Wer gehofft hatte, Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker nutze seine Ansprache am Bankett, um eine Good-News-Bombe in Sachen Stadion fallen zu lassen, wurde enttäuscht.

So erfuhren die Zuhörer nichts Näheres über den vom Regierungsrat zwar gefällten, aber vorerst zur Geheimsache erklärten Entscheid über die Genehmigungsfähigkeit der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Diese ist für den Stadionbau zentral.

Immerhin verkündete Hilfiker, dass die Stadt letzte Woche eine Stimmrechtsbeschwerde in Sachen Station vor Bundesgericht gewonnen habe. Gefreut haben dürfte das auch FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid, der mit seiner Frau Trudi gestern Ehrengast des Stadtrats war.

Hilfiker blickte auf das bereits sehr ereignisreiche Jahr zurück – Einweihung des Aeschbachquartiers, Spatenstich Alte Reithalle, Eidgenössisches Turnfest, Fast-Aufstieg des FC Aarau – und betonte: «Insgesamt ist erstaunlich, was wir in unserer häufig als beschaulich oder kleinstädtisch umschriebenen Stadt und Region zustande bringen.»

Hinter fast all diesen Meilensteinen stünden Initianten, die freiwillig ein Projekt anstossen, weitertreiben, umsetzen, so der Stadtpräsident. Erfolgsentscheidend seien Engagement, Durchsetzungsvermögen, das Miteinander – und Ausdauer. «Gut Ding will Weile haben … Wir kennen das in Aarau sehr gut und wissen, damit umzugehen.» (nro)

Lesen Sie hier die Rede von Hanspeter Hilfiger im Wortlaut:

"Liebe Aarauerinnen und Aarauer,
liebe Gäste, liebe Festgemeinde

Es freut mich, dass ich Sie, nach dem Schlechtwetterprogramm im letzten Jahr, heute bei besten Bedingungen hier auf der Schanz zum Maienzug-Bankett 2019 begrüssen darf.

Ganz besonders begrüssen möchte ich Landammann Urs Hofmann mit seiner Frau Monika, die weiteren Mitglieder der Kantonsregierung mit ihren Partnerinnen, die Mitglieder des Grossrats des Kantons Aargau wie auch die Vertreterinnen und Vertreter unserer Nachbargemeinden und der kantonalen Verwaltung, Betriebe und Gerichte.

Ein besonderer Gruss geht an unseren Festredner in der Telli, Florian Inhauser, der uns wieder einmal gezeigt hat, wie erfolgreich Aarauer in der weiten Welt sind und wie gerne sie sich an ihre Aarauer Zeit erinnern. – Vielen Dank, Florian Inhauser, für die stimmungsvolle Ansprache.
2019 – was war das bisher für ein Jahr!

Schon im Januar durften wir den besten Rechnungsabschluss seit vielen Jahren verkünden;
Im Frühling ist dann die letzte Bestatter-Staffel über die Bildschirme gegangen und hat Aarau noch einmal zum Fixpunkt des Schweizer Fernsehpublikums gemacht, zumindest am Dienstagabend;

Im April durften wir mit dem Aeschbach-Areal ein neues Quartier eröffnen, mit vielen hundert begeisterten Besucherinnen und Besuchern;

Bis Anfang Juni hat dann der FC Aarau die ganze Region in ein regelrechtes Aufstiegsfieber geführt;

Mitte Juni hat der Frauenstreik in Aarau tausende von Frauen und Männern auf die Strasse gelockt, wo sie sich für berechtigte Anliegen eingesetzt haben;

Und dann hat das Eidgenössisches Turnfest alle Erwartungen übertroffen und Aarau im ganzen Land in bestem Licht als DIE Feststadt präsentiert, mit zehntausenden von aktiv Turnenden und von Besucherinnen und Besuchern;

Schliesslich konnten wir letzte Woche den Spatenstich für die Alte Reithalle durchführen, einem Kulturhaus, das – da bin ich überzeugt – weit über unsere Stadt und Region hinaus positiv ausstrahlen wird. 

