Erlinsbach
Erlinsbacher Reformierte feiern den 450. Geburtstag ihrer Kirche

Zwischen 1563 und 1565 entstand die erste Kirche eines neuen schlichten Typs im Berner Aargau. Anlass dazu gaben die konfessionellen Streitigkeiten zwischen Bern und Solothurn.

Ueli Wild
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Erlinsbacher Kirchenbezirk mit Kirche (1565), Pfarrhaus (1565) und Pfrundscheune (1765)

Erlinsbacher Kirchenbezirk mit Kirche (1565), Pfarrhaus (1565) und Pfrundscheune (1765)

Lutz Fischer-Lamprecht

Im Januar 1563 beauftragte der Rat der Stadt Bern den Landvogt von Biberstein und den Hofmeister von Königsfelden, im bernischen Teil von Erlinsbach einen geeigneten Bauplatz zu suchen und darauf eine Kirche zu errichten. Mit dem Bau einer neuen, von Beginn weg reformierten Kirche im spätgotischen Stil hätte eine seit 1529 bestehende Konfliktsituation im Erzbachtal bereinigt werden sollen.

Bern hatte 1528 auf seinem ganzen Territorium die Reformation durchgesetzt. Auf Solothurner Boden blieb die konfessionelle Frage zunächst ungeklärt. Schliesslich kehrte die St.-Ursenstadt zum alten Glauben zurück. Im solothurnischen Erlinsbach, wo ein Vorgängerbau der heutigen St.-Nikolaus-Kirche stand, war die Bevölkerung 1529 hin- und hergerissen. Den Kirchensatz – das Recht, den Pfarrer einzusetzen – besass freilich Bern, das dafür sorgte, dass neugläubige Pfarrherren zum Zuge kamen. Zu Beginn der 34 Jahre dauernden Amtszeit von Heinrich Brügger wurden sämtliche Altäre, Bilder und Kultgegenstände aus der Nikolauskirche entfernt – ohne Einwilligung der Stadt Solothurn. Die Erlinsbacher Katholiken mussten während mehr als 40 Jahren, bis 1571, die Messe in Stüsslingen besuchen.

Als Pfarrer Brügger 1563 starb, leitete Bern in Erlinsbach den Auszug der Reformierten aus der Nikolauskirche in die Wege. Nach zweijähriger Bauzeit war die auf einer Anhöhe gelegene neue Kirche auf Berner Boden vollendet: ein einfacher, schmuck- und chorloser Predigtsaal. Es war der erste Kirchenbau dieses neuen Typs im Aargau.

Kirche wurde zuerst kaum genutzt

Die – nicht nur konfessionellen – Konflikte zwischen Bern und Solothurn waren damit aber keineswegs beendet. Einig wurden die beiden Stände, was Grenzen, Zuständigkeiten und Einkünfte anging, erst 1665 mit dem Abschluss des Wyniger Vertrags. Der Streitigkeiten wegen blieb die neue Kirche nach ihrer Fertigstellung zunächst 14 Jahre lang unbesetzt. Das schreibt der Historiker Markus Widmer-Dean in der 16-seitigen Broschüre zum Jubiläum*. «Es war kein Pfarrer vor Ort, und die Kirche wurde offensichtlich kaum genutzt. Als Seelsorger amteten während dieser Vakanz die Pfarrherren und Helfer von Aarau und Suhr.»

Widmer-Dean nimmt an, «dass die reformierte Kirchgemeinde Erlinsbach erst 1580 mit dem Prädikanten Tobias Blauner ihre Tätigkeit aufgenommen hat». Dafür spreche der Umstand, dass der Erlinsbacher Tauf-
rodel erst mit der am 17. Januar 1580 erfolgten Taufe eines Heinrich Käser einsetze. Die Quellen, die Aufschluss über die Nutzung der neuen Erlinsbacher Kirche geben könnten, bleiben im weiteren Verlauf des 16. und lange auch des 17. Jahrhunderts eher dünn: Die Kirchenrechnungen etwa, stellt Widmer-Dean fest, seien erst ab 1654 erhalten. Zudem wiesen sie zum Teil grosse Lücken auf. Immerhin lasse sich der Einbau einer Kirchenuhr im Jahre 1636 belegen. 1651 wurde die Kirche im Zuge einer grösseren Renovation mit einer Ummauerung versehen. 1963–1965 wurde sie im Norden durch einen Annex erweitert und im Osten um fünf Meter verlängert.

Genaue Informationen zum alten Glockenbestand gibt es nicht. Widmer-Dean bezweifelt jedoch, dass die älteste Glocke, von der man weiss, jene von 1674, die erste war, die in den Turm gehängt wurde. Von einem früheren Geläut ist nur die kleinste, aus dem Jahre 1699 stammende Glocke erhalten geblieben. Die andern beiden wurden 1932 eingeschmolzen und für den Guss vier neuer Glocken verwendet. Seit wann es in der Kirche eine Orgel gibt, ist unbekannt. Nachweisen lässt sich nur, dass 1897 eine neue Orgel angeschafft wurde, die bis 1947 ihren Dienst tat und dann durch das aktuelle Instrument ersetzt wurde.