Seit gestern Morgen ist klar, welche Farbe die neue Aarebrücke in Aarau bekommen soll: Vertreter von Kanton, Stadt, Ingenieur- und Architekturbüro haben sich in den letzten Wochen intensiv mit der Frage beschäftigt und sich nun für ein Gelb-Braun-Grau entschieden. Der Entscheid fiel anhand eines Farbmusters vor Ort: Das Widerlager für die Hilfsbrücke, die derzeit erstellt wird, erhielt sechs verschiedene Beton-Oberflächen.

Schon 2017 liess der Kanton ein «Mockup» – ein Testobjekt – für den Neubau der Aarebrücke (Projektname: Pont Neuf) erstellen. Bei diesem Betonblock, der seither zwischen Pontonierhäuschen und Kettenbrücke steht, sind nicht nur die komplexen Winkel und Rundungen der neuen Brücke zu sehen, sondern eben auch mehrere Varianten der künftigen Farbe. Und diese gaben zünftig zu reden. 

In den Abstimmungsunterlagen zum Baukredit war nämlich die Visualisierung des Pont Neuf zu sehen, und darauf hatte die Brücke eindeutig eine gelbbraune Farbe. Der «Mockup» ist aber mausgrau; mal hell, mal dunkel. Das führte sogar schon zu politischen Vorstössen. Der Tenor: Man habe Ja gesagt zu einer Brücke in warmem, gelbbraunem Farbton, nicht zu einer in profanem Grau.

Mehr Farbpigmente verwendet

«Auch wir waren nicht zufrieden mit dem Versuch», sagt Projektleiter Roberto Scappaticci vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Deshalb hat der Kanton beim Betonieren des Widerlagers für die Hilfsbrücke einen erneuten Farb-Versuch veranlasst. Dem Beton wurden mal keine Farbpigmente beigemischt, mal 0,3 und mal 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Beim «Mockup» sind es 0,25 Prozent.

Zusätzlich wurden die sägerohen Schalungsbretter bei der Hälfte der Flächen nicht nur mit Schalungsöl, sondern zusätzlich mit Zementmilch, einer Mischung aus Zement und Wasser, behandelt. Das Schalungsöl sorgt unter anderem dafür, dass die Oberfläche homogener wird. «Es ist eine Laborübung», scherzt Scappaticci.

Am Schluss sei man sich einig gewesen, dass die Variante «0,5 Prozent Farbpigmente plus Zementmilchbehandlung» dem gewünschten Ergebnis am nächsten komme, so Scappaticci. «Beton ist ein Naturprodukt, die Farbe darf deshalb nicht zu künstlich wirken. Sonst hätten wir die Brücke ja auch gleich anmalen können.»

Deutlich intensiver würde die Färbung ohne die Zementmilch-Behandlung – das ist am neuen Muster gut ersichtlich. Aber: «Zu braun, zu dunkel», findet Vizestadtpräsident Werner Schib, verantwortlich fürs Ressort Tiefbau, diese Variante. «Die Aarauer wollen keine graue Brücke, aber sie wollen sicher auch keine dunkelbraune Mauer», sagt er. «Die jetzt ausgewählte Farbe ähnelt dem Muschelkalk beim Widerlager der alten Brücke. Mir gefällt ausserdem, dass die Oberfläche nicht glatt ist, sondern dass die Struktur der schmalen Schalungsbretter gut erkennbar bleibt.»

Besichtigung nur auf Anfrage möglich

Das neue Farbmuster wird aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugänglich sein, weil es direkt im Baustellenbereich liegt. Man kann sich beim Kanton aber für eine Gruppenführung anmelden. Ausserdem muss der Unternehmer, der die neue Brücke baut – die Submission läuft noch eine Woche – vor dem definitiven Neubau nochmals ein «Mockup» analog zu dem bisherigen erstellen.