Konzert

Erster Auftritt der Suhrer Dorfschreiber – schade nur, dass Leermond war

Mit Grossleinwand und supponiertem Mond (v. l.): Pius Schürmann, Rolf Lenzin, Sabine Hochstrasser und Renata Friederich.

Mit Grossleinwand und supponiertem Mond (v. l.): Pius Schürmann, Rolf Lenzin, Sabine Hochstrasser und Renata Friederich.

Das Konzert der «Honeymoaners» unter dem Motto «Guarda che luna!» richtete sich an die romantisch-witzigen Gemüter. Halb Suhr kam zum Sommernachtsfest – im Gegensatz zum Mond.

Eine schlechte Nachricht vorweg: Der Mond liess sich – was absehbar war – nicht blicken. Leermond, da war nichts zu machen. Die beiden Suhrer Dorfschreiber Renata Friederich und Rolf Lenzin mit ihrer vierköpfigen Band The Honeymoaners (nicht etwa Honeymooners) waren daher auf eine Hilfskonstruktion angewiesen. Schliesslich hatten sie ihr Programm «Guarda che luna» betitelt. So war eben der fröhliche Mond, der über ihren Köpfen in die laue Spätsommernacht hinausleuchtete, ein Lampion – und bei genauerer Betrachtung erst noch eine Sonne.

«Guarda che luna, guarda che mare» – «unser zweitromantischstes Lied», wie Leadsängerin Renata Friederich sagte – war ein wenig modellhaft für das ganze Konzert: ein Schmachtfetzen, ob dem sich unter Umständen jedes Haar sträuben könnte. Das Augenzwinkern, mit dem The Honeymoaners alles unterlegten, verhinderte jederzeit unwillkürliche körperliche Reaktionen dieser Art. Wer vor einem Vierteljahrhundert schon die Milde Sorte gekannt hatte, auf welche The Honeymoaners zurückgehen, hatte auch nichts anderes erwartet. Das Parodistische, der Spass an all diesen alten Nummern bis hin zu Jazzstandards aus den Dreissigerjahren ist die Triebfeder. Das Schmunzeln Rolf Lenzins bei den Chörli-Einlagen verscheuchte da jeden Zweifel.

«The Honeymoaners» mit «Ganz Paris träumt von der Liebe» nach Caterina Valente

«The Honeymoaners» mit «Ganz Paris träumt von der Liebe» nach Caterina Valente

Pius Schürmann (Gitarre), Rolf Lenzin (Perkussion), Renata Friederich (Gesang), Sabine Hochstrasser (Geige). Lenzin und Friederich sind die aktuellen «Suhrer Dorfschreiber».

«Schau, was für ein Mond, was für ein Meer!» Die Klage des einsamen Liebenden hat der italienische Swing-Sänger Fred Buscaglione 1959 eingespielt. «Vorrei morire – ich möchte sterben» – in dieser Zeile spitzt sich das Gefühlsdrama theatralisch zu. Ein Jahr später war Buscaglione tot, erst 38-jährig. Frühmorgens war er mit seinem Ford Thunderbird in Rom gegen einen Lastwagen gedonnert.

In jeder Jahreszeit ein Konzert

The Honeymoaners, das sind zwei befreundete Paare: zum einen die Dorfschreiber Renata Friederich (Gesang) und Rolf Lenzin (Perkussion), zum andern die Geigerin Sabine Hochstrasser und der Gitarrist Pius Schürmann. Gut und gerne 150 Interessierte hatten ihretwegen den Garten von Geigenbauer Mark Wilhelm an der Bachstrasse sozusagen friedlich besetzt. Während die Musik sie in die Ferne, in warme Feriengefilde entführte, blieb im Kontrast dazu Suhr visuell präsent: Über eine Grossleinwand (und den vom Beamer ebenfalls anvisierten) Pius Schürmann flimmerten bewegte Bilder aus dem Dorf. Die Dorfschreiber waren mit ihren Velos fast durch jedes Gässlein gefahren und hatten mit dem Handy gefilmt, «wie Google-Earth-Autos», sagte Rolf Lenzin. Vier Konzerte, je eines pro Jahreszeit, sind geplant. Beim Herbst-Gig am 22. Oktober, 20 Uhr in der Scheune gegenüber dem Galeggenhof, werde der visuelle Hintergrund wieder ganz anders sein, kündigte Lenzin an.

Übrigens: Wäre nicht ein Unfall dazwischengekommen, hätte das Suhrer Dorfschreiberpaar seinen ersten Auftritt an einem verregneten Augustabend gehabt. In der Aula des Feldschulhauses wäre alles nie so romantisch gewesen wie auf der Geigenbühne. Und den Vollmond hätte man hinter den Regenwolken auch nicht gesehen.

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