Aarau/Unterentfelden

Er ist halbseitig gelähmt und doch zufrieden mit seinem Leben

Krys Ondrejek (li.) und Dave Walker entwerfen gemeinsam Skatermode.

Krys Ondrejek (li.) und Dave Walker entwerfen gemeinsam Skatermode.

Seit seinem Unfall entwirft der Tetraplegiker Krystof Ondrejek aus Unterentfelden mit Kollege Dave Walker aus Aarau unter dem Label «Colour Group» Skatermode.

Grosse Aufdrucke auf T-Shirts mag er nicht. Genau so wenig wie Knallfarben und übergrosse Schnitte. Krystof Ondrejek liebt es schlicht, elegant und doch etwas verrucht. Was also tut der modebewusste Skater, wenn er im Laden nicht fündig wird? Er entwirft seine Kleider selber.

So, wie Krys Ondrejek aus Unterentfelden: Unter dem Label «Colour Group» hat er gemeinsam mit Dave Walker aus Aarau in den letzten Monaten eine kleine Kollektion entworfen, produzieren lassen und vor ein paar Tagen an einem Event in einer Halle im Aarauer Industriequartier Torfeld Süd Freunden und Bekannten erstmals zum Kauf angeboten. In den frühen Morgenstunden war die Kollektion nahezu ausverkauft.

Mode hat die beiden ausgebildeten Fotofachmänner und leidenschaftlichen Skater immer interessiert. 2012 machte Ondrejek ein Praktikum beim Londoner Männer-Lifestyle-Magazin Jocks & Nerds, wurde ein paar Mal als Model gebucht. «Ich habe immer Ideen für eine eigene Kollektion im Kopf mit mir herumgetragen, mich aber nie hingesetzt und daran gearbeitet«, sagt Ondrejek. Es passierte erst nach diesem Schnitt im Sommer 2012. Wegen dieses Steins knapp unter der Wasseroberfläche, diesem unbedachten Sprung.

(Quelle: youtube/colourgroup)

Release von «Colour Group»

Krys Ondrejek ist Tetraplegiker, halbseitig gelähmt. Wenn er sich festhält, kann er für kurze Zeit aus eigener Kraft aufrecht stehen. Klagen will er nicht, Mitleid erst recht nicht.

Natürlich, das Skaten fehlt ihm jeden Tag. Aber was er hat, sind seine Kollegen, die ihn tragen. Immer wieder spricht er über sie, das gute Verhältnis, die Unterstützung in allen Belangen. Sie waren da, als er einsehen musste, dass er seinen Beruf, das Fotografieren, im Rollstuhl nur schwer ausüben kann. Und sie waren da, als er über den Entwürfen für seine Kollektion brütete, sie verwarf, an sich selbst zweifelte, vor Kreativität überschäumte. Ondrejek grinst. «Vielleicht funktionieren meine Beine nicht mehr. Aber die Kreativität entsteht im Kopf. Die kann mir niemand nehmen.»

Mode selber machen – das war wohl leicht gesagt. Alleine am Logo arbeiten Ondrejek und Walker tagelang. «Colour Group», das ist nicht bloss ihr Label, es ist auch der Name ihrer 2007 gegründeten Skater-Crew. Das Label, diese Hommage an die Freunde, musste perfekt sein.

Nach dem Logo machten sich die beiden an die Kollektion. Entstanden sind T-Shirts mit angefressenen Kragen und bundlosen Ärmeln, die dünnen Schriftzüge sind in gleicher Farbe in den Stoff gestickt oder auf die Rückseite gedruckt, sodass sie bloss durchschimmern, dazu Käppis mit dem aufgenähten und aufgedruckten Logo. Und Rucksäcke, von Hand eingewachst. Alles ist in Schwarz, Weiss, Eierschale und Dunkelblau gehalten. Schlicht und elegant eben.

Doch Geschmäcker sind verschieden. Vor dem Release, dem ersten Verkauf der Kollektion, zweifelte Ondrejek. Was, wenn die Mode keinem gefällt? Was, wenn keiner mag, was ihm so wichtig ist, was ihn so viel Arbeit gekostet hat? «Ich war unglaublich nervös, konnte nicht schlafen», sagt er. Doch das gute Echo auf den Release mache ihm Mut. Bereits stehen Ondrejek und Walker mit Skatershops in Verbindung, die ihre Mode in ihren Filialen verkaufen wollen.

Krys Ondrejek hat Lust auf mehr. Natürlich sei das Leben ein anderes, als er es sich vorgestellt hatte. Aber es sei ein gutes Leben. «Hätte ich den Unfall nicht gehabt, hätte ich Mode wohl nicht in dieser Form gelebt.»

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