlussfeier im Stadion Brügglifeld wird der Umzug (Samstag ab 10.30 Uhr) mit 50 Bildern und 4585 Teilnehmern (unter anderem Bundespräsident Ueli Maurer) einer der Höhepunkte sein.

Am ersten Wochenende wurden 150'000 Wettkampfminuten geleistet: Am nächsten werden es 350'000 sein. Alleine bei den Jugendwettkämpfen gab es 39'000 Resultate. Es nahmen schlussendlich über 22'500 Junge (plus 35 Prozent gegenüber Biel 2013) teil. Besonders eindrücklich war ihre Schlussfeier in der Turnfestarena im Schachen: Erstmals waren sämtliche 4000 Zuschauerplätze besetzt.

Sternstunde für Oliver Hegi

Moderator Michael Sokoll, vor allem aus seiner Zeit beim Schweizer Fernsehen bekannt, wechselte elegant zwischen Hochdeutsch, Schweizerdeutsch, Französisch und Italienisch und holte damit alle Sprachregionen ab. Am meisten stampfte und jubelte das Publikum, als Sokoll bei der Vorstellungsrunde den Gastgeberkanton Aargau ins Rampenlicht rückte.

Die Schlussfeier stand ganz im Zeichen der sportlichen Spitzenleistungen – und solche wurden live geboten. Jene Vereine, die in ihrer Kategorie die Höchstnote erreichten, führten ihre einstudierten Choreografien auf der Festbühne noch einmal auf. Die Zuschauer klatschten zu den Klängen von Hits wie «Maniac» oder «What a Feeling» animiert mit. Auf prominente Gastauftritte wurde dann aber doch nicht ganz verzichtet: Der frischgebackene Turnfestsieger Oliver Hegi aus Schafisheim und Turn-Star Giulia Steingruber (dieses Mal verletzungsbedingt nicht dabei) traten strahlend vor die Zuschauer und wurden frenetisch gefeiert. Beide zeigten sich «überwältigt von der Stimmung».

Eidgenössisches Turnfest in Aarau: die Schlussfeier der Jugend

Jugend-Schlussfeier

Die Schlussfeier am ersten Turnfest-Wochenende in Aarau wird von Jugendlichen für die Jugend gestaltet

«Ärgerlich, aber halb so schlimm»

Es gab am ersten Wochenende auch neben den Wettkampfplätzen Sieger und Verlierer. Zu Letzteren gehörten die Gastro-Anbieter, die wegen des Regens kein Freiluft-Geschäft machen konnten oder sogar ganz schliessen mussten. Sie nahmen es teils sportlich, wie «Rütihof»-Wirt Klaus Fetscher (65, Gränichen), der einen Flamm-Lachs-Stand betreibt: «Wir mussten um etwa 20 Uhr zumachen.

Das war etwas ärgerlich, aber eigentlich halb so schlimm. Lieber, man ist vorsichtig, als dass es Unfälle wie damals in Biel gibt.» Und Marta Pereira (45, Niederrohrdorf) von «Rudolf’s Knoblibrot» meinte: «Hoffentlich bleibt das Wetter jetzt gut!»