Dieter Hauser
Er war zwölf Jahre Gemeindeammann: «Ich bin begeistert von Küttigen»

Wo der abtretende Ammann Dieter Hauser dem Dorf einen Stempel aufgedrückt hat. Im Gespräch mit der AZ redet er auch über Fusionspläne mit anderen Gemeinden.

Nadja Rohner
Drucken
Teilen
Dieter Hauser im Sitzungszimmer des Gemeinderats. Die Aussicht in seinem Büro ist nicht ganz so gut, dafür hängen Hausers eigene Fotos an den Wänden.

Dieter Hauser im Sitzungszimmer des Gemeinderats. Die Aussicht in seinem Büro ist nicht ganz so gut, dafür hängen Hausers eigene Fotos an den Wänden.

Chris Iseli

Zum Gespräch hat Dieter Hauser ins Gemeindehaus geladen – obwohl sein Lieblingsplatz eigentlich auf dem Küttiger Hausberg, der Wasserflue liegt. Dort oben könne er abschalten, aufs Dorf runterblicken, die Dinge mit Abstand betrachten, sagt der Ammann. Aber draussen ist das Wetter garstig, und so muss die Aussicht aus dem Gemeinderatsbüro für heute genügen. Ein bisschen Bergatmosphäre bringen die drei Fotos an den Wänden, Landschaftsbilder aus dem Schanfigg und aus Korsika, von Hauser selber gemacht. Sein grosses Hobby. Und bald hat er mehr Zeit dafür. Seine letzte Gmeind ist vorbei, er wurde von Regierungsrat Urs Hofmann würdig verabschiedet, bald gibt er den Schlüssel zum Gemeindehaus ab. Nach vier Jahren als Gemeinderat und zwölf als Ammann.

Ein dankbarer Küttiger schrieb ihm per Mail: «Wesentlich von Dir unterstützt, sind das Dorf ruhiger, der Steuerfuss stabil, das Parteigeplänkel und die Gehässigkeiten deutlich zurückgefahren worden.»

Erst mal in den Norden

Als Machtmensch gilt Dieter Hauser nicht. Und lieber redet er über Sachgeschäfte als über sich selber. Doch zum Schluss seiner Amtsperiode sieht er es lockerer. So verrät er, was er als erstes macht, sobald er sein Amt abgegeben hat: Nach Tromsö verreisen und die Nordlichter fotografieren. Danach gehts aber wieder an die Arbeit. Denn mit 63 Jahren ist Hauser noch längst nicht pensioniert; er bleibt Geschäftsleiter der Gemiwo AG (Gemeinnützige Mietwohn AG) in Brugg. Die Firma hatte ihm rund 5 Prozent seines Teilzeitpensums für die Gemeinderatstätigkeit zur Verfügung gestellt – eine Seltenheit heutzutage.

Zum Ammann-Amt ist Dieter Hauser zufällig gekommen. Angefangen hat alles damit, dass er aus beruflichen Gründen Präsident der Küttiger Wohnbaugenossenschaft «Burghalde» wurde. Diese Siedlung war wiederum an einen Holzschnitzel-Wärmeverbund angeschlossen, der ebenfalls genossenschaftlich organisiert war. «Und dort», sagt Hauser, «habe ich wohl einmal etwas zu viel gesagt.» Prompt wurde er zum Präsident der Wärmeverbundgenossenschaft gewählt, und als dann ein Mitglied der Baukommission gesucht wurde, kam man rasch auf ihn.

Das war vor 20 Jahren. Bald darauf brauchte die SVP Küttigen einen Präsidenten – und fragte bei Hauser an, obwohl dieser damals noch nicht einmal Parteimitglied war. So ein richtiger Vollblut-SVPler wurde sowieso nie aus ihm. «Früher war die Küttiger SVP eine Dorfpartei, das hat für mich gestimmt. Eidgenössische Politik spielte keine Rolle.» Für die SVP wurde er dann aber in den Gemeinderat gewählt. 2014 trat er nach internen Streitigkeiten aus der Partei aus.

