Es war eine Freundschaft fürs Leben. Arthur Märki und Fredi Vogt machen die Lehre während des Zweiten Weltkriegs in Aarau; Vogt als Maler, Märki als Elektrozeichner.

Jeden Tag treffen sie sich vor dem Geburtshaus Märkis an der Rathausgasse 20 in der Aarauer Altstadt und reden. Abends gehen sie beim Bürgerturnverein ins Kunstturnen oder in die Leichtathletik.

Die beiden Turner verbindet vieles: Beide verlieren früh einen Elternteil und beide setzen gegen den Willen der Familie ihre eigenen Köpfe durch. Vogt tritt aus der Kirche aus und geht ins Militär, Märki geht nicht ans Technikum, sondern folgt dem Rat seiner russischen Tanzlehrerin und reist nach Paris.

Dabei hat er: so gut wie nichts. Er will Balletttänzer werden, alles andere ist ihm mehr oder weniger egal.

Hartes und weiches Brot in Paris

Wenn Fredi Vogt heute von dieser Zeit und von seinem Freund Arthur erzählt, tut er es mit grossem Respekt. Vogt sagt: «Als Turi in den 50er-Jahren nach Paris ging, ass er hartes Brot zum Frühstück. Das hat ihn fürs Leben geprägt.»

Märki mietet sich eine kleine Wohnung und schafft bald den Sprung an die Bühne. «Seine Tanzlehrerin sagte immer, er habe ideale Voraussetzungen: klein, kompakt und kräftig», so Vogt.

Bald tourt er mit einem bekannten Ensemble durch Europa und verdient gut; so gut, dass es für eine Eigentumswohnung in der Nähe des Eiffelturms reicht.

20 Jahre hat dieses Leben Bestand. Dann schläft Arthur Märki eines Tages am Steuer seines Wagens ein und verunfallt schwer. An Balletttanz ist nicht mehr zu denken, doch als «Maître de Ballett» kann er weiterhin in Paris bleiben und seiner Leidenschaft als Lehrer frönen.

Frauen ja, aber keine Heirat

Zeitlebens war Märki beliebt bei den Frauen. Ein Stück weit war der Frauenfaktor auch die Antriebsfeder fürs Tanzen, wie Vogt erzählt. «Turi musste sich nicht gross bemühen, er hatte immer Chancen bei den Frauen», so der Freund.

Trotz der vielen Frauen im Leben von Märki hat er nie geheiratet und keine Kinder gezeugt. «Er bedauerte das, weil seine Mutter sich das gewünscht hatte», weiss Vogt.

2007 dann der nächste Schicksalsschlag. Märki erleidet einen Hirnschlag und wird halbseitig gelähmt. Ein Jahr später holt ihn der Aarauer Anwalt Peter Treyer zurück in die Schweiz. Treyer verwaltet heute auch Märkis Erbe und er ist Stiftungsratspräsident der Arthur-Märki-Stiftung.

Lebensabend im Lindenfeld

Arthur Märki wird von da an im Aarauer Lindenfeld betreut. Vogt besucht seinen Freund jeden Samstag und reicht ihm das Essen. Pläne zum Umbau des Geburtshauses wurden nie ausgeführt, eine Rückkehr ist ausgeschlossen.

Nun kommen die Zinsen seines Erbes zukünftigen Schweizer Balletttänzerinnen und -tänzern zugute, «aber nur solchen, die talentiert und in finanziellen Nöten sind. Und charakterlich stark müssen sie sein, so wie Turi Märki es war», mahnt Vogt.