Suhr

Enthusiastisch und nervös: Ein Sekundarlehrer reist als Lehrercoach nach Namibia

Ein Foto, das Küng vor 8 Jahren gemacht hat – nun reist er zurück.

Ein Foto, das Küng vor 8 Jahren gemacht hat – nun reist er zurück.

Der Sekundarlehrer Egon Küng muss bald von Freunden und Familie Abschied nehmen. Am Freitag reist er für drei Jahre nach Namibia, wo er Entwicklungshilfe leisten will.

«Was bedeutet es, für drei Jahre von Freunden und Familie Abschied zu nehmen? Wird man mich vergessen? Lassen sich Freundschaften auch auf Distanz pflegen?» Solche Gedanken macht sich Egon Küng. Morgen Freitag checkt er in Zürich-Kloten ein, um nach Namibia zu fliegen. Es schleichen sich auch andere Gedanken ein: «Werde ich in Namibia ein Fremdling bleiben? Wird mein Einsatz Früchte tragen?»

Sekundarlehrer Egon Küng leistet einen dreijährigen Einsatz an den Schulen Namibias. Seine Partnerorganisation ist Interteam, ein Verein mit Geschäftsstelle in Luzern, der unter anderem Fachleute mit pädagogischem, betriebswirtschaftlichem oder informationstechnologischem Wissen ins südwestafrikanische Land schickt, um das dortige Schulsystem nachhaltig entwickeln zu helfen. Auch Fachpersonen in beratender Funktion in Gesundheitswesen sind dort tätig.

Beratung und Coaching

«Interteam schickt nicht Geld, sondern persönliches Know-how», sagt Egon Küng. «Es geht dabei aber nicht darum, dass wir uns als Besserwisser einbringen und Lösungen, die wir von unserem Schulsystem her kennen, aufdrängen.» Vielmehr werde es seine Aufgabe sein zu beraten und zu coachen. Und: «Der Wissenstransfer wird nicht einseitig sein, sondern in beide Richtungen fliessen.»

Auf Küng wartet in der Stadt Rundu ein Büro. Es ist ausgerüstet mit Computer, Internetzugang und Zimmer für Konferenzen und Weiterbildungen. Damit er die Schulen erreichen kann, wird sich der bekennende öV-Fan ein Auto anschaffen müssen, das ihn unabhängig macht von den unregelmässig fahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zwei Dutzend Schulen

Küng betreut einen Schulkreis mit gut zwei Dutzend Schulen und über 15000 Schülerinnen und Schülern. «Gemäss meinem Auftrag werde ich mich vor allem den Sekundarschulen widmen und eng mit den Lehrpersonen für Englisch und Mathematik zusammenarbeiten.»

Regelmässig wird er Unterrichtsstunden besuchen, wird Weiterbildungen durchführen sowie Einzel- und Gruppentrainings. Küng weiss aber auch, dass Aufgaben und Herausforderungen auf ihn zukommen, von denen er jetzt noch keine Ahnung hat. Und so mische sich «in die enthusiastische Neugier auch Nervosität», wie er sagt.

Er kenne das «unbeschreibliche Licht in Afrika und den Duft der rot-braunen Erde». Vor acht Jahren hat er eine mehrmonatige Reise durch das südliche Afrika unternommen. Seither hat ihn der Wunsch, in einem Projekt der personellen Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten, nicht mehr losgelassen.

Er sagt, mit Interteam habe er nach längerer Suche einen Partner gefunden, mit dessen Philosophie er sich identifizieren könne. Trotzdem gab sich der 44-Jährige einige Jahre Bedenkzeit. Er wollte zuerst als Lehrer in der Schweiz weitere Erfahrung sammeln.

Egon Küng hat über den Umweg einer kaufmännischen Ausbildung zum Lehrerberuf gefunden, arbeitete in Suhr, bevor er eine Stelle in Boswil annahm. Dort unterrichtete er sechs Jahre bis zu seiner Kündigung im Sommer 2012. «Ein tolles Lehrerteam zu verlassen, fiel mir nicht leicht. Der Schritt war sehr emotional.» Er wollte sich Zeit geben, um sich seriös auf den Einsatz in Namibia vorzubereiten. Zudem wollte er seine Schüler nicht unter dem Schuljahr im Stich lassen.

Die letzten Monate wohnte er wieder in Suhr und machte Aushilfen. Ende 2012 besuchte er einen vierwöchigen Ausreisekurs. Damit war der «Ausreiseprozess», wie er sagt, zu dem nebst dem Auswahlverfahren auch Informationsveranstaltungen gehörten, abgeschlossen.

Die Partnerorganisation in Namibia ist das Bildungsministerium der Region Kavango. Sie stellt die grösste Schule dar, bezüglich der Distanzen zwischen den einzelnen Schulen sowie der Anzahl der Schülerinnen und Schüler.

«Ich könnte das nicht»

Die Reaktionen auf seinen Entschluss, der Schweiz für drei Jahre den Rücken zu kehren, sei in seinem Freundeskreis sehr gemischt ausgefallen. Nach der spontanen Reaktion, dass man das cool finde, man das selber aber nicht könnte, sei sehr schnell nach dem Lohn und der sozialen Absicherung gefragt worden: Bist du auch gut versichert? Wie steht es mit der Pensionskasse?

«In Namibia bekomme ich einen Bedarfslohn», sagt Küng. Das heisst, er erhält so viel, dass er damit leben kann. Massstab des Lohns sind die Lebenskosten von dort.

Küng ist alleinstehend. Die Zelte hier für eine absehbare Zeit abzubrechen, kann er verantworten. Jetzt drehen seine Gedanken um die Schulkinder in Namibia. «In der Schweiz sind wir sehr privilegiert», sagt er, «in Namibia kann ich Menschen unterstützen, die nicht so glückliche Voraussetzungen haben wie wir.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1