Küttigen
Erster blinkender Zebrastreifen im Aargau warnt Autofahrer

Küttigen hat den ersten blinkenden Fussgängerstreifen. Solarbetriebene LED-Leuchten machen das Überqueren der Hauptstrasse sicherer – tagsüber als auch nachts. Trotzdem gilt für alle Fussgänger: «Warte, luege, lose, laufe.»

Katja Schlegel
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In Küttigen sollen Blinklichter für mehr Sicherheit sorgen, der Kanton bevorzugt andere Massnahmen.Voellmy

In Küttigen sollen Blinklichter für mehr Sicherheit sorgen, der Kanton bevorzugt andere Massnahmen.Voellmy

Christoph Voellmy

Marschiert ein Fussgänger auf der Höhe Schulhausweg zum Zebrastreifen, der über die Küttiger Hauptstrasse führt, fangen zehn solarbetriebene LED-Lämpchen an zu blinken. Sechs im Strassenbelag, vier oberhalb der Fussgängertafel. Egal ob bei strahlendem Sonnenschein, während eines Platzregens oder in stockdunkler Nacht.

Die Küttiger Sicherheitsbeleuchtung ist ganz neu und die erste fussgängeraktive im Kanton. Zwar gibt es seit wenigen Wochen auch in Gränichen einen beleuchteten Fussgängerstreifen; dieser reagiert aber nicht auf Bewegung und leuchtet nur nachts.

«Blinkt eine Lampe, ist der optische Effekt stärker», ist Patrik Strahm überzeugt. Der Solothurner Kantonspolizist hat die Anlage mitentwickelt und Anfang Juli eingebaut.

Die ersten Reaktionen aus der Bevölkerung seien positiv ausgefallen, sagt Gemeinderat Max Wehrli. «Dieser Fussgängerstreifen ist ein Hotspot, der von vielen Kindern überquert wird.»

Es sei höchste Zeit geworden, hier etwas für die Sicherheit zu tun; über mehrere Jahre habe man mit dem Kanton um eine Verbesserung der Situation mittels Lichtsignalanlage gerungen, ohne Erfolg.

Jetzt – die Hauptstrasse wurde eben ins Eigentum der Gemeinde übertragen – hat der Gemeinderat das Heft kurzerhand selbst in die Hand genommen und die LED-Leuchten für rund 24 000 Franken installieren lassen. «Der Kanton ist von unserem Vorgehen nicht begeistert, aber für uns hat die Sicherheit der Kinder Vorrang», sagt Wehrli.

Der Fussgängerstreifen unterhalb der Schule sei nicht sehr übersichtlich und der Verkehr nach wie vor gross. «Die Entlastung des Dorfes durch die Umfahrung ist nicht so stark ausgefallen, wie ursprünglich prognostiziert», sagt Wehrli weiter. Wer mit einem Navigationsgerät fahre, werde noch immer mitten durchs Dorf geleitet.

Strahm hat die blinkende Anlage bereits vor rund zwölf Jahren nach einer Reise nach Los Angeles entwickelt. Dort hatte er ähnliche Anlagen gesehen. 2004 hat er sein Testobjekt dem Bundesamt für Strassen (Astra) präsentiert, aber einen Korb bekommen.

Der Grund: Das Astra war gegen blinkende Signale an Fussgängerstreifen. Nach der schweizweiten Zunahme von Unfällen auf Fussgängerstreifen 2011 hat Strahm die Testanlage wieder ausgegraben und weiter optimiert.

Für den Vertrieb und die Weiterentwicklung gründete er gemeinsam mit Max Studer die Firma Mapa Schweiz GmbH. Eine Pilotanlage wurde 2012 in Dulliken in Betrieb genommen; Strahm – seit 2005 Gemeinderat in Dulliken – hat der Gemeinde die Referenzanlage über die Mapa Schweiz GmbH kostenlos zur Verfügung gestellt.

Nebst Küttigen hätten bereits weitere Aargauer Gemeinden Interesse angemeldet. «Die Anlage soll in erster Linie den Automobilisten helfen und sie auf die Fussgänger aufmerksam machen», so Strahm.

Die Fussgänger seien aber mit dem aktiv beleuchteten Fussgängerstreifen keinesfalls aus der Pflicht entlassen. «Trotz Blinklicht gilt für alle Fussgänger der alte Spruch: Warte, luege, lose, laufe.»