SBB-Nadelöhr

Eppenberg-Tunnel ist gebaut: Was beim Vierspurausbau Aarau–Olten noch zu tun ist

Das SBB-Nadelöhr Aarau–Olten bekommt einen Bypass. Er wird voraussichtlich günstiger als geplant.

Die grosse Tunnelbohrmaschine ist längst weg, der Tunnel von innen bereits abgedichtet und betoniert. «Es ist eine zu Ende gehende Baustelle, das stimmt uns ein wenig melancholisch», sagt Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer. Dennoch: Bis die Züge durch den neuen Eppenbergtunnel fahren, dauert es noch über ein Jahr. Pünktlich zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2020 soll auf der Hauptschlagader des Schweizer Bahnverkehrs zwischen Aarau und Olten neu auf vier statt nur auf zwei Spuren gefahren werden können.

Herzstück des Bahnausbaus ist der 3,1 Kilometer lange Eppenbergtunnel zwischen Wöschnau und Gretzenbach. Dort werden derzeit die Gleise verlegt. Anders als draussen, wo sie auf die üblichen Schottergleise gesetzt werden, liegen die Gleise im Eppenbergtunnel auf Blöcken, die oben aus Beton und unten aus einem Gummi ähnelndem Material sind. Erschütterungen werden so weniger stark auf die Umgebung übertragen. Dieses sogenannte Masse-Feder-System ist gemäss Oberbauleiter Markus Gerber zwar teurer, zahlt sich langfristig aber aus, da nur wenig Unterhalt nötig sei. «Wir rechnen damit, dass wir 20 bis 30 Jahre lang nichts daran werden machen müssen», sagt er.

SBB-Engpass Olten-Aarau: In rund einem Jahr gibt es vier Gleise

SBB-Engpass Olten-Aarau: In rund einem Jahr gibt es vier Gleise

Der Ausbau der SBB-Strecke Olten-Aarau auf vier Spuren mit dem neuen Eppenbergtunnel ist auf der Zielgeraden. In knapp 14 Monaten wird dieser Flaschenhals im Schweizer Schienennetz Vergangenheit sein.

Mehrere Bauarbeiter waren gestern daran, Beton um die bereits verlegten Bahnschwellen zu giessen. Draussen wurde derweil Schotter abgeladen – auf dem Trassee vor dem neuen, einspurigen Tunnel, der bei Wöschnau unter der Neubaustrecke hindurchführt. Diese 490 Meter lange Röhre wird bereits dieses Jahr am 2. Dezember in Betrieb genommen.

Was beim Vierspurausbau Aarau–Olten noch zu tun ist

Auf der To-do-Liste stehen derweil das vierte Gleis zwischen Dulliken und Däniken, dann die Rampe am Bahnhof Däniken sowie der Einbau der Bahntechnik bei der Verzweigung Gretzenbach und im Tunnel Eppenberg. Dort wird in den nächsten Wochen auch das zweite Gleis verlegt. Fertiggestellt sind bereits die drei Notausgänge: In Gretzenbach, Schönenwerd und an der Aarauerstrasse steht je einer zirka 800 Meter voneinander entfernt. Die beiden ersten führen durch 22 respektive 62 Meter hohe Treppenanlagen nach oben auf den Eppenberg, der Notausgang an der Aarauerstrasse hingegen führt auf Strassenhöhe durch einen 95 Meter langen, betonierten Fluchtstollen.

Der Durchstich am Eppenbergtunnel im Zeitraffer

Der Durchstich am Eppenbergtunnel im Zeitraffer (2. Februar 2018)

Die Tunnelbohrmaschine in 10-facher Geschwindigkeit.

Im August 2020 beginnen die Tests im Eppenbergtunnel. Ab November 2020 wird von Olten bis Däniken bereits auf vier Gleisen gefahren. Im Dezember 2020 wird der Tunnel dann für den Bahnverkehr freigegeben.

Kredit von 855 Millionen Franken dürfte unterschritten werden

Alle Termine konnten gemäss Gesamtprojektleiter Schweizer eingehalten werden. Und er verriet noch eine gute Nachricht: Es zeichne sich bereits ab, dass der Bau leicht weniger kosten werde als budgetiert. 855 Millionen Franken war der Kredit für die Strecke Aarau–Olten, ausgegeben habe man bisher 625 Millionen Franken.

Weitere positive Aussichten versprach SBB-Mediensprecher Raffael Hirt: Dank dem Vierspurausbau und damit der Beseitigung des Nadelöhrs im Niederamt werden ab Dezember 2020 Schnellzüge verkehren von Aarau nach Zofingen, ohne Halt bis Olten. Zudem wird die Strecke Aarau–Schönenwerd–Däniken–Dulliken–Olten im Halbstundentakt bedient.

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