Insgesamt ist doch erstaunlich, was wir in unserer häufig als beschaulich oder kleinstädtisch umschriebenen Stadt und Region zu Stande bringen.

Hinter all diesen Meilensteinen stehen, vielleicht mit Ausnahme des Rechnungsabschlusses, Initiantinnen und Initianten, die freiwillig eine Idee lancieren, ein Projekt anstossen; die mit grossem Engagement ihr Projekt weitertreiben; Freundinnen und Freunde mitreissen; vielleicht einen Verein gründen und schliesslich gemeinsam mit anderen Organisationen und mit der öffentlichen Hand ihr Projekt umsetzen.

Engagement, Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen, aber auch Freude am Projektieren, am Miteinander, an der Vision sind entscheidend für den Erfolg. Und natürlich Ausdauer, denn keines der erwähnten Projekte realisierte sich von heute auf morgen:

Das Eidgenössische Turnfest z. B. wurde 2011 mit der Bewerbung der Stadt Aarau lanciert; im Aeschbach-Areal hat Mobimo 2002 die ersten Landkäufe getätigt und erste Planüberlegungen angestellt; und auch die Alte Reithalle hat eine über 10-jährige Geschichte. – Gut Ding will Weile haben… Wir kennen das in Aarau sehr gut und wissen, damit umzugehen.

Der Maienzug 2019 in Aarau mit dem Umzug durch die Stadt, der Feier im Telliring und dem Bankett in der Schanz. Aufgenommen am 5. Juli 2019 in Aarau. Im Bild: Die Morgenfeier im Telliring.

Impression von der Morgenfeier im Telliring.

Der Maienzug 2019 in Aarau mit dem Umzug durch die Stadt, der Feier im Telliring und dem Bankett in der Schanz. Aufgenommen am 5. Juli 2019 in Aarau. Im Bild: Die Morgenfeier im Telliring.

Ich bin – mit dem Stadtrat – deshalb zuversichtlich, dass wir auch bei einem weiteren, bereits jahrzehntealten Projekt, auf dem richtigen Weg sind: beim Stadion für den FCA. Wenn es um freiwilliges Engagement, Beharrlichkeit und Ausdauer geht, dann hat der FCA mit all seinen Organen, Vereinen und Mannschaften ein besonderes Lob verdient. Seit über 20 Jahren planen und entwickeln wir gemeinsam an einer neuen Bleibe für unseren FC.

Die letzte Saison hat uns in unserem Vorgehen bestärkt: Die Euphorie, die durch die ganze Stadt und Region ging, als der FCA nach missglücktem Start, nach einem eindrücklichen Turnaround und mit stabilen Erfolgen doch noch die Barrage erreicht hat, war beeindruckend: Es wurde für alle ersichtlich, dass keine andere Sportart eine derartige Stimmung erzeugen kann: Grösste mediale Aufmerksamkeit, 8000 Besucherinnen und Besucher im Brügglifeld und die ganze Stadt auf den Beinen. – Schade, dass es nicht geklappt hat; aber wir wissen: Beharrlichkeit und Ausdauer werden uns hoffentlich bald in die Super League führen und mit gut überlegten nächsten Schritten auch zu einem neuen Stadion im Torfeld Süd verhelfen.  

Als Zeichen der Anerkennung für seinen jahrzehntelangen Einsatz für einen Sportverein, der für die Region enorm wichtig ist, Ausstrahlung hat und vielen Jugendlichen Motivation bietet, haben wir deshalb an diesen Maienzug Alfred Schmid und seine Frau Trudi als Ehrengäste des Stadtrats eingeladen. – Alfred Schmid ist in der Region aufgewachsen, hat sich als Gewerbetreibender und Geschäftsmann immer in der Region und für die Region engagiert. Er hat 2007 das Präsidium der FC Aarau AG übernommen und trotz Hochs und Tiefs seinen Kurs beibehalten und seine Unterstützung geleistet. – Vielen Dank, Dir, Alfred, für Deinen unermüdlichen Einsatz für den Fussball und für den Sport in unserer Region. Danke auch für die gute Vorbereitung der Übergabe deines Amtes an Deinen Nachfolger, Philipp Bonorand, im kommenden Jahr. – Euch beiden, wie dem gesamten FCA-Team, wünsche ich alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Das Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern:

