Erlinsbach AG
«Erlinsbach soll nicht zum Schlafdorf werden - das ist die grösste Herausforderung»

Markus Lüthy (54, SVP) zieht Bilanz über seine zwölf Jahre als Gemeindeammann von Erlinsbach.

Urs Helbling
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Markus Lüthy vor einem historischen Foto der Gemeinde Erlinsbach AG.

Markus Lüthy vor einem historischen Foto der Gemeinde Erlinsbach AG.

SEVERIN BIGLER

Das Amt des Gemeindeammanns wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Schon sein Vater war 16 Jahre an der Spitze von Erlinsbach AG. Mit 34 Jahren schaffte Markus Lüthy (heute 54) den Sprung in den Gemeinderat. 2001 wagte der SVP-Politiker einen Angriff auf den FDP-Mann Max Tschiri. Doch die Zeit war noch nicht reif: Sein Gegenkandidat gewann, trat dann aber 2005 nach 20 Jahren als Gemeindeammann zurück. Es begann die nächste Ära Lüthy jun. Eine Zeit, in der die Bevölkerung um Grössenordnung 20 Prozent stieg. Eine Zeit, in der Erlinsbach AG und Erlinsbach SO (anfangs 2006 entstanden aus Nieder- und Obererlinsbach) immer mehr zusammen wuchsen. So weit, dass man heute sagen kann, die beiden Erlinsbach seien unglücklich verliebt (AZ vom 28. 6.). Unglücklich, weil die Kantonsgrenze auf absehbare Zeit eine Fusion verhindert.

«Schule war das Wichtigste»

Schon kurz nach seinem Amtsantritt als Gemeindeammann hat Markus Lüthy erklärt (AZ vom 12. 4. 2006): «Wenn man das Erzbachtal hinabschaut, macht es logisch keinen Sinn, dass dies noch zwei Gemeinden sind. Die Grenze besteht jedoch seit über 500 Jahren und man hebt diese nicht innerhalb von zwei Jahren oder einer Amtsperiode auf. Das muss man realistisch sehen. Vielleicht braucht es dafür erst den Kanton Nordwestschweiz. Ich bin überzeugt, dass es eines Tages zur Fusion kommen wird.»

In der Amtszeit von Markus Lüthy haben die beiden Erlinsbach vieles zusammengelegt. Zuletzt die Werkhöfe zu den Technischen Betrieben Erzbachtal. «Aber das Wichtigste war der Entscheid für eine gemeinsame Schule Ende 2007», erinnert sich Lüthy. «Dank der Schule haben wir die Trennung im Dorf überwunden.» Lüthy erinnert sich, dass er in seiner Schulzeit die Jahrgänger in den beiden solothurnischen Erlinsbach kaum gekannt habe. Das sei heute total anders.

Weiterhin Grossrat

Lüthy hat ursprünglich «Stromer», Elektromonteur, gelernt. Nachdem er zehn Jahre auf dem Bau gearbeitet hatte, orientierte er sich neu, heuerte beim Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen an, bildete sich zum Kernkraftwerkstechniker TS weiter. Noch bis Ende Jahr arbeitet er beim PSI 80 Prozent – wegen dem Amt als Gemeindeammann. Dann erhöht er auf 100 Prozent. Der Arbeitgeber sei grosszügig, was seine Aktivitäten als Grossrat anbetreffe, erklärt Lüthy. Seit 2013 gehört er dem Kantonsparlament an. Und das wird weiterhin so bleiben. Ambitionen nach Höherem hat er keine. Nein, Nationalrat wolle er nicht werden, erklärt der dreifache Familienvater, der ab Januar die neuen Freiräume geniessen will.

«Nicht ein Schlafdorf werden»

Einen Tipp an seine Nachfolgerin Monika Schenker (CVP) will er nicht geben. Sie wisse, was auf sie zukomme, gehöre sie doch schon seit acht Jahren dem Gemeinderat an. Markus Lüthy hat aber einen allgemeinen Wunsch: «Erlinsbach soll nicht zum Schlafdorf werden. Das ist die grösste Herausforderung.» Man habe immer versucht, ein qualitativ gutes Wachstum hinzubringen, die Zuzüger so zu integrieren, dass das Dorfleben erhalten bleibt. «Dazu brauchen wir Familien mit Kindern genau so wie gute Steuerzahler», betont Lüthy.

Die Zeit als Gemeindeammann hat er als sehr bereichernd empfunden. Insbesondere auch, was die persönlichen Kontakte anbetraf. «Der Umgang mit den Leuten hat mir Spass gemacht.» Er lobt auch die Verwaltung. «Sie ist in den letzten Jahren noch besser geworden. Als Gemeinderat erhält man die grössere Unterstützung», erklärt Lüthy. Das Amt als Gemeindeammann sei aber insgesamt nicht einfacher geworden. «Es ist heute schwieriger, auf sachlicher Ebene zu diskutieren.» Mühe machen ihm die Leute, die sich grundsätzlich nicht am politischen Leben beteiligen, aber, sobald sie betroffen sind, alles besser wissen.

Unvergessliches Köhlerfest

Wie wichtig sind die Parteien in Erlinsbach? «Grundsätzlich sehr wichtig», erklärt der Mann, der zeitweise zusammen mit zwei SVP-Kollegen die Mehrheit im Gemeinderat hatte. «Sie stützen das Ganze, rekrutieren das Personal.» Aber: «Am Gemeinderatstisch spielt die Parteipolitik überhaupt keine Rolle.»

Auf die Highlights angesprochen spricht Lüthy von den Projekten, die er mitrealisieren konnte: Gemeindehaus, Mehrzweckhalle, Wygärtli. Und er kommt ins Schwärmen, wenn er sich ans Köhlerfest 2010 erinnert. Bleibt die Frage nach dem Schiessplatz «Gehren». «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit dem Militär», versichert Lüthy. Wenn es pro Jahr eine Reklamation gebe, sei das viel.

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