Fall Funda Yilmaz
Erlöst die Schweizermacher!

Nach der peinlichen Nicht-Einbürgerung der 25-jährigen Türkin Funda Yilmaz aus Buchs muss die Rolle der Laienbehörden als Schweizermacher überdacht werden. Der Kommentar.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Funda Yilmaz wurde der Schweizer Pass verwehrt. (Bildmontage)

Funda Yilmaz wurde der Schweizer Pass verwehrt. (Bildmontage)

Fotos: zvg/key; Montage: edi

Selten war die öffentliche Meinung beim Reizthema Einbürgerung so klar wie im Fall Funda Yilmaz. Wenn sogar SVP-Hardliner wie Andreas Glarner bekunden, die 25-jährige Türkin wäre wahrscheinlich eine so gute Schweizerin wie wir alle, erahnt man: Da muss etwas schiefgelaufen sein bei der Nicht-Einbürgerung der Tiefbauzeichnerin aus Buchs.

Seit das Befragungsprotokoll der Einbürgerungskommission integral publik ist, kann jeder nachlesen, was konkret danebenging: Die 92 Fragen über Dorfleben, Sportarten, Berge etc. sagen wenig über die Schweizerpass-Tauglichkeit von Funda Yilmaz aus und hätten die meisten ihrer Altersgenossen ebenso in Verlegenheit gebracht.

Prompt bekamen die Buchser schweizweit aufs Dach: Die Attribute reichten von «kleinkariert» («Tages-Anzeiger»), «sture Bürokratie» («Weltwoche») bis «einfältig» («Schweizer Illustrierte»). Böse Absichten unterstellt den Buchsern niemand. Die Schweizermacher sind vielmehr in die Falle getappt, indem sie die hier geborene Türkin mit makellosem Leumund überhaupt dieser mündlichen Inquisition unterzogen haben. Nach den mageren Antworten der nervösen Kandidatin glaubten sie, gar nicht anders zu können, als das Einbürgerungsgesuch abzulehnen.

Die Behörden müssen das Einbürgerungsprozedere grundsätzlich überdenken. Zum Schutz von Menschen wie Funda Yilmaz, aber auch zum Schutz der lokalen Laienbehörden. So können sie sich die Fragerei über folkloristisches Pseudowissen ersparen, das auch für sie letztlich nur eines ist: peinlich.