Zurück zur Stadt und zu unseren städtischen Projekten. Natürlich habe ich mich in den letzten paar Minuten vor allem auf die erfolgreichen Arbeiten konzentriert. Der Maienzug ist auch nicht der Ort, um zu jammern, sei es über Stimmrechtsbeschwerden, über Sammeleinsprachen oder über Bussen. Ich kann Ihnen allen aber versichern, dass sich der Stadtrat weiterhin mit Beharrlichkeit und Ausdauer allen Herausforderungen stellen wird. In diesem Sinne bleiben wir gespannt auf die kommenden Entscheidungen, sei es im Einwohnerrat, von kantonalen Stellen, von Gerichten oder bei Volksabstimmungen. Natürlich freuen wir uns immer wieder über Bestätigungen unseres Kurses, etwa über die Abweisung einer weiteren Stimmrechtsbeschwerde vom Bundesgericht in Sachen Stadion, die Anfang Woche im Rathaus eingetroffen ist. Wir sind zuversichtlich, dass es so weitergeht…

Am Maienzug wollen wir aber nicht zu politisch werden. Wichtig ist mir:
Wir sind als Stadt Aarau gut unterwegs, wir haben im ersten Halbjahr positive Akzente setzen können, in der Stadt, im Kanton, im ganzen Land; und wir können uns auf weitere spannende Initiativen und Aktivitäten freuen, die gemeinsam zwischen Stadt, Kanton und der Bevölkerung angestossen und umgesetzt werden. Vom baldigen Spatenstich zur Pont Neuf, über Initiativen zur Quartierentwicklung bis hin zu Standortevaluationen von Schulhäusern.

Es bleibt mir, all jenen zu danken, die wie jedes Jahr zum Gelingen unseres Festes und unseres Banketts beigetragen haben. Ich danke

  • den Männern und Frauen des Werkhofs für die saubere Stadt
  • der Polizei für die Gewährleistung der Sicherheit
  • den Verantwortlichen des Vereins "Maienzug Vorabend"
  • den Schulen, den Lehrerinnen und Lehrern, den Schulleiterinnen und Schulleitern sowie allen Kindern und Jugendlichen für ihr Engagement
  • den Musikkorps für die musikalische Begleitung von Umzug und Festplätzen
  • den Blumenfrauen für die wunderschön geschmückten Brunnen und Tore
  • den Gestalterinnen und Gestaltern des Maienzug-Programms und der Morgenfeier
  • und natürlich der Maienzugskommission unter Leitung meiner Stadtratskollegin Suzanne Marclay-Merz, die den Maienzug in seiner Tradition pflegt und gleichzeitig die laufende Erneuerung sicherstellt. In diesem Jahr mit einem schon rege genutzten Vegi-Menu, mit Neuerungen im Food Bereich im Schachen und mit dem neuerlichen Festbetrieb heute Abend auf der Schanz. – Herzlichen Dank allen.

Nun will ich nicht länger werden. – Ich bin froh, dass die Lautsprecheranlagen diesmal funktioniert haben, danke noch einmal unseren besonderen Gästen, Florian Inhauser und Alfred und Trudi Schmid für die gemeinsame Zeit, wünsche allen eine erholsame Sommerzeit und stosse schliesslich gerne mit ihnen allen auf einen wunderschönen Maienzug 2019 an. – En schöne Maiezog."

Maienzug 2019: die Morgenfeier im Video

Maienzug 2019: die Morgenfeier im Video

Eine Wahnsinns-Stimme, Tänze in der Hitze und ein Tagesschau-Moderator als Festredner: Sehen sei die Highlights der Morgenfeier im Video.

Die Bilder vom Maienzug am Freitagmorgen: