Aarau

Erst die Blumenfrauen machen den Maienzug zu dem, was er ist

Rund 100 Helferinnen kümmern sich in den Stunden und Tagen vor dem Zapfenstreich um den Blumenschmuck. Sie schneiden Grünzeug in den eigenen Gärten, binden Girlanden und arrangieren Gestecke, hüllen Brunnen und Denkmäler in festliche Blumenkleider.

Barbara Briner steht vor dem Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Kirchplatz und legt den Kopf schief. «Noch etwas mehr nach links», ruft sie den drei Frauen zu, die den Kranz im Trog positionieren. Dann nickt sie zufrieden und lächelt. «Der Brunnen sieht jedes Jahr anders aus, aber er ist jedes Mal wunderschön.» Es ist Donnerstag, kurz vor Mittag. Nur noch wenige Stunden bis zum Zapfenstreich.

Barbara Briner und ihre drei Kolleginnen sind vier von fast 100 Frauen, die in den Stunden und Tagen vor dem Maienzug im Einsatz stehen – und am Montagmorgen alles wieder aufräumen.

«Drei Meter pro Stunde»

Rückblick: Es ist Mittwochmorgen, in der Werkhofhalle Nummer 9 riecht es wie in einem frisch verregneten Wald. Nach Harz, nach nasser Erde. Zweiglein von Tanne, Buchs und Frauenmänteli liegen auf den Tischen, dazwischen Thuja, Efeu und ein bisschen Perückenstrauch. Mit Draht binden die Frauen das Grünzeug büschelweise um dicke Seile. Zentimeter für Zentimeter, Meter für Meter wachsen die Girlanden. Rund 100 Meter müssen die Frauen insgesamt vorbereiten.

Die Geschwindigkeit? «Rund drei Meter pro Stunde», schätzt eine der Blumenfrauen. Je nach Technik. Während sich die einen die Girlande auf einer Festbank zurechtlegen und im Sitzen binden, klemmen die anderen sie zwischen die Beine und arbeiten stehend.

Blumen sucht man noch vergeblich

Blumen sucht man in dem ganzen Grünzeug noch vergeblich. Die holt Sandra Hess, Mitglied der Maienzugkommission und seit vier Jahren oberste Blumenfrau, erst am frühen Mittwochabend; gemeinsam mit zwei Werkhofmitarbeitern wuchtet Hess kesselweise Schnittblumen auf die Ladefläche eines Lastwagens.

Zehn Palette hat die Vinzenz Meier AG bereitgestellt; Blumen im Wert von 3500 Franken. «Dieses Jahr sind sie etwas teurer», sagt Hess. Nach diesem garstigen Frühling müssten die Blumenhändler ihre Ware vermehrt im Ausland einkaufen. «Aber wunderschön sieht es aus, nicht?», sagt Hess und blickt auf die Blumenwiese auf der Ladefläche.

Schmücken ohne nasse Füsse

Im Abfluss gurgelt das Wasser. Damit die Blumenfrauen den Gerechtigkeitsbrunnen ohne nasse Füsse schmücken können, muss das Wasser abgelassen werden. Vor dem Brunnen am Boden liegen die Blumen in Rosa, Violett und Gelb; Gerbera, Rosen, Schleierkraut, Rittersporn. Es ist früher Donnerstagmorgen, es nieselt.

Marianne Roths Laune kann das nicht trüben. «Das Brunnenschmücken ist eine schöne Einstimmung auf den Maienzug, für mich hat das eine grosse Bedeutung», sagt sie und drückt ein Blatt nach dem anderen in den Steckschaum. Roth darf jeweils den Brunnenschmuck entwerfen, und dieses Jahr soll der Brunnen ganz besonders bunt werden. Zwei ältere Frauen mit Einkaufswägeli im Schlepptau spazieren vorbei, schauen den vier Frauen zu und nicken anerkennend. «Schön machen Sie das, ganz schön.»

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