Gemeindefusion

Erste Bedenken aus Entfelden zum Zukunftsraum Aarau

Das Podium der FDP im Hotel Aarau-West zog viele Zukunftsraum-Interessierte an.

Das Podium der FDP im Hotel Aarau-West zog viele Zukunftsraum-Interessierte an.

Der Zukunftsraum war Thema eines gut besuchten Podiums der FDP Unter- und der FDP Oberentfelden. Dabei wurden auch die Sorgen des Publikums besprochen.

«Es ist ruhig, man hört nichts» – wenn Markus Bircher, Gemeindeammann von Oberentfelden, jeweils zur Stimmung in der Gemeinde betreffend Zukunftsraum gefragt wurde, konnte er bisher nicht mehr erzählen als das. «Heute kann ich sagen, dass es zum Glück anders aussieht», sagte er. Zu diesem Zeitpunkt hatten zwei FDP-Exponenten während eineinhalb Stunden ihre Erfahrungen mit bereits erfolgten Gemeindefusionen dargelegt. Vor allem aber hatten die knapp 60 Publikumsgäste im Hotel Aarau-West einige kritische Fragen zum Zukunftsraum gestellt.

Der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker, der eigentlich nur als Beobachter im Publikum sass, beantwortete mehrere Detailfragen zur möglichen Grossfusion, darunter etwa wie es mit den Schulstandorten aussehen würde. Viele Fragen betrafen auch die Erfahrungen von Rohr, das sich vor zehn Jahren Aarau angeschlossen hatte. Dafür war Regina Jäggi, Rohrs letzte Gemeindeammann und nach der Fusion Aarauer Stadträtin, als Podiumsrednerin eingeladen.

Keine Rohrer Identitätskrise 

Grob gesehen habe Aarau Bauland erhalten und Rohr seine Finanzen geregelt, hiess es. Rohr habe heute einen Drittel mehr Einwohner als 2010, die lokalen Vereine hätten sich stabilisiert. Zu einer Rohrer Identitätskrise sei es nicht gekommen, «aber dafür muss man auch etwas tun», sagte Regina Jäggi und erwähnte den Rohrer Stadtteilverein, der mit der Fusion gegründet wurde.

Peter Weber, Gemeindepräsident der Fusionsgemeinde Mettauertal, sprach von zwei Identitäten, die dort alle nun in sich tragen. «Das hat funktioniert», sagte er, trotz der grossen Skepsis vor der Fusion. «Wir haben geschaut, dass die Ortsteile ihre Wappen und Identitäten behalten», gleichzeitig sei viel gemacht worden, um die Integration untereinander voranzutreiben.

«Schutzmauern oder Windmühlen – was wollt ihr?»

Weitere Sorgen des Publikums betrafen eine womöglich «anonyme Stadtverwaltung», bei der man niemanden mehr kennt. Dazu die künftig sehr hohe Referendumshürde – zehn Prozent der Stimmberechtigten seien bei 45'000 Einwohnern sehr viele Unterschriften – und den parteipolitisch geprägten Einwohnerrat im Vergleich zur den volksnahen Gemeindeversammlungen.

Auf die Frage, ob es negative Fälle gibt von Gemeindefusionen, konnte Peter Weber nur sagen, dass laut Analysen alle Gemeinden nach einer Fusion finanziell besser dastanden. «Nur Geld sparen ist für mich aber der falsche Ansatz», gerade beim Zukunftsraum Aarau: «Ihr könnt Raum und Verkehr gemeinsam planen, das ist eure grösste Chance.» Eine Fusion sei nicht per se gut oder schlecht. Wichtig sei, was man daraus mache. «Wenn der Wind der Veränderung bläst, bauen die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen. Eure Entscheidung wird sein, was ihr bauen wollt.»

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