Aarau

Er will dazu beitragen, dass Aarau sauberer wird

Stadtputzer Andres Brändli am Samstagmorgen beim City-Märt. Kel

Stadtputzer Andres Brändli am Samstagmorgen beim City-Märt. Kel

Tierarzt Andres Brändli will dazu beitragen, dass Aarau sauberer wird. Die Aargauer Zeitung war am Wochenende mit ihm auf frühmorgendlicher Putztour.

Samstagmorgen, halb sieben, 6 Grad, kein Wind, es ist trocken, angenehm eigentlich. Im Graben richten Gemüsehändler ihre Marktstände ein. Lichtgirlanden entlang der Kasinostrasse und rund um den City-Märt, hell erleuchtete Schaufenster: Sale, 40%. Nur wenige Frühaufsteher sind um diese Zeit unterwegs, zielstrebig. Geht es zur Arbeit, zum Bahnhof?

Unterwegs ist auch Andres Brändli, an diesem Samstag bereits zum zweiten Mal. Orangefarbene Jacke, schwarze Hose, keine Mütze. Er müsse sich ja nicht verstecken. Mit einem Greifer pickt er Güsel aus den Rabatten, den Hauseingängen, vom Trottoir. Büchsen, Flaschen, Papierfötzel, Reste von Esserwaren. Vom Bahnhof bis zur Kasinostrasse hat er einen halben Kehrichtsack gefüllt.

Andres Brändli, Tierarzt, Sprengmeister – und jetzt auch städtischer Strassenfeger? Man traute es ihm zu: 1947 in Aarau geboren, war er Tierarzt und entdeckte über den Umweg eines Sprengmeisters auch die Liebe zum Stein.

30 Jahre wohnte er in Kölliken, wo er vor zwei Jahren zur Verwunderung der Dorfbewohner ein Ladenportal mitten auf den Dorfplatz setzte. 2003 kam er wieder nach Aarau. Die Aarauer Fahne auf dem Hochhaus hinter dem Sauerländer weist zu seiner Wohnung.

Andres Brändli klaubt ein Papier vom Trottoir beim City-Märt. «Letzten Samstag habe ich zwei 35-Liter-Säcke gefüllt, voll gepresst. Zwei Passanten haben sich bei mir bedankt. Fast alle haben einen guten Tag gewünscht.» Am frühen Morgen, wenn die Stadt erwacht, grüsst man sich noch. Einige hätten sich auch gewundert. Auch die Mitarbeiter vom Werkhof. Was macht der da?

Ja, was macht er eigentlich? «Ich will dazu beitragen, dass die Stadt sauberer wird.» Er gibt zu: Eine leichte Manie stecke schon dahinter. Achtlos weggeworfener Unrat störe ihn enorm. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stadtbewohnern kann er aber nicht daran vorbeigehen, ohne ihn aufzuheben und in einem Mülleimer zu entsorgen.

Ein Beispiel für andere

Die Idee ist ihm gekommen, als er wieder einmal mit Zentrum-Chef Marcel Suter über das Leben in der Stadt plauderte. Die städtischen Putzequipen machten einen guten Job, sagt Brändli. Darum gehe es gar nicht.

Mit seiner Putzaktion am frühen Samstagmorgen will er ein Zeichen setzen: «Wir, die Stadtbewohner, müssen selber auch dafür sorgen, dass wir uns hier wohlfühlen können.» – «Vielleicht», fügt Brändli an, «geben wir ja jenen gleichgültigen Mitmenschen, denen die Sauberkeit der Stadt egal ist, ein Beispiel.»

Und so ruft er die Aarauerinnen und Aarauer auf, ebenfalls zum Besen und zur Klemme zu greifen. Zum Beispiel am nächsten Samstag, 12. Januar (siehe Box).

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