Eppenbergtunnel

Er wohnte während dem Bau direkt neben den Gleisen: «Wir sahen vor lauter Staub kaum noch aus den Fenstern»

Robert Gilgen vor seinem Elternhaus. Dahinter befindet sich die Lagerhalle seiner Firma Trafopower.

Robert Gilgen vor seinem Elternhaus. Dahinter befindet sich die Lagerhalle seiner Firma Trafopower.

Robert Gilgen hat den Bau des Eppenbergtunnels hautnah miterlebt. Das war oft unangenehm – aber nicht nur.

Es ist kaum möglich, näher an den Gleisen zu wohnen als Robert Gilgen. Nur gerade sechs Meter neben der Bahnlinie steht das Haus an der Grundstrasse in Schönenwerd, in dem er aufgewachsen ist. Bis 2016 hat er hier mit seiner Frau Daniela gewohnt. Dann haben die beiden ihr neues Eigenheim bezogen, das direkt dahinter liegt. In Robert Gilgens Elternhaus wohnt nun seine Tochter. Im Wohnzimmer seines neuen Zuhauses erzählt Robert Gilgen, wie er und seine Familie die Bauzeit erlebt haben:

«Ich war über das Projekt Eppenbergtunnel immer sehr gut informiert, denn von 2009 bis 2017 war ich Mitglied des Gemeinderats Schönenwerd. Darum habe ich – als klar war, dass der Bau des Eppenbergtunnels 2015 definitiv beginnen wird – in regelmässigen Abständen Informationsanlässe für die Bevölkerung aus den direkt betroffenen Quartieren in der Nähe der Bahnlinie organisiert.

Das Haus der Gilgens liegt direkt an den Geleisen (beim Zug).

Das Haus der Gilgens liegt direkt an den Geleisen (beim Zug).

Wir alle standen hinter dem Projekt, denn für uns war klar: Wenn weniger Züge durchfahren, ist das für uns ein Mehrwert. Allerdings war uns der Verkehr während der Bauzeit ein Dorn im Auge. Denn ursprünglich war geplant, dass der gesamte Baustellenverkehr durchs Quartier geleitet wird. Da haben wir interveniert und den Vorschlag des Kreisels in der Wöschnau eingebracht. Die SBB hatte ein offenes Ohr dafür und hat diese Idee umgesetzt. Da waren wir sehr erleichtert.

Mit dem Bohren kamen die Probleme

Das erste Baujahr verlief relativ ruhig. Wir hörten vor allem die Bagger, aber der Lärm hielt sich im Rahmen. Speziell waren einzig die Sprengarbeiten. Die waren laut und man hat auch ein leichtes Zittern gespürt. Als dann das Bohren für den Tunnel begann, kamen auch die ersten Probleme. Nicht wegen des Bohrens selber, sondern wegen des Materials, das abgebaut wurde. Uns hatte man gesagt, dieses Material würde via Zug direkt abtransportiert. Plötzlich wurden wir aber informiert, dass dieses Schüttgut direkt vis-à-vis von unserem Haus auf der anderen Gleisseite gelagert wird. Diese Arbeit war nicht nur laut, sondern sie hat auch unglaublich viel Staub produziert.

Das Schüttgut wurde nämlich zuerst via Förderband auf die andere Gleisseite transportiert, von dort mit einem Bagger in Lastwagen verladen und die haben dann das Material zu einem Hügel aufgeschüttet. Mit vier Schneekanonen wurde eine Wasserwand gegen den Staub errichtet, aber die hat nichts gebracht. Der Staub war sehr unangenehm für uns alle im Quartier. Die Fassade meines Elternhauses war komplett verschmutzt, wir sahen vor lauter Staub kaum noch aus den Fenstern, die Schiebetüre quietscht wegen des Feinstaubs noch immer und auch in unserem Pool hatte es eine dicke Staubschicht.

Meine Firma Trafopower war wie viele andere Unternehmen hier im Quartier ebenfalls vom Staub betroffen. Die Autos meiner Monteure waren jeden Abend komplett weiss. Wir haben jedoch von den SBB Jetons erhalten, damit wir unsere Autos jederzeit in der Waschanlage reinigen konnten. Der Staub war fast bis zum Schluss der Bauzeit ein Problem, das die Verantwortlichen leider nie in den Griff gekriegt haben.

Der Staub war überall. Hier die bedeckte er die Windschutzscheibe eines parkierten Autos.

Der Staub war überall. Hier die bedeckte er die Windschutzscheibe eines parkierten Autos.

Flucht in die Berge und nach Schönenwerd

Im Herbst 2018 und im Frühling 2019 wurden an insgesamt drei Wochenenden die Pfeiler für die neue Abfahrt direkt vor meinem Elternhaus in den Boden gerammt. Dafür musste der gesamte Vorgarten zurückgebaut werden. Sonst hätten die Maschinen keinen Platz gehabt. An diesen drei Wochenenden wurde vom Freitag- bis Montagmorgen rund um die Uhr gearbeitet. Das war ein Riesenkrach und es hat permanent alles gezittert. Im Badezimmer des Elternhauses sind einige Plättli kaputt gegangen und es gab Risse in der Wand. Meine Tochter und ihr Freund, die mittlerweile dort wohnen, haben diese drei Wochenenden im Hotel Storchen in Schönenwerd verbracht. Das hat die SBB so angeboten. Meine Frau und ich haben jeweils ein paar Tage in den Bergen verbracht. Wegen des Lärms und der Vibrationen mussten wir allerdings das Kosmetikinstitut Viola meiner Frau von meinem Elternhaus in unser neues Haus verlegt. Es war schlicht zu laut zum Arbeiten.

Geburtstagsfeier in der SBB-Kantine

Im September wurde nun der Vorgarten wieder perfekt in Stand gestellt – auf Kosten der SBB. Überhaupt war die Zusammenarbeit mit den SBB stets hervorragend. Da hat insbesondere Oberbauleiter Benjamin Karli einen tollen Job gemacht. Wir wurden immer frühzeitig informiert, man hat die näheren Anwohner auch mal zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen, es gab Spezialführungen auf der Baustelle für uns und wir haben zu Weihnachten jeweils Guetzli bekommen. Ich habe sogar meinen 60. Geburtstag mit 80 Personen in der SBB-Kantine in Wöschnau gefeiert und wir sind bis morgens um 5 Uhr bewirtet worden. Das war toll!

Trotzdem sind wir froh, dass die Bauerei jetzt vorbei ist. Obwohl – das Piepsen der rückwärtsfahrenden Bagger, das wir jetzt fünf Jahre lang jeden Tag gehört haben, werden wir schon ein wenig vermissen... Aber der Bau hat sich auch für uns gelohnt. Dank der neuen Lärmschutzwand ist es viel ruhiger als früher. Wenn wir jetzt im Garten sitzen, hören wir die Züge kaum noch und in meinem Elternhaus können wir bei offenem Fenster fernsehen. Das wäre früher undenkbar gewesen.»

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