Aarau

Er lässt ein beinahe vergessenes Instrument wieder erklingen – den unbekannten Bruder des Alphorns

Yannick Wey und sein Büchel verbindet eine lange Geschichte.

Yannick Wey und sein Büchel verbindet eine lange Geschichte.

Yannick Wey lässt auf einer einmaligen CD eine fast vergessene Schweizer Naturtrompete wieder erklingen.

Das Alphorn ist auf der ganzen Welt bekannt. Das Instrument, steht als Symbol für die Schweiz und den Alpentourismus. Der Büchel dagegen, ein anderes traditionelles Instrument, ist sogar hierzulande den meisten unbekannt. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein gefaltetes Alphorn. Statt lang und gerade ist das Rohr gewunden.

Aber auch ausgestreckt ist der Büchel nicht ganz so lang, 2 bis 2.30 Meter, während das stattliche Alphorn bis über 3 Meter messen kann. Und systematisch klassifiziert ist der Büchel auch kein Alphorn. «Der Büchel ist eine Naturtrompete», sagt Yannick Wey (33). Eine Trompete ohne Ventile, der man nur Töne der Naturtonreihe entlocken kann. «Aber kulturgeschichtlich am engsten mit dem Alphorn verwandt.»

Wey muss es wissen. Der in Aarau aufgewachsene Trompetenspieler ist promovierter Musikwissenschafter und forscht an der Hochschule Luzern unter anderem zu Volksmusik. Zusammen mit dem Musiker Balthasar Streiff hat Wey «Büchelbox» herausgegeben, die erste CD mit nur Büchelmusik.

Der Büchel klingt heller als das Alphorn

Wenn man den Klang des Büchels hört, wird klar, warum er zu den Trompeten gehört. Er klingt heller und direkter als das dumpfe, voluminöse Alphorn. Dessen Popularität erreichte der Büchel nie. Im Gegenteil, zeitweilen fürchtete man um sein Überleben.

Der 33-jährige Wey kennt den Büchel schon lange. Sein Vater besass ein Alphorn und einen selbst gebauten Büchel. Auf dem spielt der junge Musiker heute. Den wissenschaftlichen Zugang fand er durch das einjährige private Forschungs- und Konzertprojekt mit Balthasar Streiff. Jahrhundertelang waren Büchelmelodien mündlich weitergegeben worden, durch Nachspielen etwa.

Für die CD machte sich Yannick Wey auf die Suche nach Büchel-Musik. Er hat Noten gefunden und auch welche aus Tonaufnahmen transkribiert. Herausgekommen ist eine CD mit 47 Stücken. Ein zufriedenstellendes Werk sei das, sagt Wey. «Ich war bei meiner Forschung völlig davon abhängig, dass andere Leute früher etwas Ähnliches gemacht haben.»

Es könne sein, dass wieder eine Phase kommt, wo sich niemand für den Büchel interessiere. «Aber vielleicht später», sagt der Forscher und Musiker. Bei seiner Forschung hat Wey auch dem Büchel sehr ähnliche Instrumente in anderen Ländern kennen gelernt, etwa in Schweden oder Ungarn.

Das Duo Wey und Streiff hat sich dem Büchel sowohl theoretisch als auch praktisch angenähert. Im Muotathal ist die Bücheltradition heute am lebendigsten, wenn man das so sagen kann. Bei direkten Begegnungen im Bergtal hat Yannick Wey sein Instrument besser kennen gelernt.

Manchmal habe es zuerst eine gewisse Distanz zwischen den Einheimischen und dem Besuch von der Hochschule gegeben. «Doch sobald sie sahen, dass ich spielen kann, wussten sie, dass ich es ernst nehme.» Beim gemeinsamen Musizieren ist das Eis im Muotatal gebrochen.

Dass er mit dem Büchel vermutlich nie das Hallenstadion füllen wird, ist für Wey kein Problem. «Der Büchel wird kein Massenphänomen», sagt er. Was momentan sowieso ein Vorteil sei, auch im Ausblick auf die Tournee mit «Büchelbox», die im Dezember starten soll.

Er freut sich, dass er zusammen mit Streiff eine Grundlage für den Büchel geschaffen hat, auf der aufgebaut werden kann. Einen Büchel-Boom erwarte er nicht. Aber über ein bisschen mehr Beachtung darf sich die alpine Trompete freuen – zu Recht.

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