Aarau
«Er war überzeugt von der Kraft des Kleinstadtmodells»

Die Stadt Aarau nahm Abschied von alt Stadtammann Markus Meyer. Es war eine schlichte und schnörkellose Trauerfeier, ganz im Sinne des Verstorbenen, der seine eigene Person zu keiner Zeit in den Vordergrund gestellt hat.

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In der schlichten und schnörkellosen Feier würdigte Stadtpfarrer Daniel Hess den Verstorbenen als gradlinigen, auch hartnäckigen Verfechter seiner Ideen.

In der schlichten und schnörkellosen Feier würdigte Stadtpfarrer Daniel Hess den Verstorbenen als gradlinigen, auch hartnäckigen Verfechter seiner Ideen.

Chris Iseli/AZ

Familienangehörige, Freunde, Bekannte und Weggefährten aus Politik und Verwaltung haben gestern Donnerstag in der Aarauer Stadtkirche Abschied genommen von Markus Meyer. Unter ihnen waren auch Meyers Nachfolger Marcel Guignard und die heutige Stadtpräsidentin Jolanda Urech. Es war eine schlichte und schnörkellose Trauerfeier, ganz im Sinne des Verstorbenen, der seine eigene Person zu keiner Zeit in den Vordergrund gestellt hat und diesem Grundsatz treu geblieben ist.

Der ehemalige Stadtammann ist am 18. Mai im Alter von 81 Jahren still und gefasst für immer eingeschlafen. Stadtpfarrer Daniel Hess stellte ein Wort des Apostels Paulus in den Mittelpunkt seiner Predigt: «Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben». Dies passe zum Wesen des Verstorbenen, der zeit seines Lebens nie Schwierigkeiten aus dem Weg gegangen, sondern stets kritisch geblieben sei. Markus Meyer habe sich nicht angepasst, um ja nicht anzuecken, er war nach eigenem Bekunden «kein Diplomat», sondern ein hartnäckiger Verfechter seiner Ideen.

Ein Leben für die Öffentlichkeit

Markus Meyer stand ein halbes Leben lang im Dienste der Öffentlichkeit, sei es als Anwalt, als hauptamtlicher Stadtammann von 1974 bis 1987 oder als Grossrat von 1977 bis 1989. Auf kantonaler Ebene gab er unter anderem Anstoss zur Besinnung auf die Rolle des Aargaus bei der Erneuerung der Eidgenossenschaft in der Zeit der Helvetik.

Auch in späteren Jahren nahm er Anteil am Geschehen in «seiner» Stadt Aarau, ohne sich allerdings aktiv einzumischen. Wer aber seinen Rat suchte, stiess auf offene Ohren. Erholung vom beruflichen Alltag fand Meyer in den Bergen, beim Segeln auf dem Meer oder in seinem geliebten Rustico im Verzascatal, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Nach dem frühen Tod seiner Gattin Roswitha fand er Jahre später in Annette Koenig eine verständnisvolle und anregende Partnerin, die ihn bis zum Tod begleitete.

Recht, Gerechtigkeit und Demokratie seien die Grundsätze des Handelns von Markus Meyer gewesen, sagte der emeritierte Professor und Freund Georg Müller in seiner Würdigung.

Der Verstorbene sei überzeugt gewesen, dass «die Gesetze den Menschen gerecht werden müssen». Deshalb habe er eine «sachliche Politik betrieben» und immer wieder «den Ausgleich zwischen den öffentlichen und privaten Interessen gesucht». Da konnte Markus Meyer durchaus auch laut und resolut werden, wenn er von einer Sache überzeugt war.

Dazu gehörte die berühmte «Wanzenaffäre» im Polizeikommando, als Meyer vehement darauf hinwirkte, die rechtsstaatlichen Grundsätze in der Justiz wiederherzustellen und zu wahren.

Er war aber aus Erfahrung auch ein Pragmatiker, der seine Visionen «Schritt für Schritt» und wenn nötig mit Kompromissen durchzusetzen versuchte. Er schwor auf das typisch schweizerische Milizsystem und war überzeugt von der Kraft und den Chancen des Kleinstadtmodells. «Markus Meyer sprach nicht nur von Prinzipien, er lebte sie», schloss Georg Müller seine Gedanken an einen guten Freund. (HR)

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