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Erste Anlaufstelle für Kids: Was machen die Schulsozialarbeiter genau?

«Würdet ihr dieses Bild online stellen?», fragt Mirjam Malitius drei Schüler. Präventionsarbeit wie diese Schulungslektion ist ein wichtiger Teil der SSA.

«Würdet ihr dieses Bild online stellen?», fragt Mirjam Malitius drei Schüler. Präventionsarbeit wie diese Schulungslektion ist ein wichtiger Teil der SSA.

Mehrere Gemeindeversammlungen in der Region stehen vor dem Entscheid, die Pensen für die Schulsozialarbeit zu erhöhen. Die Gemeinden sind gespalten.

In Auenstein wird bald die Schulsozialarbeit (SSA) an der Primarschule eingeführt. Im mittleren Wynental fordert Schulpflegepräsidentin Christine Hächler dringend eine Stellenerweiterung der SSA. Auch in Kölliken diskutiert man über mehr Stellenprozente. Ob die Pensen erweitert werden, entscheiden die Gemeinden an ihren jeweiligen Herbstversammlungen.

Die Meinungen sind gespalten. In Kölliken ist der Gemeinderat aufgrund der angespannten finanziellen Lage kritisch gegenüber der Stellenerweiterung. In Oberkulm ist der Gemeinderat gar gegen eine Aufstockung der Schulsozialarbeit. Doch was macht ein Schulsozialarbeiter überhaupt? Die az hat zwei bei ihrer Arbeit begleitet.

«Wer von euch hat kein Handy?», fragt Mirjam Malitius die Schülerinnen und Schüler der ersten Sek-Klasse von Joachim Hörner. Ein einziger Knabe streckt auf. Er ist einer der rund 80 Schüler der Regionalschule Lenzburg, welche die Schulsozialarbeiter Mirjam Malitius und Pascal Kurath im Umgang mit neuen Medien schulen.

Noch vor einigen Jahren wäre ein Kurs über den Umgang mit neuen Medien schwierig durchzuführen gewesen. «Während der Pilotphase von 2008 bis 2011 war die Schulsozialarbeit mit 70 Stellenprozenten knapp bemessen. Darunter litt vor allem die Präventionsarbeit», sagt Schulleiter Edgar Kohler. Deshalb wurde die Schulsozialarbeit auf 160 Stellenprozente ausgebaut. Die Kosten trägt die Stadt, der die Schulsozialarbeit unterstellt ist.

«Wir würden uns wünschen, dass der Kanton mehr zahlt. So bleibt alles an den Gemeinden hängen», sagt Mirjam Malitius, zuständig für das Schulhaus Lenzhard. Sie verabschiedet sich von der Klasse und öffnet die Tür zu ihrem Büro. An der Wand hängt ein Barometer, das verschiedene Stadien der Wut zeigt, vier rote Stühle stehen in einem Halbkreis. «Hier finden die Beratungen statt.»

Auf einem Regal an der Wand stehen Plastikfigürchen. «Wenn Schüler Schwierigkeiten haben sich auszudrücken, lassen wir sie eine Situation nachspielen.» Die Gründe für ein Gespräch mit der Schulsozialarbeit sind unterschiedlich. Häufige Themen sind Mobbing, Streit in der Familie, Liebeskummer.

«In dem Alter passiert bei Jugendlichen sehr viel. Sie verändern sich, werden erwachsen. Da kann auch die Scheidung der Eltern, die Jahre zurückliegt, zum Problem werden.» Das äussere sich nicht selten in Schwierigkeiten in der Schule. Einige würden auch eine Essstörung entwickeln oder sich selbst verletzten. Dann seien die Schulsozialarbeiter oft die erste Anlaufstelle, so Kollege Pascal Kurath.

Schule dankbar um SSA

«Viele unserer Schülerinnen und Schüler wachsen in einem schwierigen Umfeld auf», sagt Schulleiter Edgar Kohler. Die Situation sei heute anders als vor zehn, zwanzig Jahren. Die zunehmenden gesellschaftlichen Probleme würden auch die Schüler des Lenzhard tangieren. «Da ist es gut als Schulleiter mit diesen Problemen nicht alleine zu sein.» Die Schulsozialarbeit sei zu einer unverzichtbaren neutralen Stelle geworden.

Probleme werden früher erkannt

Auch Lehrer wenden sich vermehrt an die Schulsozialarbeiter. Im letzten Jahr sei vor allem das Sozial- und Leistungsverhalten in der Klasse wieder zu einem grossen Thema geworden, sagt Mirjam Malitius. «Die Schule ist heute darauf sensibilisiert, Probleme frühzeitig wahrzunehmen.» Das sei positiv. Je früher man ein Problem erkenne, desto leichter könne man es lösen.

Viele Schüler werden von einem Lehrer für ein Erstgespräch bei der Schulsozialarbeit angemeldet. Oft kämen Jugendliche und Kinder aber auch von sich aus. «Die Tür steht immer offen», so Malitius. Vor ein paar Tagen beispielsweise sei ein Mädchen völlig aufgelöst zu ihr gekommen, weil es einen schlimmen Streit hatte. «Am nächsten Tag hat sie sich bei mir bedankt. Das Gespräch habe ihr sehr geholfen. Der Streit war vergessen.» Die Schulsozialarbeit habe den Vorteil eines sehr unkomplizierten Beratungssystems vor Ort.

Andere Fälle sind gravierender und brauchen viel Zeit und Engagement. Mit den Präventionsmassnahmen will man sensibilisieren und Problemen vorbeugen. Gerade die Schulung im Umgang mit Instagram, Whatsapp und Co. sei dabei essenziell. Mirjam Malitius: «Konflikte werden heute vermehrt im Netz ausgetragen. Es kommt oft zu Mobbing und Beleidigungen über Whatsapp.»

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