Während Hausers Amtszeit haben sich zwei Dinge im Dorf markant verändert. Die eine Veränderung kam recht plötzlich, durch die Eröffnung des Staffeleggzubringers, die den Dorfkern stark entlastete. Die andere kam schleichend, mit dem enormen Zuwachs an Einwohnern: Im Jahr 2000 waren es noch rund 5000, heute über 6100 Leute. «Und dennoch haben wir erreicht, dass Dorfstruktur, Ortsbild und Landschaft intakt geblieben sind», bilanziert Hauser. Zwar sei Küttigen ein Stück weit anonymer geworden, aber: «Wir konnten die Infrastruktur dem Wachstum anpassen, ohne die Steuern erhöhen zu müssen. Auch haben wir nach wie vor eine gute demografische Durchmischung und nur eine bescheidene Anzahl Sozialhilfebezüger.»

Er ist ein Wald-Fan

Hausers Stolz auf sein Dorf ist unverkennbar. Im Knopfloch trägt er ein winziges schwarz-gelb-weisses Wappen. «Ich bin begeistert von Küttigen und und habe mich gerne für das Dorf eingesetzt», sagt er. Zwar werde es ihm nicht leicht fallen, die Ämter abzugeben, «aber nach all den Jahren ist es gut, wenn ich es mal etwas ruhiger angehe».

Die Themengebiete, die Hauser während seiner Zeit im Gemeinderat besonders am Herz lagen, sind die Ortsbürger sowie Wald und Umwelt. Die laufende Moderne Melioration begleitet ihn schon seit dem ersten Jahr als Ammann, und nun wird gerade eine wichtige Phase abgeschlossen: Die landwirtschaftlichen Flächen sind neu zugeteilt. Parallel lief die Nutzungsplanung Kulturland, bei welcher die Gemeinde festlegt, was auf den zugeteilten Flächen passieren soll. «Damit geben wir dem Dorf einen wesentlichen Stempel», so Hauser, «es ist ein zukunftsweisendes Projekt.»

Stolz ist er auch darauf, dass Küttigen eine der Gemeinden mit den meisten ökologischen Ausgleichsflächen ist und dass in der neuen Kulturlandplanung eine Hochstammbaum-Schutzzone eingerichtet werden konnte. Weil Hauser keiner ist, der Wasser predigt und Wein trinkt, hat er auf seinem Grundstück an der Kirchbergstrasse gleich drei junge Hochstamm-Apfelbäume gepflanzt. Bäume, vor allem in grosser Zahl, sind ihm sowieso wichtig: Eines seiner Steckenpferde war immer der Forst. «Wir bemühen uns hier, den Wald so zu pflegen, dass es dem Wald entspricht.»

Fusion? Nein danke

Kaum dass Hauser Ammann war, beantragte er die Aufnahme ins Ortsbürgerrecht – «Ich fand, ich könne nicht deren Sitzungen leiten und selber kein Ortsbürger sein.» Er will Traditionen bewahren – und vielleicht kommt daher auch seine feste Überzeugung, dass Küttigen eigenständig bleiben sollte. Auch, wenn die eine oder andere Nachbargemeinde – darunter Aarau – Fusionsgelüste hegt. «Küttiger sind Küttiger, und sie lassen sich nicht gerne ‹driischwätze›», sagt er.

Dabei ist er selber kein Ur-Küttiger – geboren ist Hauser in Wettingen, als Siebenjähriger kam er nach Rombach. Seither wohnte er fast durchgehend in der Gemeinde. «Es hat mir hier zwar immer gefallen, so richtig reingewachsen bin ich aber erst in den letzte Jahren durch mein Amt», sagt er. Er hat es noch genau 16 Tage inne – dann übernimmt Tobias Leuthard (SP).