Gränichen
Eröffnung des neuen Demenzzentrums: Hier spaziert keiner in eine Sackgasse

Im «Haus am Bach» des Alterszentrums Schiffländi werden bald bis zu zwanzig demente Personen leben

Sibylle Haltiner
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Architekt Severin Andermatt, Florian Koch, Leiter des Alterszentrums, Stiftungsratspräsident Ruedi Widmer und Architekt Guido Wettstein (v.l.) freuen sich über den gelungenen Bau.Sibylle Haltiner

Architekt Severin Andermatt, Florian Koch, Leiter des Alterszentrums, Stiftungsratspräsident Ruedi Widmer und Architekt Guido Wettstein (v.l.) freuen sich über den gelungenen Bau.Sibylle Haltiner

Sibylle Haltiner

Ruhe ist ein grosses Thema im «Haus am Bach». Sie ist wichtig für die Demenzkranken, welche ab Dezember im neu erstellten Gebäude leben werden. Die in erdigen Farben und warmem Licht gehaltenen Räume werden dazu beitragen. Ruhe braucht es aber auch für die Betreuenden, die unter anderem in einem bequemen Sessel bei einem Schläfchen Kraft tanken können für ihre anspruchsvollen Aufgaben.

Von Ruhe war am Wochenende jedoch nichts zu spüren. Zur Eröffnung gab es ein grosses Fest, an welchem das neue Demenzzentrum besichtigt werden konnte. Viele Menschen, junge und ältere, nahmen die Gelegenheit wahr, das Gebäude und den Garten unter die Lupe zu nehmen. Dabei stiess die durchdachte Gestaltung auf besondere Bewunderung. Für diese ist der Winterthurer Architekt Severin Andermatt verantwortlich, der beim Bau von Wohn- und Pflegeheimen über grosse Erfahrung verfügt. Unterstützt wurde er in der Bauleitung durch Guido Wettstein, Architekt aus Gränichen.

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Doppelzimmer und zwei Einzelzimmer stehen im «Haus am Bach» zur Verfügung. Damit sich die Bewohnerinnen und Bewohner orientieren können, ist jedes Zimmer mit einem Tier und einer Farbe gekennzeichnet.

Dank Tieren und Farbe ans Ziel

Mittelpunkt des einstöckigen Gebäudes ist der sogenannte Dorfplatz mit einem Olivenbaum und Sitzbänken. Darum herum sind die Zimmer und Aufenthaltsräume angeordnet, Oberlichter sorgen für viel Tageslicht. «Wir haben die privilegierte Situation, dass das Gebäude einstöckig gebaut werden konnte», erklärte Andermatt. Da das Land zinslos im Baurecht zur Verfügung stand, musste nicht das Letzte aus dem vorhandenen Platz herausgeholt werden. Die Baukosten belaufen sich auf knapp acht Millionen Franken. Der Bau verlief zügig: Im Sommer 2014 wurde die Machbarkeitsstudie erstellt, die Baueingabe erfolgte 2015, im Mai 2016 fuhren die Bagger auf. Anfang Dezember werden die ersten Bewohner einziehen.

Das «Haus am Bach» verfügt über neun Doppel- sowie zwei Einzelzimmer. Diese sind als Ausweichplatz bei Sterbesituationen oder Unverträglichkeit gedacht und können auch als Gastzimmer genutzt werden. «Es hat sich gezeigt, dass die Wohnsituation in Zweierzimmern den Demenzkranken am besten dient», erklärte Severin Andermatt. Als Orientierungshilfe ist jedes Zimmer mit einem Tier gekennzeichnet sowie mit einer Farbe, die sich im Innern wiederholt. Da viel Tageslicht einfluten kann, muss der Tagesablauf nicht künstlich erzeugt werden, Dämmerungsschalter, dimmbare Lampen und Nachtlichter sorgen jedoch immer für eine optimale Beleuchtung.

Fotos schauen in der Badewanne

Das Gebäude ist so angeordnet, dass die Bewohner ungehindert herumspazieren können. «Es gibt keine Sackgassen, jedoch immer wieder einen Raum zum Ankommen», so Andermatt. Zum Beispiel die Aufenthaltsräume mit virtuellem Aquarium oder ebensolchem Cheminéefeuer. Bei grosser Unruhe kann die Station durch Gartentore in zwei Gruppen aufgeteilt werden.

Entspannen können sich die Bewohner auch in einer Badewanne und dabei auf einem Bildschirm Fotos oder Filme betrachten, welche Familienangehörige geliefert haben.

Im Frühling wird der grosse eingezäunte Garten fertig sein. Voliere, Fischteich und Hühnerstall sorgen dort für Abwechslung im Alltag. Zwischen dem Altersheim und der Demenzstation ist ein Platz entstanden, der von der Bevölkerung auch als Durchgang vom Bahnhof zum Dorf genutzt werden kann. Ruedi Widmer, Präsident des Stiftungsrats des Alterszentrums, schwärmte: «Hier ist uns etwas Einmaliges für demente Personen gelungen. Es ist ein Meisterwerk und wir sind sehr stolz.»

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